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06.01.2017

14:23 Uhr

Anerkennung von Abschlüssen

Wie Ausländer in Deutschland Karriere machen

VonLisa Oenning

Ärzte oder Lehrer – wenn Ausländer hierzulande arbeiten wollen, müssen sie zunächst ihre Qualifikation nachweisen. Welche Herausforderungen dabei auf sie warten und was ein Anerkennungsverfahren tatsächlich bringt.

Der Großteil der Anträge führte im Jahr 2014 zur vollen Gleichwertigkeit. dpa

Berufsanerkennung in Deutschland

Der Großteil der Anträge führte im Jahr 2014 zur vollen Gleichwertigkeit.

BonnWer die gleiche Arbeit wie seine Kollegen macht, bekommt die gleiche Bezahlung. Das war Ana Polis simple Rechnung, bevor sie 2013 aus Griechenland nach Deutschland kam. Doch sie ging anfangs nicht auf: Obwohl die heute 33-Jährige fünf Jahre lang in Athen studiert hatte, um als Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeiten zu können, erhielt sie hierzulande nur etwa die Hälfte des gesetzlich vorgegebenen Bruttolohns. Und: Sie durfte trotz Studium nur einfache Aufgaben übernehmen – stets unter der Aufsicht von Kollegen.

Angestellt war Poli zu diesem Zeitpunkt – genau wie ihr Mann – bei dem Personaldienstleister Randstad, der die beiden Griechen als Leiharbeiter an das Bonner Universitätsklinikum vermittelt hatte. „Als ich davon erfuhr, dass wir in Deutschland arbeiten und leben können, war ich im siebten Himmel“, sagt Poli und ein Lächeln huscht über ihre Lippen, wenn sie an den Augenblick zurückdenkt.

Denn mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman im Jahr 2008 rutschten nicht nur die USA, sondern auch europäische Länder in eine tiefe Rezession. Vor allem Griechenland: Die Leute gaben weniger Geld aus, Unternehmen stellten Investitionen ein – und massenhaft Beschäftigte wurden entlassen.

Wo Hilfsarbeiter, Fachkräfte und Akademiker am meisten verdienen

Hilfskräfte

Topverdienste werden im Schnitt in Informations- und Kommunikationstechnik-Berufen (2,214 Millionen Euro) und bei Banken, im Rechnungswesen und in der Steuerberatung erzielt (2,085 Millionen Euro), die geringsten Verdienste in Gesundheits-, Körperpflege- und Wellness-Berufen (910 000 Euro) und in der Land- und Forstwirtschaft (924 000 Euro).

Fachkräfte mit einer betrieblichen Ausbildung

Topverdienste werden hier in Informations- und Kommunikationstechnik-Berufen (2,19 Millionen Euro) und in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen (1,972 Millionen Euro) erzielt, die geringsten Verdienste in Reinigungsberufen (986 000 Euro) sowie in Gastronomie- und Tourismus-Jobs (1,035 Millionen Euro).

Akademiker

Akademikern winken Topverdienste in technischen Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsberufen (2,709 Millionen Euro) sowie in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen (2,553 Millionen Euro), die geringsten Verdienste dagegen in der Lebensmittelindustrie (1,301 Millionen Euro) und in der Gastronomie- und Tourismusbranche (1,302 Millionen Euro).

Etwa vier Jahre nach dem Crash verlor auch Poli ihren Job in einem Privatkrankenhaus für vermögende Griechen. „Als ich arbeitslos wurde, haben mein Mann und ich erkannt, dass wir in Griechenland keine Perspektive haben.“ Heute, drei Jahre später, ist die 33-Jährige als Gesundheits- und Krankenpflegerin eigenständig auf der Intensivstation im Bonner Universitätsklinikum tätig – und bekommt endlich die gleiche Bezahlung wie ihre Kollegen. Doch bis dahin war es ein mühsamer Weg.

Etliche Sprachkurse musste die junge Griechin vor und nach ihrer Ankunft in Deutschland absolvieren und ihre griechische Ausbildung hierzulande anerkennen lassen – und dafür verschiedene Prüfungen ablegen. Denn während angehende griechische Gesundheits- und Krankenpfleger nur ein halbes Jahr praktisch arbeiten, macht die Arbeit am Patienten den Großteil der deutschen Ausbildung aus. „Meine Kollegen sind zwar immer hilfsbereit und freundlich zu mir gewesen, aber sie haben mich nie in Watte gepackt“, sagt Poli.

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Unterstützung erhielt sie beim Anerkennungsverfahren von ihrem Arbeitgeber, der ein Anerkennungsverfahren in die Wege leitete – und sogar die Kosten übernahm. Dieser bürokratische Akt dauert in der Regel drei bis vier Monate ab dem Zeitpunkt, an dem alle Unterlagen vorliegen – und kann pro Antrag bis zu 600 Euro kosten.

Von 2012 bis Ende 2015 sind bei den zuständigen Stellen mittlerweile mehr als 44.262 solcher Anträge eingegangen. Denn seit April 2012 schafft das Anerkennungsgesetz des Bundes einen Anspruch auf ein Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen – und zwar für alle, unabhängig vom Herkunftsland. Über das Informationsportal „Anerkennung in Deutschland“ können Interessierte seitdem prüfen, an welche zuständige Stelle sie sich wenden müssen, um zu erfahren, ob ihre Ausbildung gleichwertig mit der deutschen ist und welche Zeugnisse und Papiere sie für ein Verfahren benötigen.

Beim Portal handelt es sich um ein Drittmittelprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung – herausgegeben vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Seit 2016 fungiert das Anerkennungsportal ebenfalls als Beratungszentrum für Fragen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen auf EU-Ebene.

Kommentare (1)

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Herr Gerald Gantz

06.01.2017, 16:15 Uhr

Das sind schöne und positive Geschichten. Nun weiß ich endlich, welche Flüchtlinge wir wirklich in der BRD haben und verstehe Fr. Merkels Enthusiasmus für die Willkommensgrüße. Wir alle haben sie nur falsch verstanden.

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