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21.02.2016

16:03 Uhr

Arbeitszeit

Das enge Job-Korsett passt nicht mehr

In Deutschland gibt es viel Arbeit. Sie ist aber nicht immer so verteilt, wie sich das Beteiligte wünschen. Das Potenzial ungenutzter Arbeitskraft bei den Job-Inhabern beträgt mehr als eine halbe Million Vollzeitkräfte.

Die aktuellen Arbeitszeitmodelle passen längst nicht für alle. dpa

Stress am Arbeitsplatz

Die aktuellen Arbeitszeitmodelle passen längst nicht für alle.

WiesbadenDeutschland geht die Arbeit nicht aus. Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Erwerbstätigen, in keinem anderen europäischen Land außer Schweden beteiligen sich so viele Menschen am Erwerbsleben wie hierzulande. Und obwohl es durchaus flexible Lösungen gibt, passen die Arbeitszeitmodelle längst nicht für alle.

Wie lange arbeiten die Menschen in Deutschland?

Nach eigenen Angaben arbeiteten die fast 40 Millionen Erwerbstätigen im Jahr 2014 in der Woche 35,7 Stunden und damit deutlich unter dem EU-Schnitt von 37,2 Stunden. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist wegen der steigenden Teilzeitquote seit 1991 rückläufig. Männer sind im Schnitt 39,9 Stunden im Job, Frauen wegen der Teilzeit nur 30,9 Stunden. Nach Angaben der Befragten wurden in Vollzeitjobs gewöhnlich 41,9 Stunden abgeleistet, bei Teilzeit 19,5 Stunden.

Tipps gegen Stress

Rituale schaffen

Versuchen Sie, ein Ritual zu finden, das den Job klar von Ihrem Feierabend und vor allem dem Wochenende abgegrenzt.

Über Stress reden

Wann immer Sie wieder gestresst sind: Geteilter Stress ist halber Stress. Also reden Sie darüber.

Aufgaben ablehnen

Sagen Sie öfter Nein.

Erfolge registrieren

Nehmen Sie Ihre Erfolge wahr, nicht nur das, was schief gegangen ist.

Zufrieden sein

Lernen Sie, mit dem, was Sie erreichen, zufrieden zu sein, auch wenn es von außen keine Anerkennung gibt. Loben Sie sich also auch einfach mal selbst, und erkennen Sie Ihre Leistungen an.

Quelle

Christiane Stenger, „Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt! – Gebrauchsanweisung für Ihren Kopf“, 252 Seiten, EAN 9783593500126, ISBN 978-3-593-50012-6

Und wie lange wollen sie arbeiten?

2,9 Millionen Menschen arbeiten nach ihrem Geschmack zu wenig und rund 900.000 zu viel. Mit über 90 Prozent sind aber die allermeisten mit ihrer Arbeitszeit zufrieden, wie der Mikrozensus auch ergeben hat. Eine deutliche Grenze der gewünschten Wochenarbeitszeit sind 40 Stunden, wie sich beispielsweise in der Beschäftigtenbefragung der IG Metall aus dem Jahr 2013 zeigt. Länger wollen nur zwei Prozent der Befragten arbeiten. Immerhin fast 30 Prozent wünschen sich aber Arbeitszeiten oberhalb der vereinbarten 35 Stunden in der Metallindustrie.

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Hetze im Job ist alles andere als eine Seltenheit – auch wenn Dauerstress krank machen kann. Viele klagen über ein gewachsenes Arbeitspensum. Auch der DGB klagt: Arbeitsmenge und Arbeitszeit passten oft nicht zusammen.

Wer will mehr arbeiten?

Mit 1,2 Millionen sind Frauen mit Teilzeitjobs die weitaus größte Gruppe der 2,9 Millionen Unterbeschäftigten. Vor allem in Ostdeutschland suchen sie eigentlich Vollzeitstellen, während im Westen die freiwillige Teilzeit häufiger ist. Mehr Arbeit wünschen sich insbesondere Frauen im Alter zwischen 40 und 49 Jahren, beschreibt die Destatis-Volkswirtin Martina Rengers ein weiteres Detail.

„In dieser Altersklasse dürften viele Frauen sein, die nach einer Erziehungspause in der Phase des beruflichen Wiedereinstiegs sind.“ Die zweitgrößte Gruppe der Unterbeschäftigten sind 937.000 Männer mit Vollzeitjobs, die im Schnitt 7 Stunden länger arbeiten wollen. Hier finden sich viele junge Väter, die mehr Geld für die familiären Bedürfnisse verdienen wollen. Vor allem in und kurz nach der Familienzeit passen die Jobs also nicht zum Alltag.

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