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27.06.2013

06:34 Uhr

Aufklärung verschleppt

Imtech vom eigenen Management ausgeraubt

ExklusivDer niederländische Deutsche-Bank-Renovierer Imtech hat im Management bandenartige Strukturen entdeckt. Dem Handelsblatt liegt ein interner Bericht vor, der schon 2011 die Verantwortlichen belastete. Er wurde ignoriert.

Die Imtech Arena des Fußballbundesligisten Hamburger SV: Der Gebäudeausrüster soll belastendes Material gegen einen Manager ignoriert haben. dpa

Die Imtech Arena des Fußballbundesligisten Hamburger SV: Der Gebäudeausrüster soll belastendes Material gegen einen Manager ignoriert haben.

HamburgScheingeschäfte, gefälschte Unterlagen, Führungschaos. Der Gebäudeausrüster Imtech, mit mehr als fünf Milliarden Euro Jahresumsatz und 30.000 Mitarbeitern eines der größten Unternehmen der Niederlande, taumelt am Abgrund. Korruption und Untreue haben nach internen Ermittlungen den Konzern wie ein Krebsgeschwür durchfressen. Imtech beziffert den Schaden bisher auf 370 Millionen Euro, Tendenz steigend.

Dutzende von Führungskräften wurden seit Februar entlassen. An der Börse hat der Konzern mehr als eine Milliarde Euro an Wert verloren. Imtech, in Deutschland durch Prestige-Projekte wie das Sony-Center in Berlin, den Umbau der Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt und als Sponsor des Hamburger SV bekannt, hat seinen Aktionären rückhaltlose Aufklärung versprochen.

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Korruption, Abzocker-Banden, Scheinaufträge: Der Gebäudeausrüster und HSV-Sponsor Imtech hat intern bandenartige Strukturen entdeckt. Der Konzern war gewarnt – doch Ignoranz trieb ihn fast in die Pleite.

Doch Recherchen des Handelsblattes zeigen: Der Konzern hat die Aufklärung um zwei Jahre verschleppt. Dem Handelsblatt liegt ein interner Bericht aus 2011 vor. Schon damals warnte ein externer Berater die Führungsspitze vor mafiösen Strukturen bei Imtech. Doch der Mann erhielt kein Gehör, sondern Hausverbot.

Welche Management-Fehler fatal für Firmen sein können

Fehler eins

Frühwarnsignale, z.B. für Markt- oder technologische Veränderungen, werden nicht wahrgenommen oder sogar aktiv verdrängt.

Fehler zwei

Regulatorische und politische Einflüsse auf die künftige Unternehmensentwicklung werden systematisch unterschätzt.

Fehler drei

Markt- und Kundenveränderungen werden im Vorstand nicht (hinreichend) analysiert und diskutiert.

Fehler vier

Geschäftsmodelle werden nicht kritisch reflektiert.

Fehler fünf

Man hält zu lange an traditionellen (und bislang erfolgreichen) Vorgehensweisen fest.

Fehler sechs

Es mangelt an Mut, gegen die herrschende Meinung zu argumentieren.

Fehler sieben

Bei spürbaren Veränderungen wird zu zögerlich gehandelt, man ergeht sich in Aktionismus und Effekthascherei "auf der Bühne" ohne konkrete Maßnahmen.

Fehler acht

Es fehlt eine klar und überzeugend kommunizierte Veränderungsvision und Strategie.

Quelle

Umfrage unter Partnern von Roland Berger Strategy Partners. Zitiert in „Gute Führung“ von Burkhard Schwenker und Mario Müller-Dofel. Erschienen 2012 bei BrunoMedia Verlag.

Der Bericht aus 2011 stammt von einem ehemaligen Kriminalbeamten aus Norddeutschland. Imtech nennt ihn offiziell nur „Mister Y“. Der Spezialist für Wirtschaftskriminalität sollte Unregelmäßigkeiten beim „Project Blue“ untersuchen – ein Codename für den Umbau der Zwillingstürme der Deutschen Bank. Doch Mister Y ermittelte mehr, als er sollte. Er belastete Deutschlandchef Klaus Betz.

Kommentare (19)

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azaziel

27.06.2013, 08:45 Uhr

Das Ausplündern von Unternehmen und Organisationen ist vermutlich viel weiter verbreitet als man glaubt. Oft fällt es nicht auf, weil die Methoden subtil und dezent sind. Oder es fällt nicht auf, weil den Betroffenen (Aktionäre, Mitglieder, Steuerzahler, Bürger) kein Einblick in die wahren Verhältnisse gewährt wird. Manches lässt sich nicht nachweisen. Wenn ein Banker einen hochriskanten Kredit vergibt um seinen Jahresbonus zu verbessern und dabei in Kauf nimmt, dass der Kredit nicht zurückgezahlt wird, handelt dieser zum Nachteil der Besitzer. Diesen Sachverhalt kann er jahrelang verbergen und sich jahrelang bereichern. Sein grösstes Risiko ist dabei, dass sein Vertrag nicht mehr verlängert wird. Manch glücklicher Strauchdieb wird sogar mit einer goldenen Entschädigung verabschiedet. Und in der Politik ist es nicht anders. Und die Mafiosi der Politik arbeiten mit ihren Kollegen in Wirtschaft und nichtstaatlichen Organiationen immer besser zusammen.

RumpelstilzchenA

27.06.2013, 09:32 Uhr

Das ist leider der Standard! Jeder weiß das und keiner soll so tun, als ob er das zum ersten Mal gehört hat.
Manager rauben die Unternehmen aus.

Mazi

27.06.2013, 09:57 Uhr

Das passiert nicht nur in Unternehmen!

Werfen Sie einmal einen Blick auf EZB, ESM und das agieren unserer Regierung. Auf abstraktem Niveau ist kein Unterschied auszumachen, wobei zuzugeben ist, dass besagtes Unternehmen in der Aufarbeitung schon weiter ist.

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