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16.11.2016

10:00 Uhr

Apple, Goldman, Microsoft

Wie Konzernchefs sich mit Trump arrangieren

Der Sieg von Donald Trump bringt die US-Konzerne in die Zwickmühle. Sie wollen ihre Produkte an Anhänger der Demokraten und Republikaner gleichermaßen verkaufen. Die Unternehmenschefs wagen den Balance-Akt.

Der Microsoft-Chef gratulierte Trump im sozialen Netzwerk Linkedin postwendend zum Wahlsieg AFP; Files; Francois Guillot

Satya Nadella

Der Microsoft-Chef gratulierte Trump im sozialen Netzwerk Linkedin postwendend zum Wahlsieg

New YorkApple-Chef Tim Cook ruft seine Mitarbeiter auf, sich weiterzuentwickeln. Sein Kollege bei Facebook, Mark Zuckerberg, erklärt, „Fortschritt verläuft nicht immer gradlinig“. Und der Vorstandsvorsitzende der dortigen Telekom-Tochter T-Mobile, John Legere, twittert: „Lasst uns schauen, was ein untypischer Nichtpolitiker für Amerika tun kann“. Die US-Konzerne reagieren auf die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und verabschieden sich dabei von der Tradition, Politik und Business nicht zu vermischen.

Manche Spitzenkräfte der Konzerne nutzen ihre Stellungnahme dazu, die Mitarbeiter nach einer hart umkämpften Wahl einander wieder näher zu bringen. Andere betonen die Werte und Missionen ihrer Marken. Und wiederum andere wollen sich gut stellen mit Trump, vor dessen Wahl viele Vorstandsvorsitzende kürzlich noch gewarnt hatten.

Die Übergabe der Macht

Der Countdown läuft

Am 20. Januar ist der „Inauguration Day“, dann wird Donald Trump Präsident der USA. Bis dahin muss ein Großteil des Regierungsapparats ausgetauscht, übergeben oder neu aufgestellt werden – Weißes Haus, Pentagon, Außenministerium, viele Chefs von Geheimdiensten, Behörden und etliches mehr.

Früher Startschuss

Schon früh in diesem Jahr gab Barack Obama den Startschuss, diese Übergabe vorzubereiten. Seither ist eine ganze Reihe eigener Behörden und Abteilungen mit der Abwicklung der Regierung sozusagen im vollen Lauf beschäftigt. Während die einen ausziehen und jede Menge Material archiviert wird, müssen die anderen raus, ohne dass die eigentlichen Regierungsgeschäfte darunter leiden. Das Land muss handlungsfähig bleiben.

Gesetzliche Vorgaben

Die Zeit der Übergabe ist seit 1963 sogar gesetzlich geregelt. Sie ist eine millionenschwere, logistisch und organisatorisch sehr komplexe Angelegenheit. Neben dem politischen Wechsel muss zum Beispiel auch das Weiße Haus als Wohnsitz des Präsidenten hergerichtet werden.

Trump hat Übergangsteam

Donald Trump hat seit längerem ein eigenes Übergangsteam in Washington installiert, es hat seine Räume unweit des Sitzes des Präsidenten. Auch das Weiße Haus selbst hat ein solches Team.

Zahlreiche Personalentscheidungen

Trumps Regierung ist zuständig für rund 4000 Ernennungen. 1000 von ihnen muss der Senat bewilligen, viele sind sicherheitsrelevant und müssen eigens überprüft werden. Ein riesiges Postengeschacher, vor allem dann, wenn auch die Parteifarbe des Präsidenten wechselt. Einem neuen Präsidenten wird gemeinhin empfohlen, vor dem US-Feiertag Thanksgiving Ende November seine 50 wichtigsten Positionen benannt zu haben.

Offizielle Übergabe im Januar

Offiziell beginnt die Zeit der „Transition“ mit dem Tag nach der Wahl und endet mit dem 20. Januar. Bis dahin ist Barack Obama im Amt, mit allen Rechten und Pflichten, „lahme Ente“ hin oder her. Von 12.00 Uhr mittags an ist Trump dann auch Commander in Chief, oberster Befehlshaber des US-Militärs. Erst dann hat erhält er auch die Aktivierungscodes für das Atomwaffenarsenal.

Die Männer und Frauen an der Spitze der größten US-Unternehmen wissen, dass schlechte Beziehungen zum Weißen Haus unter Trump ihnen das Geschäft verderben können. Und sie wissen, dass sie in liberalen Hochburgen wie New York und San Francisco genauso Kunden umwerben müssen wie in republikanischen Gegenden wie Fort Wayne, Indiana oder Charleston in West Virginia. „Neutralität ist die beste Politik“, empfiehlt daher John Challenger, Vorstandsvorsitzender der Personalberatung Challenger, Gray and Christmas.

John Legere von T-Mobile, der Trump vor der Wahl offen abgelehnt hatte, gratulierte dem gewählten Präsidenten über Twitter zum Sieg und äußerte sich nicht zu angekündigten politischen Entscheidungen. Der Chef vom Konkurrenten Sprint, Marcelo Claure – selbst ein Einwanderer und persönlich gegen Trump – erklärte in einer E-Mail an die Mitarbeiter, es sei „unsere Verpflichtung, den Willen der Amerikaner zu akzeptieren und den neuen Präsidenten zu respektieren“.

Möglicherweise äußerten sich Legere und Claure so zurückhaltend, weil der US-Präsident den Vorsitzenden sowie die Mitglieder der Regulierungsbehörde FCC ernennt, die erheblichen Einfluss auf die Telekommunikationsbranche hat. Und die Amtszeiten aller fünf FCC-Mitglieder laufen während der ersten Amtszeit von Trump ab.

Die Chefs der Autobauer haben ebenfalls einen versöhnlichen Ton angeschlagen. Dies geht teilweise darauf zurück, dass Trump Veränderungen am Nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta angekündigt hat. Das Abkommen erlaubte es den Unternehmen, in Mexiko Werke zu errichten und von dort zollfrei Autos zu exportieren.

Ford will jedoch auch unter Trump kräftig in Mexiko investieren. Es bleibe bei dem Vorhaben, die Produktion des Modells Focus nach Mexiko zu verlegen, sagte Konzernchef Mark Fields am Donnerstag bei der Eröffnung der Automesse in Los Angeles. „Wir freuen uns darauf, mit der neuen Regierung zusammenzuarbeiten.“ Trump hatte das Vorhaben von Ford im Wahlkampf scharf kritisiert.

Kommentare (1)

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16.11.2016, 10:47 Uhr

Die Unternehmen werden wie immer zum Tagesgeschäft übergehen und ansonsten gilt nach einer verlorenen Schlacht....der König ist tot, es lebe der König.

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