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03.01.2008

08:00 Uhr

Audi-Vorstandschef Stadler

Angreifer mit langem Atem

VonMarkus Fasse

Seit einem Jahr ist Rupert Stadler Vorstandschef bei Audi. Er will mit der einst biederen VW-Tochter dem Konkurrenten BMW den Rang ablaufen – ein weiter Weg. Gleichzeitig darf er den neuen Eigentümer Porsche nicht verärgern. Eine riskante Gratwanderung für den Aufsteiger Stadler.

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Foto: dpa Quelle: ap

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Foto: dpa

MÜNCHEN. Gute Nachrichten platziert er am liebsten, wenn es dem Gegner richtig wehtut. Audi erhöht seine Investitionen, tönte es aus Ingolstadt kurz nach den Feiertagen. Audi schafft 2008 achthundert neue Arbeitsplätze, meldet die Autoschmiede pünktlich zum neuen Jahr. Während der große Rivale BMW kurz vor dem Fest den Abbau von 8 000 Stellen bekanntgeben muss, haut die ambitionierte VW -Tochter weiter eine Erfolgsmeldung nach der nächsten heraus. Die Botschaft an BMW: Es brummt, und wir sitzen euch im Nacken.

Die Jubelmeldungen zum Jahreswechsel passen so richtig in das Kalkül des Rupert Stadler. Seit genau einem Jahr sitzt der smarte Franke auf dem Audi -Chefsessel, und seitdem hat die Abteilung Attacke bei Audi freie Hand. "Wir wollen bis 2015 der erfolgreichste Premiumhersteller der Welt werden", ruft er den Konkurrenten aus München und Stuttgart frech zu. 1,5 Millionen Autos will die VW -Tochter dann absetzen, in diesem Jahr wird Audi knapp die Millionenmarke streifen. Damit liegt Audi noch ein gutes Stück hinter BMW und Mercedes. Doch nach seinen ersten zwölf Monaten sieht sich Stadler selbst voll im Plan.

Dabei hatte das erste Jahr für den Dynamiker auf dem Chefsessel einige Überraschungen parat. Zur Bilanzpressekonferenz im März schäumte die Diskussion über Spritfresser und Schadstoffausstoß über. Stadler, ein Freund direkter Ansprachen, setzte gleich ein Ausrufezeichen. Die von der EU vorgeschlagenen Grenzwerte zum Klimaschutz seien mit Audi "nicht zu machen", rief er wutentbrannt vom Podium und machte sich zur Speerspitze der deutschen PS-Lobby. Während Konkurrent BMW im September auf der Automesse in Frankfurt den angeblich gezügelten Spritdurst seiner Limousinen anpries, rollte Stadler die Antwort aus Ingolstadt auf die Bühne: den Supersportwagen R8, der mit seinen 420 PS derzeit in der Branche die Maßstäbe setzt.

Ein echter Porsche -Killer, wie man sich bei Audi bis vor kurzem stolz zuraunte. Doch die Stuttgarter Sportwagenschmiede stieg kurzerhand beim Audi -Mutterkonzern Volkswagen ein, und Porsche -Chef Wendelin Wiedeking kündigte in Wolfsburg und Ingolstadt schon einmal die Zeiten der kurzen Leine an. Denn der Bau von Sportboliden und luxuriösen Geländewagen wie der von Audi entwickelte Q7 sind nun einmal die Domäne Porsches. "Es wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wie Audi auf den Druck aus Stuttgart reagiert", sagt ein Brancheninsider. Die Stallorder in Deutschlands mächtigstem Autokonglomerat wird in diesen Tagen neu festgelegt. Noch ist offen, wie frei Stadler über die Zukunft bei Audi entscheiden darf.

Auf dem Weg an die Spitze hat Audi noch entscheidende Schwächen. So verfügen BMW und Mercedes immer noch über die breitere Modellpalette. Hat Audi in Europa Augenhöhe mit den Rivalen erreicht, so fährt der Konzern in den USA immer noch gnadenlos hinterher. Mit 90 000 verkauften Autos auf dem wichtigsten Automarkt der Welt ist Audi ein Exot. Abhilfe könnte ein eigenes Werk in den USA schaffen, doch noch hat Stadler kein grünes Licht aus Wolfsburg.

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