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04.09.2015

06:40 Uhr

Arbeitsmarkt für junge Leute

Zurück zur Papier-Bewerbung?

VonMiriam Bax

Unternehmen finden keine Azubis – junge Bewerber keine Jobs. Eine Studie zeigt jetzt, dass Bewerber und Ausbilder zum Teil ganz unterschiedlichen Vorstellungen vom Bewerbungsprozess haben.

Die klassische Papierbewerbung ist weiterhin gefragt. Foto: Fotolia

Schriftliche Bewerbung

Die klassische Papierbewerbung ist weiterhin gefragt. Foto: Fotolia

KölnImmer weniger junge Menschen beginnen eine Ausbildung. Stattdessen scheint der akademische Abschluss der einzig erfolgversprechende Weg ins Berufsleben zu sein. Zuletzt appellierte der DIHK (Deutsche Industrie- und Handelskammertag) an Eltern und Schulen und auch an Hochschulen, den direkten Weg ins Berufsleben zu empfehlen.

Der Blick in die Statistik des Handelsblatt Jobturbos, der die Stellenanzeigen der großen Jobbörsen, kleinen Special-Interest-Seiten sowie der Karriereseiten der Top-Unternehmen bündelt, zeigt, dass Firmen in den letzten Monaten deutlich mehr Nachwuchskräfte suchten. Im März lagen die Azubi-Gesuche rund fünf Prozent über denen des Vorjahres (vgl. Grafik).

Das Angebot übersteigt seit einiger Zeit die Nachfrage. Quelle: Handelsblatt-Jobturbo

Arbeitsmarkt-Azubis

Das Angebot übersteigt seit einiger Zeit die Nachfrage. Quelle: Handelsblatt-Jobturbo

In der Praxis klagen immer mehr Unternehmen, keine passenden Auszubildenden zu finden. Dafür gibt es vielfältige Gründe, angefangen beim demographischen Wandel bzw. weniger Schulabgängern bis hin zur Tendenz zum Hochschulbesuch. Nach dem aktuellen Berufsbildungsbericht 2015 blieben im vergangenen Jahr 37.100 gemeldete Ausbildungsplätze unbesetzt – zehn Prozent mehr als 2013. Gleichzeitig wurden mit 522.000 leicht weniger Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. 

Im Rahmen der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2015“ hat der U-Form-Verlag Testsysteme untersucht, wie Ausbildungsbetriebe und Ausbildungswillige eigentlich zueinander finden – und zeigt damit schon beim Bewerbungsprozess „Mismatches“ auf. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von Professor Daniela Eisele (HSBA Hamburg School of Business Administration).

Eigentlich gilt sie als Relikt, die Papier-Bewerbung. Bei vielen Arbeitgebern ist sie allerdings schon gar nicht mehr möglich. Das sehen ausgerechnet die Digital Natives anders, wie die Studie belegt. Auf der einen Seite geben sich die befragten Teilnehmer, aufgewachsen mit dem Internet und sozialen Medien, auch in Sachen Karriere durchaus online-affin. So finden 73 Prozent der Azubis E-Learning-Angebote innerhalb der Ausbildung durchaus wichtig. Dagegen geben 52 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen an, über solche Modelle noch nicht nachgedacht zu haben.

Tipps für den Jobwechsel

Aktiv werden, statt frustriert sein

Lassen Sie sich nicht frustrieren. Im Gegensatz zu manch Anderen haben Sie das Glück, noch einen festen Job zu haben. Werden Sie aktiv, nutzen Sie die Zeit lieber, die Fühler nach Alternativen auszustrecken und Businesskontakte aufzubauen.

Den Jobwechsel gut abwägen

Bevor Sie das Handtuch werfen und den Jobwechsel ansteuern, hinterfragen Sie bitte alle Pro- und Contra-Punkte dieser Entscheidung. Haben Sie schon einen neuen Job in Aussicht bzw. wirklich sicher? Wunderbar! Zeichnet sich da noch so ganz und gar keine Alternative ab, harren Sie lieber noch ein wenig aus und nutzen Sie die Zeit dazu, aus gesicherter Position heraus auf Jobsuche zu gehen.

