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15.03.2016

19:00 Uhr

Ann-Kristin Achleitner

Deutschlands mächtigste Aufseherin geht zur Börse

VonMichael Brächer

Ann-Kristin Achleitner soll Aufsichtsrätin der Deutschen Börse werden. Die Wirtschaftsprofessorin ist eine der mächtigsten Frauen in den deutschen Aufsichtsgremien – und gilt bereits als Kandidatin für höhere Weihen.

Die Multi-Aufsichtsrätin Ann-Kristin Achleitner soll künftig auch die Deutsche Börse überwachen. dpa

Ann-Kristin Achleitner

Die Multi-Aufsichtsrätin Ann-Kristin Achleitner soll künftig auch die Deutsche Börse überwachen.

FrankfurtSie sitzt bereits im Verwaltungsrat des französischen Energieversorgers Engie, im Kontrollgremium des Rückversicherers Munich Re, des Handelskonzerns Metro und Industriegas-Spezialisten Linde. Schon bald könnte für Ann-Kristin Achleitner, im Hauptberuf Professorin an der Technischen Universität München, noch eine weitere Aufgabe hinzukommen: Sie soll Finanzkreisen zufolge in den Aufsichtsrat der Deutschen Börse einziehen. „Es ist ihre internationale Erfahrung sowie ihr Verständnis von den Finanzmärkten, die sie zu einer idealen Kandidatin für das Kontrollgremium der Deutschen Börse machen“, heißt es. Offiziell wollte sich das Unternehmen dazu nicht äußern.

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Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange wollen fusionieren. Insidern zufolge sollen damit mehre Hunderte Millionen Euro gespart werden. Von der Höhe der Summe hängt ab, ob die Aktionäre für die Fusion stimmen.

Die Multi-Aufsichtsrätin soll bei der Börse den scheidenden Aufsichtsrat Gerhard Roggemann ablösen, der - mit einer Unterbrechung - seit 1998 in dem Gremium sitzt. Achleitner soll bei der Hauptversammlung der Börse am 11. Mai gewählt werden. Um sich mit Aufsichtsratschef Joachim Faber zu beraten, müsste sie keinen weiten Weg auf sich nehmen. Beide teilen sich die wohl mächtigste Büro-WG-Deutschlands.

Das ALFA-Munich Office in München beherbergt neben Börsen-Chefaufseher Faber und Achleitner auch ihren Mann, Paul Achleitner, den Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, sowie Ex-Allianz-Chef Michael Diekmann. Im Umfeld der Börse sieht man in der räumlichen Nähe zwischen Ann-Kristin Achleitner und Chefaufsichtsrat Faber aber kein drohendes Compliance-Problem, sondern ein Zeichen für die Professionalisierung der deutschen Aufsichtsräte.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Dem Vernehmen nach hat Ann-Kristin Achleitner auch gute Chancen, in den Verwaltungsrat der geplanten europäischen Superbörse einzuziehen. Denn die Eschborner stecken derzeit mitten in Fusionsverhandlungen mit der London Stock Exchange (LSE). Beide Konzerne planen eine Fusion „unter Gleichen“. Die Aufsichtsgremien in Frankfurt und London sollen dabei erhalten bleiben, doch die in London angesiedelte Holding bekäme einen übergeordneten Verwaltungsrat.

Dessen Führung soll zunächst der Brite Donald Brydon übernehmen, der dieses Amt derzeit auch bei der LSE bekleidet. Nach Handelsblatt-Informationen dürfte er dort aber schon nach drei Jahren von Joachim Faber abgelöst werden, der zunächst als Vize-Chef in den Verwaltungsrat einziehen soll.

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