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21.03.2016

07:54 Uhr

Arbeiten in Café, Bus und Bahn

So arbeiten die digitalen Nomaden

VonCarina Kontio

Wer als digitaler Nomade ortsunabhängig arbeitet, muss sich besonderen Herausforderungen stellen. Eine Studie zeigt: Cafés und Züge sind beliebte Orte für viele Berufstätige. Aber sind sie auch wirklich die sinnvollsten?

Immer mehr Menschen reisen mit dem Laptop um die Welt und arbeiten von unterwegs. Getty Images

Immer mehr Menschen reisen mit dem Laptop um die Welt und arbeiten von unterwegs.

KölnWir Journalisten haben nicht selten Mitteilungen in unserem Postfach, deren Intention allzu offensichtlich ist: „Wir sind toll und wir verkaufen was“. Dass also jemand wie Regus, ein Anbieter für flexible Bürolösungen, in seiner aktuellen Studie zu dem Ergebnis kommt, dass es sich in einer Business Lounge, die er an digitale Nomaden wie ich eine bin, vermietet, besser arbeiten lässt als im Café oder der Bahn, verwundert also nicht. „Ach was!“, sage ich dann amüsiert-erstaunt im Sinne von Loriot vor mich hin und fange an, diesen Text zu schreiben.

Warum? Weil es in der Tat, das hat Regus richtig erkannt, immer mehr Menschen gibt, die als „digitale Nomaden“, wie der Autor Sebastian Kühn es beschreibt, selbstbestimmt und ortsunabhängig arbeiten wollen. Sein neues Buch „Das Handbuch für digitale Nomaden“ ist gerade im Redline-Verlag erschienen und, das sei hier nur am Rande erwähnt, äußerst lesenswert. Immer mehr Menschen also reisen mit ihrem Laptop im Handgepäck um die Welt, eilen von Businesstermin zu Businesstermin und Arbeiten von unterwegs.

26 gute Gründe, lieber zu Arbeiten

1. Sorgen Sie angenehmer für Produktivität 

Menschen, denen es gut geht, leisten gern, sind effizienter und verdienen mehr. Denn Wohlbefinden ist ein wesentlicher Faktor für die Arbeitsproduktivität. Das wurde in einer Metaanalyse von Sonja Lyubomirsky wissenschaftlich nachgewiesen.

(Quelle: Ilona Bürgel)

2. Nutzen Sie den Spitzenreiter in Sachen Wohlbefinden

Es gibt fünf Arten von Wohlbefinden. Das Tätigkeitswohlbefinden, soziales, finanzielles, physisches und Gemeinschaftswohlbefinden. Die Tätigkeit hat doppelt so großen Einfluss auf unser Gesamtwohlbefinden wie alle anderen. Dies hat die Beratungsfirma Gallup in einer weltweiten Studie herausgefunden.

3. Prüfen Sie Ihre Motivation

Was ist Ihnen wichtig im Job? Werden Sie sich klar darüber, welche Ziele Sie für die Zukunft haben, welche Änderungen in Ihrem Leben für Sie wichtig wären. In der TK Stress Studie 2013 konnte nachgewiesen werden, dass „Spaßarbeiter“ gegenüber „Broterwerbarbeitern“ weniger erschöpft und depressiv sind.

4. Entwickeln Sie ein flexibles Weltbild

Betrachten Sie die Welt aus einem optimistischen Blickwinkel, denn als Optimist haben Sie die Chancen einer Situation im Auge, als Pessimist die Risiken. Da Optimismus eine Geisteshaltung ist, geht es in erster Linie darum, negatives und pessimistisches Denken durch eher optimistisches Denken zu ersetzen.

5. Belohnen Sie sich selbst

Sehr viele Menschen lassen sich durch Belohnungen motivieren. Sie auch? Dann nutzen Sie das. Stellen Sie sich selbst Belohnungen für erfüllte Aufgaben in Aussicht. Denn Arbeit darf Spaß machen. Perfekt ist es natürlich, wenn die Belohnung die Tätigkeit selbst ist, sei es durch zufriedene Kunden, Wissenserweiterung oder die Freude daran, das Beste zu geben. Daniel H. Pink hat untersucht, was Menschen bei der Arbeit motiviert. Er fand heraus, dass Firmen, denen Selbstbestimmung wichtig ist, eine vier Mal größere Wachstumsrate haben und ein Drittel mehr erwirtschaften.

6. Genießen Sie Ihre Beziehungen

Haben Sie einen guten Draht zu ihren Kollegen? Ein gutes Verhältnis zu Arbeitskollegen ist für die meisten wichtiger, als Jobsicherheit. Und wer sich wohl fühlt, leistet mehr: Ein positives Arbeitsklima wirkt sich auf die Motivation, Kreativität und Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen aus. Die Ergebnisse der Onlineumfrage von www.stellenanzeigen.de zeigen, dass Mitarbeiterzufriedenheit durch ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Chef vor allem durch Lob und Anerkennung bestimmt wird.

