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22.09.2011

14:54 Uhr

Angeklagter UBS-Banker

Der große Auftritt des Milliarden-Zockers

Er soll 2,3 Milliarden Dollar verzockt und das Schweizer Bankhaus UBS in die Verlustzone gerissen haben. Heute stand Kweku Adoboli dafür das erste Mal vor Gericht. Ein mit Spannung erwarteter Auftritt.

Kweku Adoboli erreicht ein Gericht in London. dpa

Kweku Adoboli erreicht ein Gericht in London.

LondonKweku Adoboli nennt mit fester tiefer Stimme nur Namen, Geburtsdatum und Adresse. Er trägt grauen Anzug, weißes Hemd und eine dunkle Krawatte und sitzt in einem Glaskasten im Gerichtssaal. Sein Auftritt dauert nur zehn Minuten. Am Ende wird Adoboli in Haft bleiben. Der Mann, der laut der Staatsanwaltschaft der Schweizer Bank UBS einen Schaden von 2,3 Milliarden Dollar (knapp 1,7 Milliarden Euro)zugefügt haben soll.

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Jung, smart und kriminell - das Profil der Händler, die UBS und andere um Milliarden gebracht haben, ist immer das gleiche. Kein Wunder meinen Wirtschaftsethiker. Der Job ist beinhart. Die wenigsten beherrschen ihn.

Am 20. Oktober muss Adoboli wieder vor dem Londoner Gericht erscheinen. Er ist des Betrugs und der Bilanzfälschung angeklagt. Es sollen nicht autorisierte Geschäfte gewesen sein, die ihn vor Gericht gebracht haben. Wobei Adoboli nach jüngsten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wohl viel länger die UBS betrogen haben könnte, als das Bankhaus bislang eingeräumt hat - nämlich von Oktober 2008 bis Dezember 2010.

Adoboli war im Londoner Büro der UBS für den Bereich der Exchange Traded Funds zuständig, also für Börsenprodukte, die Aktienindizes wie den Dax abbilden. Der UBS droht nach Einschätzung von Analysten wegen der Affäre ein Verlust von 500 Millionen Schweizer  Franken (415 Millionen Euro) im dritten Quartal.

Anfangs soll sich Adobolis unlauteres Geschäft ausgezahlt haben, bis das alles aus dem Ruder lief. Heute tut dem einst stolzen jungen Banker alles sehr Leid, wie er über seinen Anwalt ausrichten lässt. Adoboli soll durch spekulativen Handel mit verschiedenen Aktienindexfutures des S&P 500, DAX und EuroStoxx die Milliarden der UBS verzockt haben.

Der Händler habe sein Portfolio nicht korrekt abgesichert, heißt es von der UBS. Und weiter: Die tatsächliche Dimension des Risikoengagements sei dadurch verschleiert worden, dass die Transaktionen zwar im System abgesichert wurden. Die Gegengeschäfte habe der Händler aber nur zum Schein getätigt, erklärte die Bank. Die fiktiven Gegengeschäfte hätten verdeckt, dass die von UBS gesetzten Risikoobergrenzen für den Handel mit den Indexfutures in Wahrheit überschritten wurden. Unklar ist bislang, wie sehr das Risikomanagement der Bank tatsächlich versagt hat.

Der 31-jährige Kweku Adoboli hat heute nicht erkennen lassen, ob er sich bei seinem nächsten Auftritt schuldig bekennen wird.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

22.09.2011, 17:39 Uhr

Der Junge hat seinen Job gemacht... und ich denke, er hat ihn sogar ziemlich gut gemacht, sonst hätte man ihn nicht gewähren lassen. Ich weiß, wie in Banken WP-Abwicklung aussieht. Da kannst du nicht mal an krumme Sachen denken, ohne dass es einer merkt (oder bei der UBS läuft gar nichts mehr und der Laden steht vor dem totalen AUS...). Ergo ergeht es ihm so wie schon Kerviel: Sind sie erfolgreich, ist alles prima, gehts in die Hose, muss sich die Staatsanwaltschaft kümmern...

Mal ganz nebenbei: Was wäre eigentlich, wenn dieser coole Typ die richtigen Positionen eröffnet hätte?? Schätze dann wären das jetzt 2,3 MRD USD Gewinn oder so... Nur die hätte sich die UBS mal so eben eingesteckt und kein Schwein hätte was davon erfahren...! Wer so CASINO spielt, der darf sich nicht wundern, wenn das ganze Ding nach hinten los geht...

Realo

22.09.2011, 18:49 Uhr

Stimme Ihnen voll zu. Eine saubere Bank hätte so etwas nicht durchgehen lassen. Aber warum gibt es dann noch Leute, die Casino auf fremde Rechnung spielen und sich so die Zukunft ruinieren? Ich würde mich auf so einen Job gar nicht bewerben, das können die Vorstände selber machen. Das ganze Szenario passt zur UBS (Unfähiger Banken Schlendrian!) was man sowieso schon weiß. Ist nur ein Schandfleck mehr. Aber hat ja noch genug Kunden, die weiterhin dafür Gebühren zahlen.

Koboldo

22.09.2011, 23:11 Uhr

Ich wage auch sehr zu bezweifeln, dass Adoboli für diese Geschäfte von seinem Arbeitgeber nicht autorisiert gewesen sein soll. Solange alles gut lief hat dieser Mann sicherlich erheblich zu den Gewinnen der UBS beigetragen, sonst hätte man ihm nicht den Zugriff zu so viel Geld für Spekulationszwecke erlaubt. Hätte der schweizer Staat nicht mit einfachen Mitteln der Spekulation auf den Franken ein Ende bereitet, wäre Adoboli von der Geschäftsführung mit Provisionen zugeschüttet worden. Jetzt brauchen die Verantwortlichen der UBS, nachdem der Deal daneben ging, ein Bauernopfer um ihren eigenen Kopf zu retten - nur noch schamlos! In Frankreich war das übrigens genauso

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