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17.02.2015

19:29 Uhr

Arbeitgeber-Bewertung im Netz

Arbeiten Sie hier bloß nicht!

VonMiriam Binner

Kantinenessen lecker, Kollegen nett, Chef blöd: Auf Bewertungsportalen liest man alles Mögliche über Arbeitgeber. Aber wie aussagekräftig sind solche Plattformen? Was Bewerber mit solchen Urteilen anfangen können.

Auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen werden nicht nur Bestnoten vergeben.

Mitarbeiter vergeben Punkte

Auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen werden nicht nur Bestnoten vergeben.

Es war ein Desaster mit Ansage. Als sich Nina C.* bei einer Werbeagentur in Düsseldorf vorstellte, wusste sie vom schlechten Führungsstil der Chefs. Auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu hatte sie einige negative Erfahrungsberichte gelesen. Trotzdem bewarb sie sich – und sah in ihrem Bewerbungsgespräch den ersten Eindruck bestätigt: „Ich habe mich noch nie so respektlos behandelt gefühlt“, sagt die 40-Jährige.

Immer mehr Bewerber informieren sich im Netz über potenzielle Arbeitgeber – laut einer repräsentativen Umfrage des Hightech-Verbands Bitkom tut das jeder vierte Internetnutzer in Deutschland. Neben Kununu lassen Plattformen wie meinchef.de, jobvote.com und companize.com Arbeitgeber beurteilen, seit Mitte Januar ist auch das üppig finanzierte US-Portal Glassdoor in Deutschland am Start. Wer auf der Suche nach einem Job ist oder den Arbeitgeber wechseln möchte, sollte seine Entscheidung allerdings keinesfalls allein aufgrund der Bewertungen treffen, warnt Bewerbungsberater Jörg Hallberg.

Bei Kununu können Mitarbeiter, Auszubildende oder Bewerber detaillierte Berichte über ihre Erfahrungen in einem Unternehmen veröffentlichen. Außerdem wird die Firma in Kategorien wie Vorgesetztenverhalten, Work-Life-Balance oder Gehalt und Zusatzleistungen bewertet. Die Skala reicht von einem bis maximal fünf Punkten.

Kununu ist mit monatlich 1,1 Millionen Unique Usern die größte Arbeitgeber-Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum – und damit auch ein wichtiges Portal für Unternehmen, die ihr Image als guter Arbeitgeber pflegen wollen. Gegen eine monatliche Gebühr, die von der Größe des Unternehmens abhängt, können bewertete Firmen ihr Profil gestalten und offene Stellen ausschreiben. Kununu gehört seit 2014 dem Online-Netzwerk Xing, das durch den Zukauf sein Informationsangebot für Arbeitnehmer erweitert. Das sorge für mehr Transparenz auf dem Arbeitsmarkt, erklärt eine Sprecherin von Kununu.

Die größten Arbeitgeber-Bewertungsplattformen

Kununu

Mit mehr als 700.000 Bewertungen ist Kununu die größte Arbeitgeber-Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum. Das Portal hat seinen Sitz in Wien und ist eine Tochter der Networking-Plattform Xing. Kununu wurde im Juni 2007 gegründet.

Jobvoting

Im Jahr 2006 ging Jobvoting als erstes deutschsprachiges Meinungsportal für Jobbewertungen an den Start. Seitdem wurden auf der Plattform Bewertungen zu mehr als 100.000 Unternehmen abgegeben.

Glassdoor

27 Millionen Mitglieder hat die US-amerikanische Arbeitgeber-Bewertungsplattform Glassdoor. 2007 gegründet, startete das Portal Mitte Januar 2015 auch eine deutsche Seite. Dort finden sich Bewertungen zu rund 6.500 deutschen Unternehmen von Siemens über Deutsche Bank bis Adidas.

MeinChef

Auch die deutsche Plattform MeinChef, die 2010 gegründet wurde, zählt zu den größeren Arbeitgeber-Bewertungsplattformen im deutschsprachigen Raum. Bewertungen von mehr als 10.000 Arbeitgebern befinden sich in der Datenbank.

BizzWatch

Auf dem 2009 gegründeten Bewertungsportal BizzWatch finden sich Erfahrungsberichte über mehr als 2.500 Arbeitgeber. Die am häufigsten bewerteten Unternehmen haben auf der deutschen Plattform bis zu 15 Einträge.

Jobvote

Ein weiteres deutsches Bewertungsportal ist Jobvote. Seit der Gründung im Jahr 2007 wurden dort Erfahrungsberichte über mehr als 800 Arbeitgeber veröffentlicht.

Companize

Die Plattform Companize ging im März 2010 an den Start. Neben Bewertungen über Arbeitgeber kann man dort auch Gehälter vergleichen.

Mehr Transparenz schützt zwar nicht immer vor bösen Überraschungen, aber der Fall von Frau C. zeigt, dass sich negative Bewertungen bestätigen können. Anstatt auf ihr Anschreiben einzugehen, arbeiteten die beiden Chefs im Vorstellungsgespräch einen Fragenkatalog ab, berichtet die Marketing-Expertin. Außerdem stellten sie Angaben aus ihrem Lebenslauf in Frage. „Das war so etwas wie ein Verhör, kein Bewerbungsgespräch“, sagt sie. Inzwischen hat sich die 40-Jährige selbständig gemacht und ist ihre eigene Chefin. Nach ihren Erfahrungen empfiehlt sie jedem Bewerber, sich auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen vorab zu informieren.

Kommentare (4)

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Herr Achim Rogalski

18.02.2015, 10:50 Uhr

Ich hatte einen ehemaligen Arbeitgeber zwar negativ, aber fair bewertet.
Alle Behauptungen hätte ich beweisen können. Trotzdem wurde die Bewertung bei Kununu nicht veröffentlicht.

Herr Joly Joker

18.02.2015, 11:33 Uhr

Ich finde es sonderbar das Bewertungen von Externen(Beratern) nicht berücksichtigt werden. Ich selbst könnte da so einige Firmen richtig alt aussehen lassen. Von BASF bis VW.

Frau Meike Baum

18.02.2015, 12:47 Uhr

Hallo Handelsblatt, eine Frage bzw. Korrekturhinweis: bei jobvoting steht auf der Startseite "Mehr als 100.000 Unternehmen befinden sich bereits dank der Mitarbeit der Leser in der Datenbank…". Das bedeutet dann wohl: Es gibt über 100.000 Unternehmen in der Datenbank. "In der Datenbank" heisst nicht automatisch, dass die bereits alle bewertet wurden. Kununu hat für diese Anzahl an Bewertungen sehr viel mehr Traffic benötigt und dazu Xing als Partner. Haben Sie da für Ihre Recherche auch mal nachgefragt?

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