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30.04.2012

18:26 Uhr

Arbeitsbelastung

Anteil der Fehltage wegen Stress schnellt an

Mehr als jeder achte Fehltag in Deutschland hat seine Ursache mittlerweile in psychischen Erkrankungen der Beschäftigten. Betroffen sind vor allem Frauen aus einer Hand voll Branchen.

Stress am Arbeitsplatz führt zu einer zunehmenden Anzahl an Fehltagen (Symbolfoto). dpa

Stress am Arbeitsplatz führt zu einer zunehmenden Anzahl an Fehltagen (Symbolfoto).

BerlinStändig erreichbar über das Smartphone, befristete Arbeitsverträge, schneller und effizienter arbeiten: Der Druck auf die Arbeitnehmer wächst. Immer mehr Beschäftigte können den Stress nicht mehr aushalten - die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen ist drastisch gestiegen, wie aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei hervorgeht. Danach gab es 2001 deutschlandweit 33,6 Millionen Fehltage wegen psychischer Störungen, 2010 waren es schon 53,5 Millionen. Ihr Anteil an allen Fehltagen stieg damit von 6,6 auf 13,1 Prozent.

Besonders betroffen sind Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsbereich, ein besonderes Risiko tragen Leiharbeiter. Das Arbeitsministerium will im nun nächsten Jahr einen Runden Tisch zum Arbeitsschutz einberufen, um Gegenmaßnahmen zu erörtern. Eine zentrale Frage sei: „Wie können wir messen, wenn Arbeit krank macht“, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der ARD-„Tagesschau“. Nötig seien klare Grenzwerte, damit entsprechende Stoppschilder aufgebaut werden könnten. Den Arbeitgebern müssten Instrumente an die Hand gegeben werden, damit sie etwas ändern könnten. Die meisten seien bereit, etwas zu tun - „sie wissen nur nicht wie“.

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Warum uns die Arbeit krank macht

Burnout, Mobbing oder entnervende Langeweile: Die Arbeit macht immer mehr Deutsche krank. Was davon liegt am System und wie können wir uns selbst helfen? Eine Spurensuche - und ein Ratgeber.

Zu den Ursachen für Psychostress am Arbeitsplatz zählen die Beschleunigung der Arbeitsprozesse, steigende Anforderungen, höhere Eigenverantwortung sowie berufliche Unsicherheit. Zudem listet das Ministerium höhere Mobilitätsanforderungen, immer instabilere soziale Beziehungen infolge häufiger Berufs- und Ortswechsel und wachsende Konkurrenz am Arbeitsplatz auf. Über die Angaben des Ministeriums hatte die „Frankfurter Rundschau“ zuerst berichtet.

Besonders gefährdet sind laut Ministerium Frauen: So liegen die durchschnittlichen Fehltage je 100 Versicherte in der Diagnosegruppe psychische Probleme bei Frauen mit 242,1 (2010) deutlich höher als bei Männern (2010: 137,8 Tage). Auch die Zahl der weiblichen Beschäftigten, die aufgrund psychischer Erkrankungen 2010 in die Erwerbsminderungsrente gingen, ist mit 39 248 Fällen höher. Bei den Männern waren es im selben Jahr 31 698. Besonders viele Fehltage verzeichnen laut Arbeitsministerium Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsbereich, Gesundheitsdienst und in der Papierherstellung und im Druck.

Viele Leiharbeiter arbeiteten zudem unter Bedingungen, „die die Gesundheit negativ beeinflussen können“, heißt es. Sie seien etwa schlechter qualifiziert, mit ihrem Job unzufriedener und hätten ein höheres Risiko, ihre Arbeit zu verlieren. Einen Bedarf für neue Gesetze gegen den Stress sieht die Bundesregierung nicht. Zunächst müsse „der Wissens- und Kenntnisstand“ verbreitert werden, heißt es. Das solle in der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) mit Arbeitgebern und Gewerkschaften angegangen werden. Erst dann könne entschieden werden, ob konkrete Schutzmaßnahmen wie eine „Anti-Stress-Verordnung“ vorgeschrieben werden müssten, wie sie etwa die IG Metall fordert. Für eine solche Verordnung tritt die Linken-Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann ein. Sie fordert zudem eine Eindämmung von Leiharbeit und befristeten Verträgen.

