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11.11.2013

10:41 Uhr

Auf verlorenem Posten

Wenn der Auslandseinsatz die Karriere killt

VonRebecca Ciesielski

Für die Firma nach Asien, in die USA oder ins europäische Ausland zu gehen, gilt als Karrieretreiber. Doch was passiert wirklich, wenn der Auslandsvertrag endet? Die Hoffnungen vieler Rückkehrer gehen nicht in Erfüllung.

Mehr als hunderttausend Deutsche verlassen alljährlich das Land. Doch das Abenteuer kann auch scheitern. Getty Images

Mehr als hunderttausend Deutsche verlassen alljährlich das Land. Doch das Abenteuer kann auch scheitern.

BerlinDas High-School-Jahr in den USA, das Studiensemester an einer fremdsprachigen Uni oder der Arbeitsaufenthalt in Übersee: Im Ausland verbrachte Zeit wertet jeden Lebenslauf auf und kann schnell zum Karrieresprungbrett werden. So ist zumindest das Klischee. Eines, das Deniz Özcan (Name geändert) mit Blick auf seine eigenen Erlebnisse nicht bestätigen kann.

Özcan ist in der Türkei geboren und in Deutschland aufgewachsen. Ein Jahr arbeitete der heute 44-Jährige bei einem der größten deutschen Energieversorger „in verschiedenen Positionen“, wie er sagt. Hier war der studierte Wirtschaftsingenieur zur richtigen Zeit am richtigen Ort – das glaubte Özcan zumindest.

Teure Städte für Expats

Wo Sie der Chef nicht hinschicken sollte

Ein Liter Milch für acht Dollar oder eine Kinokarte für 20 Dollar: Auslandsaufenthalte bringen vor allem finanzielle Umstellungen mit sich. Für Expats kann es teuer werden – durchaus auch in Afrika.

Platz 10: Sydney (Australien)

Am günstigsten der zehn teuersten Städte ist für Expats laut der Mercer-Studie „Cost of Living Survey 2013“ Sydney. Die größte Stadt des australischen Kontinents bietet Apartments bereits für monatlich 2.551 Dollar an. Kinokarten und auch ein Liter Wasser liegen hingegen preislich sehr weit oben: Erstes kostet rund 19,62 Dollar und zweites 2,15 Dollar.

Blue Jeans können Expats jedoch wiederum für 114 Dollar ersteigern. Eine internationale Zeitung gibt es dazu für 6,20 Dollar, eine Tasse Kaffee im Café für 5,16 Dollar, einen Liter Milch aus dem Supermarkt für 2,67 Dollar und betankt werden kann das Auto mit Benzin für 1,51 Dollar pro Liter.

Die Zahlen für die Mercer-Studie Cost of Living Survey 2013 wurden im März 2013 ermittelt. Die Devisenkurse und der Umfang von Waren und Dienstleistungen des Monats März bilden die Grundmesswerte dieser Studie. Das Beratungsunternehmen Mercer veröffentlicht jährlich ebenso Studien zur Lebensqualitität und Sicherheit in Weltmetropolen.

Platz 9: Bern (Schweiz)

Die Hauptstadt und das größte Verwaltungszentrum der Schweiz ist auf dem neunten Platz. Ein Doppelzimmer liegt bei 2.687 Dollar Miete im Monat, eine Kinokarte gibt es für 18,95 Dollar und einen Liter Wasser für 1,60 Dollar.

Für eine Blue Jeans müssen Expats 138 Dollar aufbringen, für eine internationale Zeitung 4,35 Dollar, für eine Tasse Kaffee im Café 4,68 Dollar, für einen Liter Benzin 2,02 Dollar und für einen Liter Milch 1,74.

Platz 8: Zürich (Schweiz)

Auf dem achten Platz liegt Zürich. Wegen der ansässigen Großbanken (wie UBS und Credit Suisse) gilt Zürich als ein internationaler Finanzplatz. Obwohl die Einwohnerzahl (circa 395.000) vergleichsweise gering ist, zählt sie daher zu den Weltstädten.

