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06.02.2014

15:10 Uhr

ATU-Sanierung

Christophorus hilf!

VonOliver Stock

Bei ATU geht es derzeit nicht um Strategie und Schrauben, sondern um Anleihen und Altschulden: Die neuen Eigentümer aus der Heuschrecken-Branche müssen bei der Werkstatt-Kette Probleme lösen, die es ohne sie nicht gäbe.

ATU-Filiale in München: Verfangen im Geflecht von Mutterfirmen auf den Cayman Islands und Tochtergesellschaften in London. dpa

ATU-Filiale in München: Verfangen im Geflecht von Mutterfirmen auf den Cayman Islands und Tochtergesellschaften in London.

DüsseldorfEiner der Sprüche, die der jüngst verstorbene Kabarettist Dieter Hildebrandt hinterlassen hat, geht so: „Die Politiker lösen für das Volk die Probleme, die das Volk ohne die Politiker nie gehabt hätte.“ Das Motto lässt sich ohne Schwierigkeiten auf die Private-Equity-Branche, die Zunft der Risikokapitalgeber also, übertragen. Es lautet dann so: „Private Equity löst für Unternehmen die Probleme, die ein Unternehmen ohne Private Equity nie gehabt hätte.“ In beiden Fällen gilt das Motto nicht immer und für alle, aber eben manchmal.

Ganz sicher gilt es für die Schrauber-Kette ATU und deren Finanzinvestor KKR. Beide Seiten haben sich inzwischen voneinander getrennt. Doch während KKR munter zu neuen Ufern schreitet und sich beispielsweise am Fußballerstligisten Hertha BSC beteiligt, bleibt ATU auch nach dem dritten Besitzerwechsel eine heillos verschachtelte Eigentümerstruktur mit Finanzvehikel auf den Cayman Islands und Tochtergesellschaften in London. Der ehemals solide Mittelständler mit 600 Niederlassungen und Hauptsitz im beschaulichen bayerischen Örtchen Weiden kämpfte ein gutes halbes Jahr, um eine Insolvenz abzuwenden. Seine neuen Eigentümer schreckten dabei vor keinen Tricks zurück, um möglichst steuerschonend und zu Lasten der meisten alte Gläubiger das Unternehmen fortzuführen - mit ungewissem Ziel.

Natürlich stammen auch die neuen Eigentümer aus der Branche der Risiko-Investoren, die einst den Namen „Heuschrecken“ verpasst bekommen hat. Der Weg, den die Investoren einschlagen, soll das Unternehmen und damit ihr Geld retten, tatsächlich geht es jedoch nicht um Strategie und Schrauben, sondern um Anleihen und Altschulden.

Wer sein Auto nicht wartet, riskiert teure Reparaturen

Öl

Motoröl muss regelmäßig erneuert werden, denn mit der Zeit lässt seine Schmierfähigkeit nach. Die Wechselintervalle sind allerdings deutlich länger geworden. Empfahl der Kfz-Meister den Ölwechsel früher noch sehr häufig, muss das Motoröl heute oft erst nach 30 000, manchmal sogar erst nach 50 000 Kilometern erneuert werden, so der ZDK. Maßgeblich sind die Empfehlungen der Hersteller. Wer viel Kurzstrecke fährt, sollte das Öl früher wechseln.

Bremsbeläge

Die Abnutzung hängt stark von der Fahrweise ab. Wer oft in die Eisen steigt, muss die Beläge laut GTÜ unter Umständen bereits nach wenigen 10 000 Kilometern wechseln. Manchmal halten sie aber auch 100 000 Kilometer. Klarheit über den Zustand verschafft eine Sichtprüfung in der Kfz-Fachwerkstatt, am besten einmal jährlich. Manche Autos teilen dem Fahrer per Warnleuchte mit, dass der Wechsel ansteht.

Bremsflüssigkeit

Allgemein empfehlen Hersteller, die Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre zu wechseln. Der Grund: Sie zieht mit der Zeit Wasser aus der Umgebungsluft an. Weil Bremsen im Betrieb sehr heiß werden, verdampft dieses Wasser. Das kann kann die Bremswirkung stark beeinträchtigen, da sich Wasserdampf anders als die Bremsflüssigkeit komprimieren lässt. Dadurch wird weniger Bremskraft aufgebaut.

Reifen

Für das Ausrangieren gibt es keine Zeitvorgaben. Experten von VDA und ZDK empfehlen, die Pneus nach rund sechs, spätestens aber nach zehn Jahren zu erneuern, da die Gummimischung mit der Zeit aushärtet und porös wird. Auskunft über den Herstellungszeitraum geben die letzten vier Ziffern der «DOT»-Nummer an der Reifenflanke - «1112» etwa entspricht der 11. Woche des Jahres 2012. Unabhängig vom Alter müssen die Reifen runter, sobald die Profiltiefe geringer ist als die gesetzlich vorgeschriebenen 1,6 Millimeter.