So finden Sie den Spaß im Job wieder!

Tipps vom Ex-Banker

"Keinen Bock mehr?" lautet der Titel des Buches von Klaus Schuster. Der ehemalige Vorstand einer internationalen Bankengruppe gibt Tipps, wie Sie wieder mehr Spaß bei der Arbeit haben. Das Buch ist gerade im Redline Verlag erschienen.

Bullshit-Jobs bekämpfen!

Sie müssen die gleiche Tätigkeit immer wieder erfüllen - ohne, dass sich ein Sinn ergibt: Sprechen Sie mit Ihrem Chef. Ist es zum Beispiel ein Statusbericht, greifen Sie auf den alten zurück und aktualisieren Sie lediglich die Daten. Wenn der Chef dahinterkommt, ist ein Gespräch immer noch möglich. Es ist die Entscheidung zwischen Kadavergehorsam und Emotional Leadership.

Seien Sie nicht die Spaß-Bremse!

Ein langer Konflikt im Vorstand eines Unternehmens. Alle Beteiligten schreiben einen Brandbrief, der zur Klärung auffordert und mit Streik droht. Beteiligen Sie sich daran.

Entscheidungsprozesse optimieren!

Wenn Arbeit keine Freude bereitet, dann liegt das oft daran, dass eine Entscheidung verschleppt wurde. Treffen Sie diese! Wenn Sie nicht zuständig sind, bringen Sie einen übergeordneten Entscheidungsträger auf Trab. Opfer haben wenig Spaß, Spaß haben die Gestalter.

Lassen Sie aus dem Spaß keine Sucht werden!

Kennen Sie den Unterschied? In vielen Führungsjobs gibt es die Gefahr, dass man es mit dem Spaß übertreibt, einfach zu viel davon haben will. Es gibt Gründe, wieso einige Manager zerrüttete Familien haben, Ehefrauen sich scheiden lassen, die Gesundheit leidet und die Kinder verhaltensauffällig sind. Wieso? Weil man sich selbst verarscht. Spaß muss gemanagt werden - bevor man eine Überdosis davon schnupft. Sonst nutzt er nicht.

Erfolg ist keine Sünde, man schämt sich nicht dafür!

Es eröffnet sich für Sie eine Chance, eine potentielle Erfolgsgelegenheit - hadern Sie nicht lange: Treffen Sie die Entscheidung. Sonst zieht sie an Ihnen vorbei. Es gilt: Du bist Manager! Du willst Erfolg! Und für Erfolg schämt man sicht nicht! Diese Imperative sollte man konsequent im Alltag beherzigen und verfolgen. Das ist Emotional Leadership.

Je mehr Offenheit, desto mehr Vertrauen!

Wenn man Ihnen mit beruflichem Misstrauen begegnet, versuchen Sie die Gründe zu finden und reagieren Sie darauf. Sprechen Sie die Person darauf an. Vielleicht können Sie den Spieß sonst umdrehen. Seien Sie in jedem Fall so offen wie möglich - das schafft Vertrauen!

Menschen haben keine Freude an Produkten, sondern an Problemlösungen!

Niemand braucht einen Hammer. Aber viele einen Nagel in der Wand. So weit der Leitspruch. Das sollte man auch im Geschäftsalltag beherzigen. Wenn es um den Verkauf geht zum Beispiel. Eine Schuhverkäuferin sollte es nicht darum gehen, um jeden Preis ein Paar zu verkaufen. Sondern als Emotional Leader auch dem Kunden ein gutes Gefühl mitgeben. Dann kommt er wieder.

Lernen Sie Ihre Präferenzen besser kennen!

Je besser Sie sich selbst kennen, desto mehr Spaß haben Sie an Leben und Arbeit. Es gibt verschiedene Typen: Exra- und Introvertierte, Kopf- und Bauchmenschen, Praktiker und Visionäre, Ordnungsliebende und Spontane. Wenn Sie wissen, welcher Typ Sie selbst sind, können Sie Ihre eigenen Entscheidungen besser einschätzen und wissen, wie Sie damit umgehen sollten.

Bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu!