Das Leben für Expats ist hier nicht sonderlich günstig. Ein Apartment lässt sich für 3.915 Dollar im Monat auftreiben. Bei der Freizeitgestaltung müssen Expats besonders tief in die Tasche greifen: Eine Kinokarte hat den stolzen Preis von 20,66 Dollar. Der Preis für Wasser liegt hingegen im Mittelfeld bei 1,60 Dollar, eine Blue Jeans bei 141 Dollar und eine internationale Zeitung bei 4,35 Dollar.

Eine Tasse Kaffee kann man für 5,98 Dollar in einem Kaffee genießen, ein Liter Milch aus dem Supermarkt verlangt 1,74 Dollar und ein Liter Benzin 2,02 Dollar.

Platz 7: Genf (Schweiz)

Die Stadt Genf ist der südwestliche Zipfel der französischsprachigen Schweiz. Hier leben rund 1,2 Millionen Einwohner. Neben Zürich ist Genf eine der Städte mit den teuersten Lebenshaltungskosten und mit der höchsten Lebensqualität. Seit 2012 gilt sie als die drittteuerste Stadt der Welt, hinter Zürich und Tokio. Bei dem Ranking der teuersten Städte für Expats schafft sie es nur auf den siebten Platz.

Ein Apartment lässt sich für 4.350 Dollar im Monat mieten, wer gerne ins Kino geht, muss 18,48 Dollar aufbringen. Einen Liter Wasser gibt es für 1,60 Dollar, eine Blue Jeans für 141 Dollar, eine internationale Zeitung für 4,35 Dollar, eine Tasse Kaffee für 6,52 Dollar und einen Liter Milch für schlappe 1,74 Dollar.

Das Tanken gilt in Genf als besonders teuer: Ein Liter Benzin kostet 2,02 Dollar.

Platz 6: Hong Kong (China)

Die drittgrößte Metropolregion Chinas liegt auf dem sechsten Platz. Mit einem Preis von circa 7.092 Dollar für ein Apartment liegt die Stadt in dieser Kategorie ganz vorne. Eine Kinokarte ist für 11,60 Dollar erschwinglich, ein Liter Wasser sogar für 1,02 Dollar. Wasser ist von den zehn gelisteten Städten der Studie demnach in Hong Kong am günstigsten.

Eine Blue Jeans kann man bereits für 116 Dollar im Schnitt erwerben, eine Zeitung für 3,87 Dollar, eine Tasse Kaffee für 5,67 Dollar, einen Liter Milch für 3,12 Dollar. Am teuersten ist hingegen das Benzin. Es kostet pro Liter 2,23 Dollar.

Platz 5: Singapur (Republik Singapur)

Auf dem fünften Platz liegt der Stadtstaat Singapur. Für ein Apartment zahlen Expats 3.795 Dollar. Möchte man ins Kino gehen, ist das für circa 9,28 Dollar möglich.

Ein Liter Wasser ist verhältnismäßig günstig für 1,13 Dollar zu erwerben, eine Blue Jeans für 129 Dollar, eine internationale Zeitung für 3,63 Dollar (womit es die günstigste Zeitung der teuersten Städte ist), eine Tasse Kaffee für 4,84 Dollar, ein Liter Milch für 2,62 Dollar. Will man sein Auto tanken, so sind 1,76 Dollar je Liter gefordert.

Platz 4: N'Djamena (Tschad)

Auf dem vierten Platz der Mercer's 2013 Cost of Living-Studie liegt N'Djamena. Die Hauptstadt des Tschad liegt an der Grenze zu Kamerun. Das Land wurde während der Bürgerkriege in den 1970er und 1980er Jahren hart umkämpft. Mittlerweile ist die Bevölkerung auf circa eine Million gewachsen.

