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29.01.2016

11:25 Uhr

Artur Fischer

Der Erfinder der Dübel ist tot

Er hat den Dübel erfunden und mehr als 1100 Patente angemeldet: Artur Fischer galt als Deutschlands erfolgreichster Erfinder – und war doch bescheiden geblieben. Nun ist er im Alter von 96 Jahren gestorben.

Der Dübel-Erfinder ist im Alter von 96 Jahren gestorben. dpa

Artur Fischer

Der Dübel-Erfinder ist im Alter von 96 Jahren gestorben.

WaldachtalSeine Kunststoff-Dübel und der „Fischer-Technik“-Baukasten haben ihn weltweit bekanntgemacht. Für Patente-König Artur Fischer war das aber kein Grund, sich aufs Altenteil zu begeben. Bis ins hohe Alter ging er noch nahezu täglich in die von ihm gegründeten Fischerwerke in Waldachtal im Schwarzwald. Sein Büro hatte er im Entwicklungszentrum des Unternehmens eingerichtet, das mit seiner Erfindung, dem Dübel, groß geworden ist.

Er habe sein ganzes Leben „Probleme aus seinem Alltag in Lösungen verwandelt“, würdigte das Europäische Patentamt einmal Fischers Wirken und zeichnete ihn für sein Lebenswerk mit dem Erfinderpreis aus. Mehr als 1100 Patente und Gebrauchsmusteranmeldungen gehen auf Fischers Konto. Dass er neben dem allseits bekannten grauen Plastikdübel auch den Synchronblitz für Fotoapparate entwickelt hat und Schrauben für die Heilung von Knochenbrüchen, wissen nur wenige.

Europäischer Erfinderpreis: Ein Dübel für die ganze Welt

Europäischer Erfinderpreis

Ein Dübel für die ganze Welt

Er hält etwa so viele Patente wie Thomas Edison, gilt unter Tüftlern als Legende und ist im Schwabenland eine lebende Ikone: Artur Fischer, Erfinder von Spreizdübeln, Blitzgeräten, Spielzeug und etwa 1000 anderen Dingen.

Forscherdrang verspürte Artur Fischer bereits in jungen Jahren. Immer wollte er irgendetwas basteln oder zusammenbauen, hat er gerne erzählt. Seinen berühmten Technikbaukasten, mit dem Kinder vieles über Maschinen lernen können, erfand er an sich als Weihnachtsgeschenk für Dübel-Kunden - die übliche Kiste Wein oder der Kugelschreiber waren ihm zu langweilig.

Geboren wurde Fischer am 31.Dezmeber 1919 in Waldachtal-Tumlingen, dort lebte er bis zuletzt. Er war bodenständig, aber alles andere als weltfern: „In den Aufbaujahren der Firma war ich so oft in der weiten Welt, dass es für meine Familie ein Opfer bedeutete.“ Nach Realschulabschluss und Schlosserlehre musste der junge Mann zunächst in den Zweiten Weltkrieg. Er überlebte Stalingrad und war nach eigenen Worten mehr als einmal „Millimeter am Tod vorbeigeschrammt“.

Die interessantesten Fischer-Erfindungen

Blitzlicht für Fotoapparate

1949 sorgt Fischer dafür, dass es Licht wird, wenn die Kamera auslöst. Mit der Kopplung des Blitzgerätes an den Verschluss der Kamera revolutioniert er die Fotografie. In den Folgejahren verfeinert er seine Entwicklung bis zum Blitzwürfel „Cube“, dann überlässt er das Blitzen den großen Herstellern.

Dübel für Heimwerker

Bevor Fischer 1958 die grauen Plastikdübel entwarf, mussten für Verankerungen in der Wand große Löcher gebohrt und wieder zugespachtelt werden. Jetzt reicht meist ein kleines Loch, dann Dübel, Schraube - hält. Das Verfahren funktioniert auch bei der Heilung von Knochenbrüchen.

Technik-Baukasten

Technikbegeisterung beginnt in jungen Jahren, ist Fischer überzeugt. Deshalb entwickelt er Mitte der 1960er-Jahre einen Baukasten für kleine Bastler. Die Modelle sind so ausgeklügelt, dass auch erwachsene Ingenieure sie nutzen. An etlichen Universitäten wird das Spielzeug zu Lehrzwecken genutzt, und manche Firma plant neue Produktionsstraßen mit Hilfe des Baukastens.

Anpassungsfähiger Kleiderbügel

Kleider, Hemden und Hosen haben unterschiedliche Größen, die Kleiderbügel jedoch nur eine. Das hat Fischer Ende der 1990er-Jahre stutzig gemacht. Er entwickelte einen Bügel aus mehreren elastischen Stäben, die sich auf jedes Kleidungsstück anpassen lassen.

Nach Krieg und Lagerhaft war er voller Tatendrang. Als eine Fotografin seine Tochter nicht ablichten konnte, weil es im Zimmer zu dunkel war, entwickelte er den Synchronblitz. Diese Erfindung ermöglichte ihm die eigene Firma, die er 1948 in seiner Schwarzwald-Heimat aufbaute.

Zehn Jahre später gelang ihm mit dem Dübel der nächste Coup. Und er hatte noch mehr Ideen: Fischer schuf auch Stahlanker, Bohrgeräte und zementgebundene Befestigungen. „Seine Erfindungen werden tagtäglich millionenfach auf der ganzen Welt verwendet“, heißt es beim Patentamt.

Das Familienunternehmen hat heute mehr als 40 Tochtergesellschaften in 32 Ländern, über 4100 Beschäftigte und einen Umsatz von knapp 661 Millionen Euro pro Jahr. Seit 1980 führt Sohn Klaus die Geschäfte.

Als er zu seinem 95. Geburtstag gefragt wurde, ob er noch etwas erfinden will, sagte Artur Fischer: „Das steht in den Sternen.“ Mit dem, was er erreicht hat, war er durchaus zufrieden. Am vergangenen Mittwoch starb Fischer im Alter von 96 Jahren im Kreis seiner Familie. Für die Gemeinde Waldachtal bleibt sein Name „untrennbar mit der positiven Entwicklung der Gemeinde verbunden“.

Von

dpa

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