7. Loben , loben, loben

Haben Sie heute schon gelobt? Hauptgrund für Frustration am Arbeitsplatz ist fehlende Anerkennung durch den Chef. Anerkennung, persönliche Unterstützung und sichtbare Fortschritte bei der Arbeit motivieren Mitarbeiter am meisten. Dies bestätigten Tagebucheintragungen, die Theresa M. Amabile und Steven J. Kramer von der Harvard Business School analysierten.

8. Nutzen Sie die Erfolgsformel 3:1

Negative Gefühle wirken wesentlich stärker als positive. Wenn Sie sich einmal ärgern, müssen Sie sich zum Ausgleich dreimal freuen: es braucht ein 3:1 von Positivem zu Negativem. Dies klingt anstrengender als es ist, denn unser Leben ist ja voll von schönen Dingen, wir schätzen sie nur nicht. Beginnen Sie Meetings mit positiven Informationen, schreiben Sie Ermutigendes in Ihren Mailabsender.

9. Schalten Sie mal ab

Kommen Sie raus aus dem selbst gemachten Druck. Hier spielt uns unser Gehirn einen Streich, indem wir mehr Druck empfinden als real existiert, und wir in einer Art vorauseilendem Gehorsam „bereiter“ sind als nötig. Der DAK Gesundheitsreport 2012 ging der Frage nach, ob das Thema Erreichbarkeit ein Krankmacher ist. Dazu wurden 3000 Erwachsene befragt. 51,7 Prozent der Menschen, deren Kollegen und Vorgesetzte ihre privaten Nummern haben, werden nie angerufen, nur 7,5 Prozent der Befragten fühlen sich durch telefonische Erreichbarkeit etwas oder erheblich belastet. 78,9 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu „Mein Arbeitgeber akzeptiert, wenn ich außerhalb der Arbeitszeit nicht erreichbar bin“.

10. Lassen Sie sich von Stress nicht stressen

Vermitteln und erwerben Sie Wissen über Stress und Burnout, aber legen Sie darauf nicht den Fokus. Die Gehirnforschung zeigt: Je häufiger wir etwas wiederholen, umso stärker werden die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn. Also raus aus der Problem- hin zu Lösungsorientierung.

11. Sehen Sie, was Sie leisten

Viel zu lange haben wir darauf gewartet, dass uns Kollegen oder Chefs mal fragen, wie es uns geht, uns loben oder sehen, was wir leisten. Sie werden es nicht tun, so lange wir unsere Leistungen nicht selbst anerkennen und uns selbst wichtig nehmen.

12. Erwarten Sie das Glück bei Arbeit

Überprüfen Sie Ihre Einstellungen. Sind Sie dankbar, dass Sie diese Arbeit haben? Freuen Sie sich, dass Sie dort interessante Menschen treffen? Überall wartet das Wohlbefinden auf uns – wenn wir es treffen wollen und sehen können. Denn um etwas wahrzunehmen, müssen wir es kennen oder erwarten, sonst sehen wir es nicht.

13. Erteilen Sie sich ein Spekulationsverbot

Die Kollegin grüßt nicht, der Kunde ruft nicht zurück? Schluss mit den Spekulationen über die Ursachen. Sie rauben gute Energie. Bleiben Sie neutral. Was sind Tatsachen, und wo gehen Phantasie und Bewertungen mit Ihnen durch?

14. Legen Sie schwierige Termine auf Dienstag

Dienstags ist unsere Leistungsfähigkeit am größten. Das sollten Sie öfter nutzen, vor allem für ungeliebte Meetings.

Dieses digitale Nomadentum bietet mit seinen vielen Freiheiten und der ortsunabhängigen Selbstständigkeit eine großartige Alternative zu einem Arbeitsalltag in der Konzernmatrix, stellt uns aber auch vor einige neue Herausforderungen. Blicken wir aber zunächst nochmal kurz auf die Regus-Studie. Die zeigt, dass Berufstätige zwar durchaus schnell ihre E-Mails checken können, während sie in einem Café sitzen. Allerdings, so heißt es in der Mitteilung, können sie in einer öffentlichen Arbeitsumgebung wie dieser lediglich maximal 20 Minuten am Stück arbeiten.

Von den 44.000 Befragten aus mehr als 100 Ländern gab fast die Hälfte (49 Prozent) an, dass sie sowohl in Cafés als auch in öffentlichen Verkehrsmitteln ihre E-Mails bearbeiten, während sich 41 Prozent unterwegs nicht updaten und nicht auf Nachrichten antworten. Zwei Fünftel der Befragten würden nur eine kurze Antwort während des Kaffees schreiben und sich für eine ausführlichere Rückmeldung an einen ruhigeren Arbeitsplatz zurückziehen.

Nun, hier möchte ich dagegen halten, dass es eher darauf ankommt, wie man gestrickt ist und mit welchen Mitteln man sich dazu bringt, über längere Phasen fokussiert zu arbeiten und sich nicht ablenken zu lassen. Glauben Sie mir, es gibt Tage bei uns im Großraumbüro, da wird so extrem viel geschnattert und gelacht, dass im Vergleich dazu ein Elterncafé mit einer Horde kreischender Kleinkinder im Bällebad die reinste Wohlfühloase ist. Ob nun im Büro oder im Café, meine Devise lautet „Kopfhörer sind die neue Tür“ und längst ein essentieller Bestandteil der Bürokultur.

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