Seien Sie Stratege

Auch wenn Sie innerlich bereits gekündigt haben, lassen Sie sich bitte nicht dazu verleiten, im Team schlechte Stimmung zu verbreiten, den Chef durch den Kakao zu ziehen, nur noch das Notwendigste zu tun oder sich wie auch immer geartet zum Unternehmensfeind Nr. 1 zu machen.

Bewerben Sie sich aus sicherer Position heraus

Bewerben aus gesicherter Position heraus macht nicht nur aus finanzieller Sicht wesentlich entspannter, sondern bringt auch bessere Jobaussichten. Jeder Arbeitssuchende wird Ihnen bestätigen, dass es wesentlich schwerer ist, einen neuen Job zu finden, wenn man bereits ohne Anstellung ist. Gehen Sie deshalb nicht erst auf Jobsuche, wenn Sie bereits gekündigt haben, sondern fangen Sie damit bereits an, wenn Ihnen die ersten Kündigungsgedanken kommen.

Nutzen Sie Ihren Feierabend und das Wochenende – nicht die Arbeitszeit - gezielt dazu, sonst stehen Sie am Ende doch schneller auf der Straße, als gewünscht. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie sich selbständig machen möchten. Starten Sie damit aus gesicherter Position heraus und wagen Sie den Absprung erst, wenn ein gewisses finanzielles Polster und andere Sicherheiten vorhanden sind.

Steigern Sie Ihren Marktwert

Hat man sich erst einmal dazu entschlossen, den Job zu wechseln, neigt man dazu, träge zu werden und den Joballtag damit zu verbringen, die Zeit totzuschlagen. Seien Sie klüger. Bilden Sie sich aktiv weiter und vertiefen Sie Ihr Wissen. Das erweitert nicht nur Ihre Fachkenntnisse, sondern erhöht zudem Ihren Marktwert. Natürlich gilt auch hier: Bitte nicht während der Arbeitszeit!

Knüpfen Sie ein Netzwerk von guten Kontakten

Nutzen Sie die Zeit im gesicherten Job dazu, aus Ihrer jetzigen Position heraus Kontakte zu knüpfen. An viele offene Stellen kommt man heutzutage über Vitamin B, also gute Beziehungen. Wer da die richtigen Leute kennt und durchschimmern lässt, dass er sich gerade beruflich neuorientiert, kann schneller zu einem neuen Job kommen, als geplant.

Zeigen Sie Präsenz

Nehmen Sie an fachrelevanten Veranstaltungen, regionalen und überregionalen Netzwerktreffen, Karriere- und Existenzgründermessen etc. teil oder tummeln Sie sich in Online Netzwerken wie z.B. Xing. Dabei sind auch private Aktivitäten förderlich. Wer weiß, vielleicht hat der eine oder andere Bekannte ja einen guten Tipp für eine offene Stelle. Wenn Sie eine eigene Firma gründen möchten, bauen Sie schon jetzt Kontakte zu potenziellen Kunden auf.

Luft anhalten und durch

Auch wenn es manchmal schwer fällt - reißen Sie sich am Riemen, atmen Sie beim nächsten Zoff mit den Kollegen lieber einmal mehr durch, anstatt laut zu werden und stehen Sie innerlich lächelnd über den Dingen. Schließlich haben Sie doch noch Größeres vor!

Quelle: www.careerbuilder.de

Anders sieht es hingegen bei der Bewerbung aus. 71 Prozent der insgesamt 2.227 befragten Auszubildenden bevorzugen eindeutig die klassische Bewerbungsmappe mit Anschreiben. Sie wird als deutlich seriöser empfunden und mit ernsterem Arbeitswunsch verbunden als die E-Mail- oder etwa die mobile Bewerbung. So sagt ein Teilnehmer in der Studie: „Ich persönlich finde es immer schöner etwas in der Hand zu halten und bevorzuge daher lieber die Bewerbungsmappe.“

Und damit erweisen sich die jungen Bewerber deutlich konservativer als die befragten Ausbildungsverantwortlichen. Diese bevorzugen mit 70 Prozent die E-Mail-Bewerbung. Nur bei etwa 53 Prozent der Ausbilder ist die postalische Bewerbung gern gesehen.

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