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14.01.2005

06:49 Uhr

ARD-Vorsitzender Thomas Gruber bringt öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf Reformkurs

Der schwäbische Kaufmann

VonHans-Peter Siebenhaar

Fritz Pleitgen, der kampferprobte Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) lässt am nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück kein gutes Haar. Und der SPD-Landesvater? Er straft die Kölner ARD-Anstalt mit Nichtbeachtung.

In Bayern hingegen ticken die Uhren anders. Dort gehört der Bayerische Rundfunk (BR) zum weiß- blauen Freistaat wie König Ludwig II., Weißbier oder die Zugspitze. Die CSU geht mit ihrem Haussender pfleglich um und der Haussender mit der CSU. Der Intendant des BR, Thomas Gruber, lässt auf seinen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber nichts kommen. Und der CSU-Vorsitzende lobt den BR gerne als wichtigsten Kulturträger im Land.

Dabei ist Gruber gegen den Willen Stoibers im Juli 2001 überhaupt zum Intendanten gewählt worden. Schnell hat es aber der liberal-konservative Manager vermocht, das Vertrauen der Staatskanzlei zu gewinnen, den Sender hinter sich zu sammeln und tiefgehende Reformen in der altehrwürdigen Anstalt einzuleiten. Ohne teure Unternehmensberater stellte er den BR auf den Kopf: In 85 Workshops mit fast tausend Teilnehmern wurde der größte Reformprozess eingeleitet, den der BR in seiner Geschichte gesehen hat. Darauf ist Gruber stolz.

Die Reformwerkstatt im eigenen Haus ist nur die Generalprobe für die neue Aufgabe. Zum 1. Januar hat Thomas Gruber für zwei Jahren den ARD-Vorsitz übernommen. Das ist für ihn Pflicht, nicht Kür. Gruber war nach dem glücklosen NDR-Intendanten Jobst Plog schlicht an der Reihe. Er hat nun die diffizile Aufgabe, aus der verkrusteten Arbeitsgemeinschaft von Rundfunkanstalten ein schlagkräftiges Unternehmen zu machen.

Bei seinen reformfreudigen Kollegen steht der BR-Intendant hoch im Kurs. „Thomas Gruber ist im Umgang sehr verbindlich und in seinen Ansichten sehr stabil. Auf ihn kann man sich verlassen“, sagt WDR-Mann Pleitgen. Die beiden früheren Hörfunkdirektoren haben eines gemeinsam: die Leidenschaft für das Programm. Doch im Gegensatz zum früheren ARD-Korrespondenten Pleitgen scheut der schwäbische Kaufmann Kameras wie der Teufel das Weihwasser.

Seine ihm gestellten Aufgaben geht er aber zielstrebig an: „Ich bin gelernter Diplom-Kaufmann, dazu noch aus Schwaben. Das sind doch keine schlechten Voraussetzungen für den neuen Job an der Spitze der ARD. Ich weiß, was Geld wert ist.“

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