Batterie

Der Stromspeicher hält kein Autoleben lang. Nach vier bis fünf Jahren sollte eine neue Batterie her, um dem Komplettausfall zuvorzukommen. Früher wurden Autobatterien nur zum Starten des Motors genutzt, heute müssen sie Geräte wie Klimaanlage, Sitzheizung oder Infotainment-System versorgen.

Zahnriemen

Der Zahnriemen überträgt die Kraft von Kurbel- auf Nockenwelle und ist grundsätzlich sehr haltbar. Aber er ist einer großen Beanspruchung ausgesetzt. Reißt er, droht ein kapitaler Motorschaden. Um dem vorzubeugen, empfehlen Hersteller den rechtzeitigen Austausch - manchmal nach 100 000, manchmal erst nach 180 000 Kilometern. Vorgaben sollten unbedingt eingehalten werden.

Luftfilter

Er soll den Motor vor Verunreinigungen in der angesaugten Luft schützen. In der Regel befindet sich der Filter in einem Gehäuse und besteht aus einem papierähnlichen Fasergewebe. Ist der Filter durch Schmutzpartikel oder Schwebstoffe zu stark verunreinigt, wird er im Rahmen der Inspektionsintervalle gewechselt. Sonst verschlechtert sich das Abgasverhalten, der Motorverschleiß erhöht sich, und der Spritverbrauch steigt, warnt die GTÜ.

Das Nachsehen könnten die haben, die ATU allzu schnell einen Wechsel auf die Zukunft gewährten. Da ist zum Beispiel die Stadt Weiden. Dort trat an einem außergewöhnlichen Termin der Stadtrat zusammen: Bürgermeister Kurt Seggewiß hatte am ersten Nachmittag nach den Weihnachtsfeiertagen zu einer Sondersitzung des Stadtrats geladen. Auf der Tagesordnung am 27. Dezember stand ein Punkt: Der Erlass der Gewerbesteuer in Höhe von 80 Millionen Euro für ATU.

Die Summe wäre fällig geworden, weil der Sanierungsplan der Auto-Werkstätten-Kette stand und sich die Schulden von ATU so auf einen Schlag um 600 Millionen Euro verringerten. Auch ein Sanierungsgewinn unterliegt der Gewerbesteuer, Kommunen können jedoch auf die Steuer verzichten, wenn sich so beispielsweise Arbeitsplätze erhalten lassen. Weiden entschied sich dazu: ATU-Finanzchef Christian Sailer hatte zuvor deutlich gemacht, dass die drohende Gewerbesteuerzahlung das Unternehmen wieder in den Ruin treiben könnte. Müsse er nicht zahlen, könne er dagegen zusichern, dass Standort und Arbeitsplätze erhalten blieben. 

Es kam wie erhofft für die neuen ATU-Eigentümer, einer Gruppe von Investoren namens Centerbridge, Babson sowie Fonds, die von Goldman Sachs Investment Partners geführt werden: Der Stadtrat stimmte zu und ließ sich auf eine „verbindliche Auskunft“ ein, die lautete: Man werde die Gewerbesteuer voraussichtlich nicht einfordern. Endgültig durften sich die Stadtoberen nicht festlegen, wie Finanzdezernentin Cornelia Taubmann erklärt: „Das hätte möglicherweise ein EU-Beihilfeverfahren provoziert.“

Immerhin: Die Diskussion war hitzig und hatte etwas von einer Phantomdebatte: Zwar hätte das Geld aus der ATU-Gewerbesteuer gereicht, um Weiden zu entschulden, zweifelhaft war aber, ob es jemals geflossen, oder A.T.U vorher pleite gegangen wäre. Durch den Verzicht bleibe, wie Weidener Bürger nach Bekanntwerden des Beschlusses bemängelten, die Stadt weiter „bedürftig“. „Es ist unglaublich. Erst schlachtet die Heuschrecke den Braten, und dann rennen die Stadträte noch mit viel Geld hinterher. Welcher kleine Unternehmer bekam in Weiden jemals die Gewerbesteuer erlassen“, fragt ein Betroffener in einer erbosten Stellungnahme zwei Tage nach dem Beschluss.

Kommentare (6)

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DerTaoist

06.02.2014, 16:07 Uhr

Ein schlüssig formulierter Artikel.

Als betroffene Gemeinde würde ich vorschlagen, die Gewerbesteuer nun doch einzufordern.

Account gelöscht!

06.02.2014, 16:46 Uhr

Als Weidner konnte ich nur mit den Kopf schütteln; verwunderlich allerdings, dass auch das zuständige Finanzamt dem zustimmte. Bei 500 Mio geht es doch nicht nur um "Buchgewinne / - abschreibungen"...

JochenRadetzki

06.02.2014, 17:54 Uhr

Eigentlich sollte gegen dieses "organisierte Verbrechen" zentral ermittelt bzw. vorgegangen werden, aber diese Herrschaften [...] genießen nun mal wegen des 2. Weltkrieges offenbar Narrenfreiheit in unserem Land ?!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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