Für einen Liter Wasser müssen Expats circa 1,63 Dollar bezahlen, für eine internationale Zeitung 6,94 Dollar, für eine Tasse Kaffee 3,06 Dollar, für einen Liter Benzin 0,98 Dollar und für einen Liter Milch 2,75 Dollar.

Platz 3: Tokio (Japan)

Die Top drei eröffnet Tokio. Hier kostet ein Apartment 4.513 Dollar, eine Kinokarte stolze 19,34 Dollar.

Für das alltägliche Leben müssen Expats tief in die Tasche greifen. Grund-Lebensmittel wie Wasser und Milch kosten 1,92 Dollar und 3,05 Dollar. Für eine Blue Jeans bringen die Expats 135 Dollar auf, für eine Zeitung 5,37 Dollar, für eine Tasse Kaffee 6,98 Dollar und für einen Liter Benin 1,74 Dollar.

Platz 2: Moskau (Russland)

Moskau ist für Expats am zweitteuersten. Für ein unmöbliertes Aparment müssen sie monatlich im Schnitt 4.600 Dollar aufbringen, für einen Liter Wasser 1,77 Dollar, für eine Blue Jeans 169 Dollar. Eine internationale Zeitung und eine Tasse Kaffee in einem Café sind in Moskau am teuersten. Erstes kostet 9,95 Dollar, zweites 8,29 Dollar. Ein Liter Benzin hingegen ist bereits für 1,04 Dollar zu erwerben, ein Liter Milch wiederum für 7,59 Dollar.

Platz 1: Luanda (Angola)

Nicht London, nicht New York und auch nicht Tokyo. Auf dem ersten Platz der teuersten Städte für Expats befindet sich Luanda. Die Hauptstadt von Angola hat circa vier Millionen Einwohner und liegt an der Westküste Afrikas. Das Land gehört mit zu Afrikas größten Ölproduzenten.

Die Mehrheit in Angola ist arm. Trotzdem orientieren sich die Preise für das Wohnen an fremden Standards, sodass das Leben dort sehr teuer sein kann. Ein Aparment kostet rund 6.500 Dollar, ein größere Wohnung sogar 15.000 Dollar.

Das alltägliche Leben gestaltet sich ebenso nicht sehr günstig. Eine Blue Jeans in Luanda kostet 204 Dollar, ein Liter Wasser 2,14 Dollar, ein Liter Milch 3,18 Dollar, eine Kinokarte 10,42 Dollar, eine internationale Zeitung 5,42 Dollar, eine Tasse Kaffee 3,88 Dollar. Dahingegen ist das Tanken leicht erwerblich: Der Preis für einen Liter Benzin liegt bei nur 0,63 Dollar.

Quelle: Mercer-Studie Cost of living survey 2013 (http://www.mercer.com/costoflivingpr)

Der Energiekonzern plante die Türkei als Geschäftsfeld zu erschließen. Dafür wollte sein Arbeitgeber die Sprach- und Landeskenntnisse des türkischstämmigen Mitarbeiters nutzen. „Damals war von einer Entsendung noch keine Rede“, sagt Özcan. Aber es kam anders. Er unterschrieb einen Expat-Vertrag, inklusive bezahlter Heimflüge, einem „Sprachkurs und interkulturelles Training für meine Frau“. Das Paar verbrachte drei Jahre in Istanbul. Dort half der Ingenieur beim Aufbau eines Joint Ventures mit einem türkischen Unternehmen und wurde dessen stellvertretender Geschäftsführer. Schon vor der Abreise hatte sich Özcan ausgemalt, wie der Türkeiaufenthalt auch seine Karriere in Deutschland befeuern würde.

