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09.02.2015

06:51 Uhr

Arbeitsalltag

So motivieren Sie Ihre Mitarbeiter

VonLisa Hegemann

Spaß an der Arbeit haben nur wenige in Deutschland Beschäftigte. Mit Bonussystemen wollen das viele Vorgesetzte ändern. Doch das funktioniert nur bedingt. Wie Unternehmen Mitarbeiter wirklich motivieren können.

Bonussysteme motivieren nicht jeden Mitarbeiter. Getty Images

Motivation sieht anders aus

Bonussysteme motivieren nicht jeden Mitarbeiter.

DüsseldorfIm alten Job hatte das Bonussystem einwandfrei funktioniert: Wenn ein Mitarbeiter eine bestimmte Verkaufsmarke erreichte, wurde er vor dem ganzen Team öffentlich belohnt und feierlich in den „Club der Besten“ aufgenommen. Im neuen Job wollte der Manager das System erneut anwenden – doch es funktionierte nicht. Jedes Mal, wenn ein Mitarbeiter kurz davor stand, eine Bestmarke zu erreichen, brach die Leistung ein.

Der Manager suchte Rat und fand ihn bei Motivationspsychologe Rolf Schmiel. Der ging den Ursachen auf den Grund. Und stellte fest: Während das Team im alten Job hauptsächlich aus Männern bestand, waren im neuen größtenteils Frauen tätig. Und denen war es peinlich, vor allen anderen gelobt zu werden. Sie hatten das Gefühl, den anderen aus ihrem Team vor das Schienbein zu treten. Das Belohnungssystem funktionierte nicht mehr.

Ein Beispiel für Irrwege, mit denen Unternehmen glauben, ihre Mitarbeiter motivieren zu können. Größere Autos, mehr Geld, interne Auszeichnungen – das Repertoire der potenziell leistungssteigernden Mittel ist kaum zu erschöpfen. Doch Motivation ist nicht käuflich. Und sie funktioniert nur individuell.

Die richtige Motivation für Mitarbeiter

Anreiz 1

Vermitteln Sie den Mitarbeitern Ihre unternehmerische Vision. Werden Sie nie müde, davon zu reden. Pochen Sie darauf.

Zitiert nach: Bernd Gropp, „Ist die Katze aus dem Haus ...“, Redline Verlag

Anreiz 2

Führen Sie Ihr Unternehmen nach Zielen, aber koppeln Sie die Ziele nicht an Sach- oder Gehaltsboni.

Anreiz 3

Vereinbaren Sie ein Festgehalt, das mit der Leistung beziehungsweise mit dem Nutzen des Mitarbeiters korreliert. Verzichten Sie auf sonstige extrinsische Motivation.

Anreiz 4

Setzen Sie auf intrinsisch motivierte Mitarbeiter.

Anreiz 5

Behandeln Sie die Mitarbeiter fair. Bezahlen Sie fair. Loben Sie fair. Vermeiden Sie Maßnahmen, die Einzelne benachteiligen könnten.

Anreiz 6

Stellen Sie sicher, dass die richtigen Mitarbeiter passende Aufgaben bekommen haben.

Anreiz 7

Haben Sie Geduld mit alteingesessenen Mitarbeitern oder solchen, die sich umorientieren müssen. Sie dürfen zufrieden sein, wenn es klappt, eine alte Uhr auch nur um ein Viertel auf die neue Zeit einzustellen.

Motivation wäre in deutschen Unternehmen dringend notwendig. Dem US-Forschungsinstitut Gallup zufolge brennen 67 Prozent der Deutschen nicht für ihren Job – sie machen lediglich Dienst nach Vorschrift. 17 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind nicht nur unglücklich an ihrem Arbeitsplatz, sondern leben das auch noch aus: Sie machen die Erfolge schlecht, die engagiertere Mitarbeiter im Unternehmen erreichen. Das ist teuer: Gallup schätzt den Schaden durch unmotivierte Mitarbeiter auf 99 bis 118 Milliarden Euro pro Jahr.

Mit Bonussystemen versuchen Unternehmen, dagegen zu steuern. Doch ein bisschen mehr Geld am Ende des Jahres treibt längst nicht jeden zu Höchstleistungen: Die US-Forscher Heidi Grant Halvorson und E. Tory Higgins haben in Untersuchungen herausgefunden, dass sich die materielle Motivation von Mitarbeitern in zwei Lager aufteilen lässt. Diejenigen, die immer gewinnen wollen, die nach jedem Plus streben, das ihnen angeboten wird, die immer mehr wollen. Das treibt sie an. Für sie sind Bonussysteme wie geschaffen.

Aber es gibt auch diejenigen, die eher versuchen, ihren Status Quo zu halten, die sich dadurch motivieren lassen, dass sie einen Verlust befürchten müssen, wenn sie ein bestimmtes Ziel nicht erreichen. Und die werden nicht durch ein Bonussystem mehr leisten.

Für Dirk Schmidt ist das Ergebnis nicht verwunderlich. „Was für andere funktioniert, muss nicht für mich funktionieren“, sagt der Motivationstrainer. Der Erfolg stelle sich oft erst dann ein, wenn das Unternehmen seinen eigenen Weg gehe. Das sieht sein Kollege Rolf Schmiel ähnlich. „Einheitliche Bonussysteme führen eher zu Frustration als zu Motivation“, sagt er. Doch viele Arbeitgeber würden lieber „Prozesse managen als Menschen zu führen“. Sprich: Sie haben lieber ein einheitliches System als ein funktionierendes für jeden einzelnen Mitarbeiter – wie auch das Beispiel am Anfang zeigt. Wer seine Mitarbeiter aber wirklich motivieren will, der muss jeden einzeln genau nach dessen Präferenzen belohnen.

Kommentare (9)

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Herr Friedrich Pollock

09.02.2015, 07:49 Uhr

Nachhaltige Motivation ist intrinsisch, d.h. kommt von innen. Da sind wir alle zu unterschiedlich, um ein Geheimrezept zu haben, aber Zufriedenheit, Sicherheit, wahrgenommene Sinnhaftigkeit der Arbeit, soziale Kontakte, ein passender Grad an Automomie & Gestaltungsfreiheit sind schon mal gute Ansatzpunkte dafür. Monetäre Anreize, liebe BWLer, funktionieren über der Erfüllung von Sicherheit nur sehr limitiert.

Herr Christoph Weise

09.02.2015, 07:56 Uhr

Arbeit macht unfrei. In Deutschland macht Arbeit auch wirtschaftlich keinen Sinn mehr. Nach Einkommen-, Kirchen, Kapitalgewinn- und Erbschaftssteuer bleibt nichts übrig. Das Geld, welches der Staat einnimmt, wird mit dem Feuerwehrschlauch in Süd-, Osteuropa und der Ukraine verteilt. Der Rest landet in den Restaurants von Brüssel. Da muss also nun die intrinsische Motivation an den Start. Die Leistungsfähigkeit der "geschätzten Mitarbeiter" nimmt mit sinkendem Grenznutzen ab und das System gerät an seine Grenzen. Viel Spass bei der gegenseitigen Motivationsübung.

Herr Friedemann Beck

09.02.2015, 08:51 Uhr

Die Strategie der Arbeitgeber sieht so aus: Zuerst völlig demoralisieren und die (intrinsische) Motivation nehmen. Danach intrinsische Motivation fordern, denn die ist ja viel billiger und effektiver. Falls das nichts hilft, kann man als letzte Maßnahme (bei großzügigen Chefs) noch durch äußere Anreize gezwungen werden.

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