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19.01.2009

11:18 Uhr

Aufruf

Personalchefs betonen Vorteile der Kurzarbeit

VonMartin W. Buchenau

Mitten in der Krise gehen die Personalchefs in die Offensive. In einem Aufruf warnen sie Unternehmen vor „Stellenabbau-Aktionismus“ und fordern von der Politik Erleichterungen beim Umsetzen von Kurzarbeit. Ihre Argumentation: Stellenabbau ist teurer und raubt Zukunftschancen.

STUTTGART. Die in der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) zusammengeschlossenen Personalchefs unter anderem von Audi, BASF, Daimler, Eon, MAN, RWE, Siemens und Bosch aber auch von Familienunternehmen wie Drägerwerk und Trumpf mahnen aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen, als im Abschwung viel zu früh und viel zu vielen Beschäftigten gekündigt wurde. „Wenn wir jetzt Know-How-Träger in den Unternehmen verlieren, fehlen sie uns bei der Entwicklung neuer Technologien und im Aufschwung bei der Produktion der neuen Fahrzeuge“, sagte Daimler-Personalchef Günther Fleig. Wissen, Können und Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter dürften nicht durch voreilige kostengetriebene Maßnahmen aufs Spiel gesetzt werden und zukünftiges Wachstum gefährden.

Die Argumentation könnte auch glatt von Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm kommen. Aber was wie verkehrte Welt scheint, ist nur Ausdruck neuen Denkens in den Unternehmen. „Bei der Krise Anfang der 90er Jahre kamen beim Thema Kurzarbeit der Betriebsrat mit einem Forderungskatalog und der Personalchef mit seinen Forderungen. Dann gingen beide Seiten aufeinander los“, erinnert sich der Personalchef des Laser-Weltmarktführers Trumpf, Gerhard Rübling, „Heute arbeiten wir die Pläne gemeinsam mit dem Betriebsrat aus. Bei Trumpf war die Auftragslage in den vergangenen Jahren so gut, dass die Beschäftigten auf ihren Arbeitszeitkonten bis zu 300 Stunden gut geschrieben haben, die jetzt abgebaut werden. „Wir haben noch einen Puffer bis zur Kurzarbeit“, sagte Rübling.

Abgesehen davon werde häufig bei Entlassungen nicht richtig und zu kurzfristig gerechnet, betonte Fleig. Personalabbau mit betriebsbedingten Kündigungen seien sehr schwierig und langwierig, schon allein, weil jeder einzelne dagegen vor dem Arbeitsgericht klagen kann. Sozialpläne mit hohen Abfindungen seien zudem ausgesprochen teuer. Beim Kostenvergleich hat Fleig errechnet, dass Kurzarbeit in den Betrieben mittlerweile länger als sechs Monate, zum Teil sogar zwei bis drei Jahre die günstigere Lösung gegenüber großen Personalabbauprogrammen sei.

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