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17.05.2013

16:24 Uhr

ARD-Bericht

Daimler-Dienstleister Preymesser gerät unter Druck

Eine ARD-Reportage über Lohndumping bei Daimler schlägt hohe Wellen. Die Firma Preymesser spricht von unseriöser Berichterstattung. Unterdessen prüft die Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen den Konzern – und Daimler.

Arbeiter im Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen. Nach einer ARD-Reportage ist die Spedition Preymesser unter Druck geraten, der in dem Beitrag Lohndumping vorgeworfen wird. dpa

Arbeiter im Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen. Nach einer ARD-Reportage ist die Spedition Preymesser unter Druck geraten, der in dem Beitrag Lohndumping vorgeworfen wird.

HamburgDie durch eine ARD-Reportage über angebliches Lohndumping bei Daimler in die Kritik geratene Spedition Preymesser hat dem Sender unseriöse Berichterstattung vorgeworfen. „Was dieser Wallraff junior mit der Kamera im Knopfloch da gestellt hat, ist aus unserer Sicht unkorrekt“, sagte Geschäftsführer Michael Preymesser der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. „Er hat im Film eine Nummer abgezogen und so getan, als musste er beim Verpacken von Zylinderköpfen sehr schwer heben.“ Tatsache sei, dass es an dem Arbeitsplatz eine spezielle Vorrichtung gebe, damit keiner der Mitarbeiter schwer heben muss. Diese habe der Reporter ignoriert.

Der Autor Günter Wallraff hat durch verdeckte Recherchen seit den 1960er Jahren in mehreren Firmen Verstöße gegen Arbeitnehmerschutzrechte enthüllt. Bekannt sind zudem seine Berichte über die damaligen Recherchemethoden der „Bild“-Zeitung und seine Reportage „Ganz unten“, in der er als türkischer Gastarbeiter „Ali“ bei verschiedenen Unternehmen den Umgangston gegenüber Gastarbeitern anprangert.

Der ARD-Sender SWR hatte zu Wochenanfang berichtet, dass an den Fließbändern bei Mercedes-Benz Arbeitnehmer beschäftigt würden, die so wenig verdienten, dass sie davon nicht leben könnten und ihren Unterhalt durch Hartz-IV-Aufstockung sichern müssten. Dazu hatte sich ein Reporter von einer Leiharbeitsfirma einstellen lassen, die diesen an Preymesser verlieh, wo er nach Darstellung des Senders Hand in Hand mit der Stammbelegschaft von Daimler zusammenarbeitete.

Die Logistikfirma aus Neutraubling liefert in Stuttgart-Untertürkheim Teile für die Motorenfertigung direkt an die Produktionsbänder von Mercedes-Benz. Neben der eigenen Stammbelegschaft beschäftigt Preymesser dort bis zu 50 Prozent Leiharbeiter.

Daimler hat der Darstellung der ARD widersprochen, der Autobauer trenne nicht zwischen eigenen und fremden Beschäftigten. Die Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorgaben zur Abgrenzung von Tätigkeiten von Drittfirmen genieße bei dem Dax-Konzern höchste Aufmerksamkeit.

Der Geschäftsführer der Spedition Preymesser betonte, die Werkverträge seien „korrekt nach Gesetzeslage abgewickelt“ worden. „Wir arbeiten mit einer absolut seriösen Verleihfirma, die dem Reporter, soweit wir informiert sind, den gültigen Tariflohn nach iGZ-DGB bezahlt hat.“ Von der von Preymesser beauftragten Verleihfirma Diwa in München war keine Stellungnahme zu erhalten.

Nach Angaben des SWR verdiente der Reporter 8,19 Euro in der Stunde und kam so auf einen Monatslohn von 1220 Euro brutto. Die niedrigste Lohntarif-Stufe für die Daimler-Stammbelegschaft liegt den Angaben zufolge bei etwa 3400 Euro im Monat und ist damit drei Mal so hoch.

Bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft war nach der Sendung eine Strafanzeige wegen des Vorwurfs illegaler Arbeitnehmerüberlassung eingegangen. Daneben wurde die Behörde auch selbst aktiv. „Wir schauen uns das an, weil es sehr viel Aufsehen erregt hat“, sagte Sprecherin Claudia Krauth. Man habe einen Beobachtungsvorgang angelegt. Dabei handelt es sich um die Vorstufe zu formellen Ermittlungen, bei der noch keine Zeugen vernommen werden dürfen. Die Staatsanwaltschaft recherchiert zunächst in öffentlich zugänglichen Quellen, ob sich ein Anfangsverdacht ergibt.

Kommentare (7)

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aspi

17.05.2013, 16:47 Uhr

Die Firmen sollten endlich den Mum haben, die Lügen-Reporter wegen Rufschädigung auf Millionensummen zu verklagen. Amazon, die da auch frei erfundene Märchen über sich ergehen lassen musste, sollte gleich mit machen.

lox

17.05.2013, 17:00 Uhr

Die Rufschädigung muss erst nachgewiesen werden, was nicht möglich sein dürfte, da es nur eine kritische Berichterstattung über Tatsachen war.

Nachwuchs

17.05.2013, 19:07 Uhr

Formfehler? Unseriös? Darauf zieht man sich zurück, wenn man vorsätz gegen die Menschenrechte verstoßen hat! Hier war wieder einmal das Management am Werk und kassierte natürlich Boni für die menschenverachtung! Wann werden diese leute endlich mit lebenslanger Haft und Vermögensentzug, gesamte Familien incl., bestraft? Der Pranger mit Bild und Veröffentlichung sämtlicher Kommunikationsdaten hilft!!

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