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28.10.2014

17:26 Uhr

Anton Schlecker wird 70

Geburtstag eines Phantoms

Wie feiert einer Geburtstag, der fast alles verloren hat? Wenn Anton Schlecker dieser Tage 70 Jahre alt wird, steht er vor den Trümmern seines Drogerie-Imperiums. Im Chefbüro residiert die Familie aber immer noch.

Seltene Aufnahme: Anton Schlecker, Gründer der Schlecker-Drogeriemärkte, vor Gericht in Ulm 1999. dapd

Seltene Aufnahme: Anton Schlecker, Gründer der Schlecker-Drogeriemärkte, vor Gericht in Ulm 1999.

EhingenWenn Anton Schlecker den Fernseher eingeschaltet hat, dürfte ihm zuletzt so gar nicht zum Feiern zumute gewesen sein. Egal ob im Privat-TV oder bei den Öffentlich-Rechtlichen: Mehrere Beiträge beschäftigten sich in den vergangenen Wochen mit der Pleite seiner gleichnamigen Drogeriemarktkette. Er selbst feiert dieser Tage den ersten runden Geburtstag seit dem Untergang seines Lebenswerks. Am 28. Oktober wird Anton Schlecker 70 Jahre alt. Den Schatten seines einstigen Unternehmens abschütteln kann er allerdings nicht.

„Es ist für ihn sicher kein Vergnügen, permanent mit der Insolvenz konfrontiert zu werden“, sagt einer, der ihn kennt. Zuletzt hatte etwa das ZDF das von Schlecker inspirierte Drama „Alles muss raus - Eine Familie rechnet ab“ gezeigt. Der ehemalige Firmenpatriarch geht noch heute, so erzählen es Beobachter, regelmäßig in der früheren Zentrale in Ehingen bei Ulm ein und aus.

Ob aus Nostalgie oder aus Geschäftssinn, sei dahingestellt: Die Schlecker-Familie residiert noch immer im einstigen Chefbüro, um von dort aus Geschäfte zu betreiben. Offiziell sitzt dort die CML Schlecker Immobilienverwaltung GmbH - seine Frau heißt Christa, die Kinder heißen Meike und Lars.

Die Schlecker-Pleite in Zahlen

Ex-Mitarbeiter

25.000 Menschen kostete die Schlecker-Pleite den Job.

Mitarbeiter

50.000 Mitarbeiter hatte Schlecker zu Bestzeiten.

Schlecker-Filialen

9000 Schlecker-Märkte gab es vor der Insolvenz im In- und Ausland.

Rettung war möglich

Rund 1000 der insgesamt 6000 deutschen Schlecker-Filialen hätten nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi wiederbelebt werden können.

Hilfsfonds

73.000 Euro zahlte ein Hilfsfonds an Ex-Mitarbeiter.

Gläubigerforderungen

Eine Milliarde Euro forderten Gläubiger nach der Pleite.

Gläubigerzahlungen

10,1 Millionen Euro zahlte Anton Schleckers Familie an die Insolvenzverwaltung.

Abwicklung

Rund 30 frühere Schlecker-Mitarbeiter sind noch mit der restlichen Abwicklung beschäftigt, zehn sind es bei der Insolvenzverwaltung

Würde Schlecker selbst etwas erwirtschaften, ginge es direkt an den Insolvenzverwalter. Als eingetragener Kaufmann haftete er persönlich für sein Unternehmen. Die Schlecker-Pleite machte ihn „privatinsolvent“. 30 Mitarbeiter von Schlecker sind noch mit der Abwicklung betraut, zehn sind es bei der Insolvenzverwaltung.

Kommentare (3)

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Herr Thomas V. Schuischel

28.10.2014, 19:14 Uhr

Ein Mann der seinen Profit mit der schamlosen Ausbeutung seiner Angestellten und Subunternehmer machte? Braucht niemand. Und nur kein falsches Mitleid. Seine Kinder haben genug Profit durch Subunternehmer heraus geholt, dass diese weich fallen und sicher den Papa weich betten.

Meine Achtung vor dieser Familie ist keinesfalls hoch.

Herr Klaus Horn

28.10.2014, 21:20 Uhr

Die tatsächliche Ursache der Schlecker - Pleite ist die Gewerkschaft. Sie hat durch Boykottaufrufe die Umsätze der Firma so reduziert, daß die Gewinnschwelle unterschritten wurde und Verluste entstanden. Da Herr Schlecker keine Bankschulden aufgenommen hat war des Ende und damit der Verlust der Arbeitsplätze die Folge.
Die Gewerkschaften sind schuldig an dem Verlust der Arbeitsplätze.

Herr Thomas V. Schuischel

28.10.2014, 22:49 Uhr

Was für eine beschränkte Sicht... Schlecker hatte gegen die Konkurrenz einfach keine Chance mehr. Rossmann, dm, etc. Während Schlecker weiter stur das Konzept des dunklen, kleinen Hinterhof-Geschäfts fernab der Ballungsräume suchte, gewannen die andere durch lichtdurchflutete, angenehme Geschäfte in der Fussgängerzone. Das Managemant von Schlecker war grottig und hat jeden Zug verpasst den es zu verpassen gab. Darf ich an die Stilblüten am Ende erinnern? "For you, for Ort". Darauf angesprochen erklärte das Management man wolle damit auf die bildungsfernen Schichten ansprechen - der Durchschnittskunde von Schlecker. Und das wurde wirklich gesagt...

Die Läden von Schlecker waren einfach Ruinen. Dazu kam natürlich noch das Image. Und Schlecker darf sich nicht wundern, dass bei würdelosen Gehältern eben die Presse schlecht ist. Oder soll man ihn dafür loben? Rossmann und dm ist nun auch kein Caritas-Verband, schafft das aber besser. Warum wohl? Und welche Jobs hat die Gewerkschaft auf dem Gewissen? Quatsch. Bei Hygiene/Drogerie-Artikel muss der Kunde auf Substitute in Form von anderen Firmen ausweichen. Er kann sich nicht einfach mehr weniger waschen o.ä., nur weil der Schlecker-Markt eben dicht gemacht hat (und er da eh nicht mehr einkaufte). Bedeutet der Umsatz ist nun bei anderen Firmen in der Bilanz. Und dadurch werden wieder andere Jobs geschaffen. Ob mehr oder weniger ist mühselig zu streiten, das wird man nie ausdiskutieren können. Aber so wie sie es hinstellen ist es einfach nicht. Schlecker hat sich schon selbst in den Dreck gefahren. Die Gewerkschaften haben damit nichts zu tun. Und ich will eher, dass die Gewerkschaften auf viel mehr Missstände aufmerksam machen, anstatt wegen Jobs darauf zu verzichten. Das macht schon unsere Bundesregierung wegen Jobs jegliche Moral zu vergessen, das brauchts nicht von Seiten der Gewerkschaften.

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