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13.01.2016

18:13 Uhr

Attentat in Istanbul

Schwerer Schlag für den Türkei-Tourismus

VonGerd Höhler

Der Anschlag von Istanbul trifft die Türkei an einer empfindlichen Stelle. Die für das Land wichtige Tourismusbranche leidet schon seit einiger Zeit unter Problemen. Wenden sich die Urlauber dauerhaft von der Türkei ab?

Der Anschlag vom Dienstag könnte sich auf die Branche deutlich auswirken. AFP

Verwaister Platz im Istanbuler Touristenviertel Sultanahmet

Der Anschlag vom Dienstag könnte sich auf die Branche deutlich auswirken.

Rund 7000 Hotels gibt es in der Bosporus-Metropole Istanbul. Die Stadt auf zwei Kontinenten hat in den vergangenen Jahren als Reiseziel einen beispiellosen Boom erlebt, bei bildungshungrigen Urlauben ebenso wie bei jungen Besuchern als Party-Hochburg. Aber seit der IS-Selbstmordattentäter am Dienstagmorgen zwischen der Blauen Moschee und der Hagia Sophia zehn deutsche Touristen in den Tod riss, bleiben immer mehr Hotelbetten leer.

„Viele Gäste sind vorzeitig abgereist, und statt neuer Buchungen bekommen wir im Moment fast nur Stornierungen herein“, sagt der Manager eines Drei-Sterne-Touristenhotels im Altstadtviertel Sultanahmet, wo sich der Anschlag ereignete. Ähnlich sieht es in anderen Stadtteilen aus: „Die Absagen der Gruppenreisen kommen fast im Minutentakt“, berichtete ein Hotelier verzweifelt im Fernsehen.

Istanbul und der Anschlag: Wenn sich die Kriegszone brutal ausweitet

Istanbul und der Anschlag

Wenn sich die Kriegszone brutal ausweitet

Brutal, unkontrollierbar und symbolisch: Der Anschlag in Istanbul vor der Hagia Sofia ist eine Kriegserklärung gegen die Freundschaft zwischen Zivilisationen. Mit einem fürchterlichen Signal.

Das Attentat trifft die türkische Reisebranche in einer ohnehin schweren Zeit. Bereits im vergangenen Jahr schwächelte der Türkei-Tourismus. Viele Russen, nach den Deutschen noch 2014 die zweitgrößte Nation, blieben wegen des schwachen Rubels und der Wirtschaftskrise zuhause. Nachdem Moskau wegen des Abschusses eines türkischen Bombers durch die türkische Luftwaffe im Dezember einen Reiseboykott verhängte, kommen noch weniger Russen.

Noch offen ist, in welchem Umfang der Anschlag vom Dienstag neben dem Ziel Istanbul auch andere Touristenhochburgen an der Ägäisküste und der türkischen Riviera in Mitleidenschaft ziehen wird. Viel werde davon abhängen, wie sich die Sicherheitslage in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt, sagen Branchenexperten.

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

Oktober 2016

Am 6. Oktober begeht die TAK einen Bombenanschlag in Istanbul. Auch die PKK attackiert türkische Polizisten in Hakkari. Am 14. Oktober kommt es zu einem Raketenangriff auf die Touristenprovinz Antalya. Der letzte Anschlag ist bisher ungeklärt.

September 2016

Auch im folgenden Monat schlägt die PKK mehrmals zu: mit einer Autobombe in der türkischen Stadt Van sowie mehreren weiteren Bombenanschlägen in der Südosttürkei sowie in Mardin.

August 2016

Am 17. August begeht die kurdische Terrororganisation PKK einen Anschlag auf ein Polizeihauptquartier in Elazig. Wenige Tage später kommt es zu einer Attacke ebenfalls auf eine Polizeistation in Cizre, für die auch die PKK verantwortlich gemacht wird.

Februar 2016

Die kurdisch-sozialistische Terrororganisation TAK (deutsch: Freiheitsfalken Kurdistans) begeht einen Bombenanschlag auf ein Militärfahrzeug in Ankara. In den folgenden Monaten tritt die Gruppe mehrfach in Erscheinung: Sowohl im März als auch im Juni und Oktober 2016 legen die Terroristen erneut Bomben in Istanbul, Ankara und Midyat.

