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11.10.2016

06:28 Uhr

Arbeitsrechtler im Interview

So leicht lassen sich Manager rauswerfen

VonLisa Oenning

Manager sind Vorgesetzten hilflos ausgeliefert: Denn Arbeitgeber haben leichtes Spiel, wenn sie leitende Angestellte loswerden wollen. Fachanwalt Durchlaub kennt die Methoden und weiß, wie sich Betroffene wehren können.

Für Arbeitgeber ist es leicht, sich von einem leitenden Angestellten zu trennen. Getty Images

Bye bye, Manager!

Für Arbeitgeber ist es leicht, sich von einem leitenden Angestellten zu trennen.

Arbeitsrechtler Thomas Durchlaub kennt die Tricks der Arbeitgeber, wenn es darum geht, einen Manager oder leitenden Angestellten loszuwerden. Seit Jahrzehnten berät seine Kanzlei – die auf Wirtschafts-, Gesellschafts- und Arbeitsrecht spezialisiert ist – Betroffene. Im Interview erzählt er, woran Manager merken, dass sie auf der Abschussliste stehen und ob es sich lohnt, rechtliche Schritte einzuleiten.

Herr Durchlaub, woran merkt der Chef, dass er auf der Abschussliste steht?
Es sind meist Kleinigkeiten, anhand derer der leitende Angestellte merkt, dass der Arbeitgeber ihn loswerden will. Er sollte zum Beispiel auf der Hut sein, wenn er plötzlich weitreichende Personalkompetenzen vom Arbeitgeber zugestanden bekommt, obwohl das Verhältnis angespannt ist. Arbeitgeber warten häufig nur darauf, dass der Mitarbeiter einen Fehler begeht. Aber es gibt auch Fälle, in denen Führungskräfte von wichtigen Aufgaben abgezogen werden – zum Beispiel von Großveranstaltungen mit Kundenkontakt.

Gibt es prominente Beispiele für schnelle Kündigungen?
Ja. Bei Rolls Royce wurden zwei leitende Angestellte vom Dienst suspendiert, weil sie gegen die Compliance-Vorschriften des Autobauers verstoßen haben. Und kürzlich hat Thomas Cook versucht, einen Manager zu entlassen, weil er in der Kantine einen „Negerkuss“ bestellte.

Zur Person

Dr. Thomas Durchlaub

Rechtsanwalt Thomas Durchlaub ist Inhaber der Kanzlei „haas und partner“ und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Anwaltsinstituts. Die Kanzlei ist auf Wirtschafts-, Gesellschafts- und Steuerrecht, aber auch Arbeitsrecht spezialisiert. Außerdem leitet er das Fachinstitut für Handels- und Gesellschaftsrecht sowie das Fachinstitut für Insolvenzrecht im Deutschen Anwaltsinstitut.

Es ist also meistens für jedermann offensichtlich, dass der Mitarbeiter gehen soll?
Richtig. Oftmals wollen sich die Manager vorm Arbeitgeber rechtfertigen und beharren auf ihrem Stellenwert für das Unternehmen sowie auf ihre Personalverantwortung. Doch gerade dieses Verhalten erweist sich als kontraproduktiv, weil sie dadurch Fehler begehen, ihre Position als leitender Angestellter untermauern und ihrem Chef auf diese Weise die Kündigung erleichtern.

Aber es muss doch einen triftigen Kündigungsgrund geben?
Der Kündigungsgrund darf natürlich nicht aus der Luft gegriffen sein. Verglichen mit einem herkömmlichen Arbeitnehmer ist es für den Chef allerdings einfacher, einem leitenden Angestellten zu kündigen. Einzige Schwierigkeit: Der Arbeitgeber muss nachweisen können, dass es sich um einen Angestellten in einer Führungsposition im Sinne des Kündigungsschutzgesetzes handelt.

Wann ist das der Fall?
Der Begriff des leitenden Angestellten ist rechtlich nachprüfbar: Personalverantwortung muss einen wesentlichen Teil der Tätigkeit ausmachen – sowohl innerhalb der Organisation als auch nach außen hin. Und dieser Mitarbeiter muss unabhängig der Zustimmung Dritter Entscheidungen fällen.

Und dann darf der Arbeitgeber ihn von heute auf morgen vor die Tür setzen?
Dann ist es zumindest leichter für ihn, den Angestellten loszuwerden. Selbst außerdienstliche Verstoße – wie etwa Alkohol am Steuer oder kleinere Vermögensdelikte – reichen aus, um dem Angestellten zu kündigen. Aber auch betriebsbedingte Kündigungen sind einfacher möglich. Der Wegfall des Arbeitsplatzes kann beispielsweise mit finanziellen Engpässen gerechtfertigt werden.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

12.10.2016, 13:53 Uhr

Leichtes Spiel mit den Manager?? Und warum werden diese nicht entfernt mit Wiedergutmachungsklagen für deren gewissenlosen Verhalten? Beispiele gibt es genug: Banken, VW, Baufirmen und Auftragsvergeber!

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