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15.01.2013

20:39 Uhr

Anglo American Platinum

Weltgrößter Platinproduzent feuert 14.000 Arbeiter

Der südafrikanische Platinkonzern schließt vier Schächte in Südafrika. Den Arbeitern droht die Kündigung. Anglo American Platinum hat schon einmal Tausende Arbeiter entlassen – und einen blutigen Aufruhr entfacht.

14.000 südafrikanischen Kumpeln droht die Entlassung. AFP

14.000 südafrikanischen Kumpeln droht die Entlassung.

Johannesburg Der weltgrößte Produzent des Edelmetalls Platin, Anglo American Platinum, schließt vier seiner Minen in Südafrika. Der südafrikanische Konzern kappt seine Produktion damit um 400.000 Unzen Gold pro Jahr. Das entspricht 19 Prozent der Gesamtherstellung.

Der Schritt betrifft zudem mehr als 14.000 Arbeiter. Damit steht rund ein Viertel der Belegschaft vor der Entlassung. Allerdings will der Konzern andernorts neue Stellen schaffen. Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 58.000 Menschen.

Der auch als Amplats bekannte Konzern hatte ein Jahr lang sein Geschäft geprüft und präsentierte nun die Ergebnisse der Untersuchung. „Das Unternehmen muss deutliche und drastische Schritte unternehmen, um sich selbst zu retten“, sagt Vorstandschef Chris Griffith. Die Aktie des Bergbau-Riesen kletterte im Johannesburger Handel um rund ein Prozent.

Insgesamt sollen die jährlichen Aufwendungen um 3,8 Milliarden Rand (327 Millionen Euro) gedrückt und die Investitionen zurückgefahren werden. 2011 war der Gewinn des Unternehmens trotz eines zweistelligen Umsatzwachstums um 28 Prozent gefallen. 2012 droht sogar ein Verlust. Der Bergbaukonzern steuerte zuletzt rund 40 Prozent zur weltweiten Förderung von Platin bei. Mehr als die Hälfte der jährlich geförderten Menge an Platin wird zur Herstellung von Produkten wie Autokatalysatoren verwendet.

Der Platinpreis kletterte um rund 2,5 Prozent auf ein Dreimonatshoch. „Die Platinproduktion ist ohnehin anfällig für Störungen. Deswegen erleben wir nun eine Preisspitze“, sagt James Moore, Analyst bei FastMarkets in London.

So groß ist Chinas Hunger nach Rohstoffen

Steinkohle

China ist der mit Abstand größte Verbraucher von Steinkohle. Das Land hat einen Weltmarktanteil von 51,4 Prozent an dem Energieträger. Die USA und Indien rangieren mit Abstand dahinter.

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)/Deutsche Rohstoffagentur (DERA)

Stahl

Das Reicht der Mitte ist der größte Importeur von Stahl. Die Hälfte des Weltmarkts entfällt auf China.

Blei

Auch bei Blei zählt China zu den größten Verbrauchern. 45,6 Prozent des Marktes beansprucht China für sich.

Zink

42,5 Prozent des Zinkmarkts vereinnahmt China für sich – weit mehr als die USA und Korea.

Zinn

Beim Zinn kommt das Reich der Mitte auf einen Marktanteil von 41,0 Prozent. Damit liegt China deutlich vor Japan und den USA.

Aluminium

Beim Aluminium entfallen 39,8 Prozent des weltweiten Verbrauchs auf China.

Nickel

China zieht 39,3 Prozent des Nickelmarktes auf sich und lässt Japan und die USA weit hinter sich.

Kupfer

Bei Kupfer kommt der Verbrauch Chinas auf einen Marktanteil von 38 Prozent. Die USA landen mit deutlichem Abstand auf Rang 2. kurz vor Deutschland.

Erdöl

Lediglich den Rang als Spitzen-Erdölverbraucher überlässt China den USA, die einen Marktanteil von 10,7 Prozent einnehmen.

Am stärksten trifft es den Standort Rustenburg mit 13.000 Arbeitern. Dort hatten die Mineure im vergangenen Jahr die Arbeit niedergelegt, um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne durchzuboxen. Anglo American Platinum hatte diese Streiks als illegal eingestuft und deshalb zwischenzeitlich 12.000 von ihnen auf die Straße gesetzt. Die Streiks waren Teil eines Arbeitskampfs bei vielen südafrikanischen Minenbetreibern. Bei den blutigen Protesten wurden 46 Menschen getötet.

Mit dem Jobabbau riskiert der Produzent nun neuerliche Massenstreiks. Die Regierung, die gegen die hohe Arbeitslosenquote von derzeit rund 25 Prozent ankämpft, äußerte sich empört und sprach von einem Alleingang des Konzerns ohne Absprachen. Die Gewerkschaften kündigten einen großangelegten Streik an, sollte auch nur eine Grube stillgelegt werden.

Anglo American Platinum gehört zu dem Rohstoff-Konzern Anglo American, der unter anderem auch an dem Diamantenförderer de Beers beteiligt ist. Der Bergbau-Riese ringt mit Problemen, vor allem in Südafrika. Die Chefin Cynthia Carroll muss gehen und wird durch Mark Cutifani ersetzt.

Die größten Platin-Nationen

Kolumbien

Das südamerikanische Land holt eine Tonne Platin pro Jahr aus seinen Minen.

USA

Immerhin 3,7 Tonnen des Edelmetalls fördern die USA im Jahr. Im Boden liegen Schätzungen zufolge aber noch 900 Tonnen – die drittgrößten bekannten Reserven weltweit.

Zimbabwe

Das afrikanische Land fördert 9,4 Tonnen im Jahr.

Kanada

An der dritten Stelle der Platin-Produzenten rangiert Kanada mit einer Fördermenge von zehn Tonnen. Die Reserven beziffern sich auf 310 Tonnen.

Russland

Die zweitgrößte Platin-Nation der Welt ist Russland – aber mit deutlichem Abstand. Die Fördermenge bezifferte sich auf 26 Tonnen. Im Boden stecken Schätzungen zufolge noch 1100 Tonnen des Edelmetalls.

Südafrika

Der größte Platinförderer weltweit ist Südafrika mit einer Produktion von 139 Tonnen im Jahr 2011. Am Kap lagern auch die größten Vorkommen: 63.000 Tonnen stecken im Boden.

Quelle: US Geological Survey

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