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31.08.2012

11:22 Uhr

Antony Jenkins übernimmt bei Barclays

Der Banker von nebenan

VonMichael Maisch

Ein besonnener Brite statt eines aggressiven Amerikaners. Antony Jenkins soll Barclays wieder zurück auf die gerade Bahn führen. Der bisherige Chef der Privatkundensparte gilt jedoch nicht als Investment-Spezialist.

Antony Jenkins gilt als zurückhaltend und höflich, aber auch als durchsetzungsfähig. dapd

Antony Jenkins gilt als zurückhaltend und höflich, aber auch als durchsetzungsfähig.

London.Eigentlich war Antony Jenkins nicht der Top-Favorit für den Job an der Spitze der in Verruf geratenen britischen Bank Barclays. Viele der einflussreichen Großaktionäre hätten sich statt dem Eigengewächs Jenkins einen Kandidaten von außen gewünscht. Einen Kandidaten, der nach der langen Serie von Pleiten, Pech und Pannen für einen klaren Schnitt sorgt.

Aber vielleicht ist dieser Schnitt ja auch mit dem 51-Jährigen möglich, den Barclays gestern nach zweimonatiger Suche zum Vorstandschef krönte? Zumindest ist Jenkins das komplette Gegenteil seines Vorgängers Bob Diamond. Diamond wurde im Investment-Banking groß, Jenkins leitete das Privatkundengeschäft der Briten. Diamond ist Amerikaner, Jenkins Engländer.

Diamond gilt als laut, aggressiv und auftrumpfend, Jenkins als zurückhaltend und höflich, als der nette Banker von nebenan. Die meisten Analysten trauen dem Oxford-Absolventen dennoch genug Rückgrat zu, um bei Barclays für einen Kulturwandel zu sorgen. Das könnte sich vor allem für die Investmentbanker, die den Konzern noch immer dominieren, als schlechte Nachricht entpuppen.

Jenkins startete seine Karriere als Trainee bei Barclays, bevor er für sieben Jahre zum US-Bankriesen Citigroup wechselte. 2006 holten ihn die Briten als Sanierer für ihr Kreditkartengeschäft zurück. Diese Aufgabe erledigte Jenkins so gut, dass ihn Diamonds Vorgänger John Varley 2009 zum Privatkundenvorstand beförderte.

Ob diese Qualifikationen ausreichen, um Barclays wieder auf Kurs zu bringen? Der Skandal um die Manipulation des globalen Referenzzinses Libor hat das drittgrößte britische Geldhaus innerhalb weniger Wochen nicht nur den guten Ruf, sondern auch das gesamte Topmanagement gekostet. Neben Vorstandschef Diamond musste auch Chairman Marcus Agius gehen, weil die aggressive Unternehmenskultur das Vertrauensverhältnis zu den Aufsehern zerrüttet hatte.

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