Oktober 2015

Am Rande einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Ankara reißen zwei Sprengsätze mehr als 100 Menschen in den Tod. Die Staatsanwaltschaft macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

Quelle: dpa

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Es ist nicht das erste Mal, dass Touristen in der Türkei ins Fadenkreuz von Terroristen geraten. 2006 wurden bei einer Anschlagsserie der kurdischen Terrorgruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) in Istanbul sowie in den Urlaubsorten Kusadasi, Manavgat, Marmaris, Antalya und Mersin insgesamt zehn Touristen getötet und Dutzende verletzt. Im November 2003 wurden bei einer Serie von Sprengstoffanschlägen auf zwei Synagogen, eine Bank und das britische Generalkonsulat in Istanbul 33 Menschen getötet und über 400 verletzt. Unter den Todesopfern war auch der britische Generalkonsul. Zu den Attentaten bekannten sich gemeinsam das Terrornetzwerk Al-Kaida und die türkische Islamistengruppe IBDA-C.

Kommentare (12)

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Herr Günther Schemutat

13.01.2016, 18:55 Uhr

Das De Maiziere sich in der Türkei hinstellt und tatsächlich sagt ,:es besteht kein Grund nicht in die Türkei zu fahren, man sollte auf Warnhinweise des AA achten und keine Menschenansammlungen und Sehenswürdigkeiten besuchen.

Das ist eine Frechheit und brandgefährlich, dieser Aufruf der von Merkel genehmigt ist und dazu dient, Erdogan zu helfen dafür kann man schon mal a ein paar Leute in ihr Unglück schicken

Was soll man denn noch in Istanbul, Hinterhöfe besuchen?

Deutsche fahren auch ohne die Werbeikone De Maiziere in die Türkei, der Ernst
der Lage ist ihnen nicht bewusst und damit gute Reise Leute,,Mitleid steht bei mir auf 0.

Herr Donald Ta

13.01.2016, 19:22 Uhr

Mein herzliche Beileid an Angehörige unseren Mitbürger, die beim Attentat umgegommen sind!
Die zeitliche Abläufe stellen sehr viele Fragen:
- Attentat zwischen 10 und 11 Uhr
- gegen 12 schon die Stellungnahme des Präsidenten indem der Name, sein Gebutrstag, seit wann ist er in der Türkei ist
- zwei Stunden die Reinigungsaktion...Keine Spuren Sicherung, Nichts...
- gefälschte Bilder
- Warnungen des Geheimdienst..
Alle Forensicker dieser Welt können zur Erfahrungsaustausch nach Türkei fahren müssen um die neue Arbeitsmethoden der türkischen Behörden zu übernehmen.
In dieser Zeitspanne hätten Sie nicht mal die Überreste des Attentäter aufsammeln könnten, geschweige eine Identifizierung.
Es sei das Attentäter seinen Ausweiss, Geburtsurkunde, Gespartes in einen bombensicheren Behälter am Körper getragen angebracht hat, aber seine Überreste in einige hundert meter durch die gegen geflogen sind.
Das Szenario ist ähnlich, wie beim Abschuß des russischen Flügzeugs!
Den Rest können sich selbst vorstellen welche Hände am Werk wahren...

Account gelöscht!

13.01.2016, 19:26 Uhr

Sehr geehrte Deutsche? Medien,
was interessiert uns der Türkische Tourismus?! Hier sind 10 Deutsche Bundesbürger aus dem Leben gebombt worden. Von Leuten für die Merkel und die Grün-Sozialisten Sympathie aufweisen. Diktator und Islamist Erdogan und der Syrische Attentäter an sich.
Beide Gattungen sind bei den Grün-Sozialisten unter der Führung von Merkel immer noch gern gesehen und können sich nach belieben jetzt auch in EU-Deutschland austoben. Die Grenzen sind nämlich nicht nur im Geiste offen sondern auch in der Realität. Jedenfalls wenn es um die Grenzen oder Nicht-Grenze = Schutz vom Deutschland und seinen Werten geht.
Also Gedenken wir lieber unserer Deutschen Landsleute bevor wir uns Gedanken über den Tourismus in der Türkei machen. Danke!

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