Aber mit der Rückkehr kam auch die Ernüchterung: „Es wird einem nicht gedankt, dass man im Ausland gute Arbeit geleistet hat.“ Auf ihn wartete in der Heimat keine angemessene Aufgabe. Und die, die vorher mit ihm auf einer Stufe standen, hatten sich größtenteils längst hochgearbeitet. „Man sagt immer Ausland sei ein Karriere-Booster, aber eigentlich ist es genau das Gegenteil“. Die Erklärung ist laut Özcan ziemlich einfach: „Eine Führungsetage ist wie ein kleiner Hofstaat“. Da gebe es „links und rechts Intrigen“.

Das bedeutet auch: „Wenn man dem anderen nichts mehr nützt, ist man schnell weg vom Fenster.“ Und wird bei Neubesetzungen nicht mehr berücksichtigt. Das sei vielen ehemaligen Expats in seinem Unternehmen so gegangen. Wie Özcan hätten sich die meisten schnell nach neuen Optionen umgeschaut. Auch er arbeitet heute in einem anderen Unternehmen.

Kommentare (19)

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Hamster

11.11.2013, 10:50 Uhr

Karriereleiter? andere nennen es Hamsterrad!

Ich werde mich nie verbiegen und versklaven lassen nur weil es schick ist. Ich behalte meine Freiheit, Ehre und meinen Stolz. So wie Gott - oder wer auch immer Leben geschaffen hat- mich geschaffen hat. Mit welchem Recht bestimmen andere über mein Leben??!!!

HelloWorld

11.11.2013, 11:11 Uhr

Kann ich nur bestätigen. Nach 17 Jahre Auslandserfahrung in Kalifornien (dort mit einer einzigartigen Erfindung/Konstruktion für die Massenproduktion von Inspektionsrobotern und PCB-Drilling Machines für das dortige Unternehmen), als auch im U.K. und im Europäischen Ausland musste ich mir ,zurück daheim, von Headhuntern anhören "Bei uns läuft alles anders" (gemeint war über Connections). Für jeden Durchschnittsjob wie z.B. einen Motorenverkäufer war ich andererseits "überqualifiziert". Heute beziehe ich mit 62 Jahren Arbeitslosengeld. Danke. Nie wieder.

richman2

11.11.2013, 11:36 Uhr

Zu: "Ich werde mich nie verbiegen und versklaven lassen nur weil es schick ist. Ich behalte meine Freiheit, Ehre und meinen Stolz. So wie Gott - oder wer auch immer Leben geschaffen hat- mich geschaffen hat. Mit welchem Recht bestimmen andere über mein Leben??!!!"

Hört Hört! Welch ein Rebell! Man kann das freilich auch anders sehen. Von Ehre halte ich nichts (das Konzept überlasse ich anderen Kulturkreisen und sozialen Schichten), ob ich auf meine Leistungen stolz bin, ist unabhängig vom Feedback anderer und meine Freiheit? Man stelle sich vor, ich nutze meine Gott gegebene Freiheit (hohooo) und entscheide mich für die Versklavung, für das Hamsterrad, für den Kapitalismus! Vive le capitalisme! So hat Gott - oder wer auch immer - mich geschaffen: Als egoistischen Akteur am freien Markt! Können Sie sich vorstellen,dass Menschen sich freiwillig für das Hamsterrad entscheiden und glücklich dabei sind?Ich finde es jedenfalls großartig!Ich liebe es!Und das schöne an einer freiheitlichen Gesellschaft: Es ist für uns beide Platz.

Zum Artikel:Wir sind nicht mehr im Jahr 1980. Auslandserfahrung ist nichts Exotisches mehr sondern in der Arbeitswelt (soweit für den Job ein akademischer Hintergrund notwendig ist) die Normalität.Deswegen ist es auch kein Karrieregarant (in Hinblick auf Führungspositionen) mehr. Notwendig, aber nicht hinreichend. Ähnlich wie Auslandserfahrung im Studium schlicht erwartet wird für einen Job dessen Einstiegsgehalt über 45.000 liegt.Oder fließendes Englisch (und damit meine ich das international gesprochene Pidgin-Englisch)

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