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22.01.2010

14:01 Uhr

Anleihen

Konzerne nabeln sich von Banken ab

VonMarkus Hennes, Susanne Schier

Statt auf Kredite setzen kapitalmarktorientierte Unternehmen in Europa verstärkt auf Anleihen. Angesichts der restriktiveren Kreditvergabe der Banken werden Anleihen als Refinanzierungsinstrument von Konzernen mit Zugang zum Kapitalmarkt immer wichtiger

Sogar Unternehmen ohne Rating wie etwa Evonik finden problemlos Käufer für ihre Bonds. ap

Sogar Unternehmen ohne Rating wie etwa Evonik finden problemlos Käufer für ihre Bonds.

DÜSSELDORF. Europäische Konzerne nutzen konsequent die hohe Nachfrage der Investoren nach Unternehmensbonds. Gestern platzierte der Metro-Gesellschafter Haniel eine Anleihe mit siebenjähriger Laufzeit über 500 Mio. Euro.

Angesichts der restriktiveren Kreditvergabe der Banken werden Anleihen als Refinanzierungsinstrument von Konzernen mit Zugang zum Kapitalmarkt immer wichtiger. Sogar Unternehmen ohne Rating wie Evonik oder Solarworld finden problemlos Käufer für ihre Bonds. Nach Berechnungen der Royal Bank of Scotland machten Anleihen im Vergleich zu syndizierten Krediten, also von mehreren Banken gemeinsam vergebene Großdarlehen, bereits 64 Prozent der Fremdkapitalaufnahme aus.

Kein Ärger wegen Kreditauflagen

2009 hatten europäische Konzerne Anleihen im Gesamtwert von 300 Mrd. Euro begeben - so viel wie nie zuvor. Für 2010 erwarten Experten Neuemissionen in Höhe von bis zu 200 Mrd. Euro. Das bedeutet zwar einen Rückgang um ein Drittel gegenüber dem Rekordjahr, das Anleihevolumen liegt aber klar über dem Durchschnitt seit 2001. Aus Sicht der Unternehmen bieten Anleihen gegenüber Krediten einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Falls die Geschäfte schlecht laufen, droht kein Ärger mit den Banken, weil Kreditauflagen (Covenants) verletzt wurden. Viele Konzerne versuchen deshalb, sich weiter von den Banken abzunabeln.Bei Thyssen-Krupp entfallen etwa nur noch 40 Prozent der Finanzschulden auf Kredite, im Jahr 2000 waren es noch 94 Prozent.

"Wir nutzen die Anleihe, um Bankverbindlichkeiten abzubauen. Dadurch stärken wir die Ausgewogenheit unserer Finanzierung", sagte Haniel-Finanzchef Stefan Meister. Haniel will den Kredit ablösen, den der Familienkonzern 2007 für die Aufstockung seiner Metro-Beteiligung aufgenommen hatte. Im Moment profitieren die Unternehmen von niedrigen Zinsen und geringen Risikoaufschlägen. Außerdem ist reichlich Liquidität vorhanden. "Der Markt ist offen, und er ist attraktiv", sagte Gerhard Wolf, Kreditexperte der LBBW. Die meisten Marktbeobachter erwarten jedoch, dass sich das im zweiten Halbjahr ändert, wenn die Notenbanken die Liquidität abschöpfen und die Zinsen steigen.

Deshalb müssen sich vor allem die Autohersteller sputen. Nachholbedarf sehen die LBBW-Analysten vor allem bei Daimler, Scania und Renault. Auch der Kapitalbedarf der Telekombranche bleibt hoch. Europäische Konzerne wie Deutsche Telekom, France Télécom und Vodafone könnten 2010 Bonds im Volumen von 25 Mrd. Euro einnehmen, schätzt die LBBW.

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