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19.08.2014

15:15 Uhr

Arbeit und Bewegung

„Sport ist perfekt, um neue Ideen zu denken“

VonLisa Hegemann

Sport muss auch während der Arbeit möglich sein. Dafür wirbt Thomas Huber vom Zukunftsinstitut. Im Interview erklärt er, warum Sport im Kampf um Fachkräfte wichtig ist – und es um mehr als die Work-Life-Balance geht.

Betriebssport findet heute oft an einem Ort zu einer bestimmten Zeit statt. Thomas Huber vom Zukunftsinstitut fordert künftig mehr Flexibilität von den Unternehmen für sportliche Aktivitäten ihrer Mitarbeiter. picture alliance / dpa

Betriebssport findet heute oft an einem Ort zu einer bestimmten Zeit statt. Thomas Huber vom Zukunftsinstitut fordert künftig mehr Flexibilität von den Unternehmen für sportliche Aktivitäten ihrer Mitarbeiter.

DüsseldorfSport und Arbeit gehören zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt die „Sportivity“-Studie des Zukunftsinstituts. Bisher wird das Thema Bewegung in vielen Unternehmen aber noch unter „Betriebssport“ abgehandelt. Thomas Huber reicht das nicht. Er ist der Chefredakteur der Studie. Im Interview mit Handelsblatt Online erklärt der Münchner Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, warum Sport im Arbeitsalltag immer wichtiger wird, wie Unternehmen die Bewegung ihrer Mitarbeiter fördern können und weshalb der Betriebssport allein nicht ausreicht.

Herr Huber, in der Sportivity-Studie des Zukunftsinstituts schreiben Sie, Sport ist für die Arbeit wichtig. Wo ist denn da ein Zusammenhang?
Wenn Sie sich den üblichen sportlichen Lebensweg heute anschauen, dann spielt Sport bis zum Alter von ungefähr 30 Jahren eine hohe Rolle. Dann fällt die Kurve steil ab. Das ist schon bekannt gewesen.

Und was ist neu?
Jetzt sehen wir, dass mit dem Alter von ungefähr 50 Jahren die Kurve der Sporttreibenden und die Sportlichkeit der Menschen wieder steigt. Daraus kann man sehen, dass die Menschen nicht plötzlich das Interesse daran verlieren, Sport zu treiben. Sonst würden sie ja einfach aufhören und in den Ruhestand übergehen und dort genauso unsportlich bleiben.

Thomas Huber ist der Münchner Geschäftsführer des Zukunftsinstituts.

Thomas Huber ist der Münchner Geschäftsführer des Zukunftsinstituts.

Und das soll nur an der Arbeit liegen?
Nein. Es liegt an den Lebensumständen. Und da spielt die Arbeit eine sehr große Rolle. Wir haben in dieser Zeit zwischen 30 und 50 Jahren eine Lebensphase, die Experten mit dem Begriff „Rush Hour des Lebens“ beschreiben. Da findet auch die Familienbildung statt, vielleicht bauen Sie noch ein Haus. Der Beruf sichert diese Wünsche ab. Und das geht zu Lasten des Sports.

Ja, aber das hat doch nichts mit Arbeit zu tun.
Doch. Wir erleben eine stärkere Mischung von Arbeiten und Leben. Gucken Sie sich die wachsende Zahl an Teilzeitjobs, Freiberuflern oder Arbeitsplatzwechseln an. Das ist ein neues Feld, das die Bedürfnisse der Menschen trifft, ihr Leben flexibel zu gestalten. Das gilt auch für den Job. Das wird eine immer größere Rolle spielen.

Was in Firmen alles schief läuft

Warten auf die IT-Jungs

„Der Arbeitsplatz einer Kollegin war für ihre neue Aufgabe ungeeignet: Sie musste abwechselnd auf den Tisch und dann 45° nach oben schauen. Dort war ihr Monitor im Regal untergebracht. Also standen alle ratlos ums Regal herum und beklagten sich, dass die IT-Jungs, die für solche Umbauten eigentlich zuständig sind, nicht endlich kommen, um den Monitor umzubauen. Während alle anderen rumstanden und klagten, haben ein Kollege und ich einfach den Monitor aus dem Regal genommen und auf den Tisch gestellt. War deutlich besser als auf die IT-Jungs zu warten. Seltsam, dass sonst keiner auf die Idee kam …“

(Quelle: Klaus Schuster, „Wenn Manager Mist bauen“ )

Mach einfach!

„Das Blöde an ›Mach einfach!‹ ist: Seit alle wissen, dass unsere Abteilung´ einfach mal macht, lösen wir auch die Probleme aller anderen Abteilungen, die gerne jede Verantwortung von sich schieben und sich nur noch Routineaufträge zutrauen.“

Entscheidungen treffen

„Leider trauen sich nur sehr wenige Manager, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen haben den kleinen Haken, dass sie eventuell falsch sein könnten, weshalb viele leider die falsche Entscheidung treffen – nämlich keine.“

Reportings ohne Ende

„Ich kenne Vertriebsorganisationen, bei denen die Account Manager vier Tage die Woche Reports verfassen und folgerichtig nur einen Tag die Woche beim Kunden sind. Desaströs.“

Die geliebte Routine

„Es besteht ein Hang dazu, sich in Routine zu vergraben, um keine unangenehmen Entscheidungen fällen zu müssen.“

Verhalt dich mal ruhig!

„Ich glaube, dass Action Management bei uns nur so lange funktioniert, wie das Unternehmen in Notlage ist. Der Satz ›Verhalt dich mal ruhig!‹ fällt bereits, sobald wir irgendwie eine schwarze Null schreiben.“

Erfolge machen einsam

„Action Management funktioniert bei uns nicht, weil Action Manager Erfolg haben und jeder Erfolg bei uns die Neider auf den Plan ruft. Sie fürchten, dass jeder merkt, dass sie keine solchen Erfolge vorweisen können. Erfolge machen einsam.“

Bloß keine Action

„Action Manager sind oft erfolgreich, aber meist nicht beliebt, weil die anderen sich dann auch schneller bewegen müssen. Schwache Chefs finden den Action Manager auch eher unbequem …“

Weniger Anerkennung

„Action Manager ernten bei uns meist weniger Anerkennung als diejenigen, die sich mehr aufs Schwafeln konzentrieren.“

Sie haben auch ein Beispiel?

Dann schreiben Sie mir: c.groh@vhb.de

Noch ist es aber so, dass dieser Punkt in vielen Unternehmen noch gar nicht angekommen ist.
Das ist richtig.

Was kann ich als Unternehmen überhaupt machen?
Ich glaube, es gibt mehr Möglichkeiten, als man zunächst sieht. Bis jetzt wird das Thema unter dem Stichpunkt Betriebssport abgehakt. Das ist dann die Squash-Gruppe oder die Gymnastikgruppe, die sich zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Woche einmal oder zweimal trifft.

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