Es geht um Mohrrüben: Chefetagen halten sie Managern gerne vor die Nase. Sie wollen den Mitarbeitern Anreize geben. Das führt oft dazu, dass man sich zu Falschem verleiten lässt und über das Ziel hinaus schießt. Vermeiden Sie Pyrrhus-Siege, lassen Sie sich nicht aufs Kreuz legen - bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu.

Spaß macht Erfolg!

Sich die Zähne putzen - ob man dabei Spaß hat oder nicht, das Ergebnis ist das gleiche. Anders ist es im Job. Den großen Durchbruch, Quantensprünge im Job dagegen, das ist viel leichter, wenn wir Freude an unserer Arbeit haben.

Freude ist ein Tool. Setzen Sie es verantwortungsvoll ein!

Natürlich ist Freude eine Emotion, aber auch ein Tool. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie zu viel Spaß abgekommen, verhalten Sie sich wie ein Emotional Leader: Ziehen Sie sich selbst aus dem Verkehr und gehen Sie zum Beispiel für drei Tage in eine Therme. Sie sollten die Kontrolle über Ihren eigenen Spaß behalten.

Vertrauen ist Supermotivation!

Schenken Sie Ihren Mitarbeitern Vertrauen: Nicht den Dumpfbacken und Lemmingen, wohl aber den selbstständig denkenden und engagierten Kollegen. Setzen Sie mehr kontrolliertes Vertrauen in Ihre Leistungsträger. Als Lohn bekommen Sie Motivation, Engagement, Respekt, Loyalität und Leistung.

Auch als Kopfmensch können Sie Ihr Baugefühl aktivieren!

Zwei junge Leute kommen zu Reinhard, er ist im Vorstand einer Volksbank tätig. Als Bauchmensch will er ihnen eine Freude machen. Damit hilft er dem jungen Paar. Die sind so dankbar, dass sie bald darauf zu ihm kommen und ihr ganzes Geld mitbringen: Sie vertrauen ihm. Er soll alles anlegen. Die größte Freude ist das Vertrauen des Kundens. Es ist mehr wert als Preis, Qualität und Leistung. Deshalb versuchen Sie auch als Kopfmensch Ihr Baugefühl zu aktivieren.

Es zählen nicht nur Zahlen, Umsatz und Preis!

Notieren Sie die Liste mit fünf Kundennamen. Was fällt Ihnen, wenn Sie die Namen durchgehen, bei den Einzelnen auf Anhieb ein. Dem Emotional Leader fällt sofort ein, was dem jeweiligen Geschäftspartner am meisten Spaß im Leben oder im Business bringt. Das ist das Sesam-öffne-dich jeder Verhandlung.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Malocher

30.04.2012, 22:46 Uhr

Willkommen im Arbeitslager Deutschland, der asozialen Marktwirtschaft mit dem wettbewerbsintensivsten Arbeitsmarkt der Welt.

rheukamp

01.05.2012, 09:49 Uhr

Eine schöne Wortkreation "schnellt an", würde Axel Hacke sicher gefallen

xyz

01.05.2012, 09:58 Uhr

bei meiner Arbeit sind auch mehrere wegen psychischer Krankheiten nicht da. Man muss hier aber differenzieren. Boreout macht genauso krank wie Burnout und es gibt beide Extreme, die zu den klassischen Erkrankungen hinzukommen.

Meiner Auffassung nach ist die moderne Arbeitswelt ungesund für jedermann. Ich schlag angesichts sinkenden Arbeitsvolumens und hoher produktivität vor eine 30 bis maximal 32 StundenWoche einzuführen. Wir haben ja genug Arbeitslose und laden gerade ganz Europa zu uns ein. Mit entsprechenden Nachschulungen dürften die dann auch einsetzbar sein in einigen Bereichen.

durch die Reduzierung der Arbeitszeit würden wir im Gesundheitssystem Geld sparen, dass man anderswo einsetzen kann. Durch die Integration der Arbeitslosen sparen wir Sozialhilfe. Allerdings muss dann auch mal jemand mit Kopftuch genommen werden - ist nunmal so.

Das wäre insgesamt betrachtet auch für alle gerechter. In den Niederlanden arbeiten schon lange viele nur Teilzeit.

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