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24.10.2013

18:23 Uhr

ARD-Bericht

Briefunternehmen zahlen häufig Niedriglöhne

Viele Postfirmen stellen offenbar ihre Mitarbeiter nicht direkt an, sondern beauftragen Subunternehmen – und die zahlen viel zu wenig. Die Post sagt, sie könne das Lohnniveau der Servicepartner nicht beeinflussen.

Die Deutsche Post erklärte auf Anfrage: Sie selbst zahle „keine Dumpinglöhne", das Lohnniveau in dem Konzern liege zwischen 40 und 50 Prozent über dem der Wettbewerber. dpa

Die Deutsche Post erklärte auf Anfrage: Sie selbst zahle „keine Dumpinglöhne", das Lohnniveau in dem Konzern liege zwischen 40 und 50 Prozent über dem der Wettbewerber.

BerlinBei Briefunternehmen werden einem Bericht zufolge in vielen Fällen Niedriglöhne an die Arbeitnehmer gezahlt. Wie in der Paketbranche griffen viele Postunternehmen auf Subunternehmen zurück, die ihre Beschäftigten nur schlecht bezahlten, berichtete das ARD-Magazin „Kontraste" am Donnerstag. Ein Dienstleister der Deutschen Post etwa zahle Stundenlöhne zwischen sechs und sieben Euro - je nach Geschwindigkeit der Mitarbeiter.

In einem anderen Fall verdiene die Briefträgerin eines Subunternehmers des Post-Konkurrenten TNT Post lediglich 5,50 Euro pro Stunde. Die Briefe müsse sie zuhause sortieren und nicht in einem Zustellzentrum. Die Bundesnetzagentur, die für den Briefmarkt zuständig ist, zählt laut „Kontraste" rund 850 Postunternehmen.

Wie viele Subunternehmen diese beschäftigen, ist demnach unklar. Der Arbeitsrechtler Peter Schüren von der Universität Münster sagte in einem Interview mit dem Magazin, die Zustände bei Postfirmen zeigte "deutlich, wie dringend wir einen gesetzlichen Mindestlohn brauchen".

Stärken und Schwächen Deutsche Post

Stärke: Profitabilität

Alle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte.

Stärke: Monopol-Stellung im Briefmarkt

Die Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen.

Stärke: Paket-Geschäft

Die Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online – und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück.

Schwäche: E-Postbrief

Um der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft.
Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten.

Schwäche: Cashflow

Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch.
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen.

Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen

14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt.

Schwäche: Hohe Konzernkosten

Rund 400 Millionen Euro kosten den Konzern sein Headquarter jährlich. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich mit Verwaltungsaufwendungen von rund 110 Millionen Euro.

Chance: Einstieg im Fernreise-Markt

Zusammen mit dem ADAC startete die Post am 1. November 2013 den ADAC Postbus. Das neue Fernbusangebot soll schrittweise zu einem deutschlandweiten Netz ausgebaut werden. Bis zum Frühjahr 2014 will die gemeinsame Betreibergesellschaft rund 60 Fernbusse einsetzen und 30 deutsche Städte anfahren. Tickets gibt es über das Internet und in 5000 Postfilialen und ADAC-Geschäftsstellen.

Quelle: WiWo.de

Die Deutsche Post erklärte auf Anfrage, sie selbst zahle „keine Dumpinglöhne", das Lohnniveau in dem Konzern liege zwischen 40 und 50 Prozent über dem der Wettbewerber. Einige Dienstleistungen seien allerdings - mit Zustimmung der Gewerkschaften - an „Servicepartner" ausgelagert. Dies helfe der Post, im Wettbewerb mit der Konkurrenz mithalten zu können.

„Diese Servicepartner erhalten eine Vergütung, die es ihnen erlaubt vernünftige, faire Löhne zu zahlen", sagte ein Post-Sprecher. „Wir haben aber keine Möglichkeit, auf das Lohnniveau der Servicepartner einzuwirken." Der Konzern achte aber darauf, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen strikt eingehalten würden. „Die Unstimmigkeiten bezüglich der uns von 'Kontraste' genannten Firma werden wir zum Anlass nehmen, den Sachverhalt vor Ort zu klären", fügte er hinzu.

Bei der Zustellung und dem Sortieren setze die Post keine Subunternehmer ein. Dies sei hingegen unter anderem beim Leeren von Briefkästen der Fall. Dort greife die Post unter anderem auf Apothekenlogistiker und Taxiunternehmen zurück. TNT Post konnte sich zu den Vorwürfen von „Kontraste" zunächst nicht äußern.

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