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23.06.2014

11:21 Uhr

Aufsichtsräte

Das Schlupfloch bei der Frauenquote

Die SPD-Minister treiben die Frauenquote in Aufsichtsräten voran. Ab 2016 soll sie in großen Unternehmen in Deutschland Pflicht sein. Dennoch muss der Dax-Konzern mit den wenigsten weiblichen Aufsehern nichts befürchten.

Allein unter Männern? Das soll es in Zukunft nicht mehr in deutschen Aufsichtsräten geben, verspricht ein Gesetzentwurf. Doch der hat offenbar Lücken. dpa

Allein unter Männern? Das soll es in Zukunft nicht mehr in deutschen Aufsichtsräten geben, verspricht ein Gesetzentwurf. Doch der hat offenbar Lücken.

BerlinGerhard, Dieter, Konrad und Rainer: Zwölf Aufseher hat Fresenius, alle sind männlich. Und die Männerriege im Aufsichtsrat bleibt wohl auch in Zukunft unter sich. Denn wenn ab 2016 die börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland ihre Aufsichtsräte zu 30 Prozent mit Frauen besetzen müssen, sind Konzerne fein raus, die wie Fresenius eine europäische Rechtsform (kurz SE, für Societas Europaea) haben.

Die deutsche Politik macht ernst mit der Frauenquote, doch europäische Aktiengesellschaften haben nichts zu befürchten. Für sie gilt die Quote nicht, das geht aufs dem Gesetzentwurf vor, der dem Handelsblatt vorliegt. Aus dem Dax müssen sich neben Fresenius die Allianz, BASF und Eon über die Frauenquote keine Gedanken machen. Auch die Aktionäre des Softwarekonzerns SAP hatten einer Umwandlung zur SE zuletzt zugestimmt. Unternehmen wie der Baukonzern Bilfinger, Escada, Puma, Hannover Rück oder Sixt sind inzwischen ebenfalls eine sogenannte Europa-AG.

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

Ein Problem hat nun ausgerechnet die Fresenius-Dialysetochter FMC, die ebenfalls im Dax ist. FMC ist eine AG & Co. KGaA, während die Mutter Fresenius die Rechtsform SE & Co. KGaA hat. Noch dazu sind alle sechs FMC-Aufseher männlich, die Frauenquote beträgt damit aktuell null Prozent (eine Tabelle zur Quote in allen Dax Konzern finden Sie hier, Stand: November 2013).

Für die börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen soll die Regelung zwar ab 2016 gelten, doch wer die Wahl des Aufsichtsrats vor Ende 2015 abschließt, unterliegt noch dem alten Recht. Das heißt, die Mandate bleiben dann für die volle Laufzeit gültig.

Dabei hatte Justizminister Heiko Maas versichert, es werde bei der Quote „keine Ausnahmen geben“. „Bloße Scheinargumente, es gäbe nicht genug qualifizierte Frauen, lassen wir nicht gelten“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Für Familienministerin Manuela Schwesig geht es dabei „um Macht, Einfluss und Geld für Frauen. Das gibt niemand freiwillig ab.“

Mit ihrem Entwurf wollen Schwesig und Maas das Thema Frauenquote nach langem Tauziehen endlich aus der Unverbindlichkeit holen: Durch verbindliche Ziele für eine Geschlechterquote in den Führungsetagen von Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Die Quote gilt getrennt für die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmerbank. Wird sie nicht erfüllt, bleiben die Plätze laut Entwurf unbesetzt. Zudem ist eine Berichtspflicht der Unternehmen vorgesehen, ob sie die Quote erreichen konnten oder, falls nicht, welche Gründe das verhinderten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

23.06.2014, 11:00 Uhr

Was soll der ganze Bullshit?
Wenn Frauen es aus eigener Kraft nicht "nach oben" schaffen, haben sie dort auch nichts verloren!

In den Chefetagen bestimmt Leistung und nicht das Geschlecht. Dazu gehört auch sozial-networking!

Interessant, dass sehr viele "Erfolgsfrauen" das genauso sehen und gegen die Frauenquote sind!

Account gelöscht!

23.06.2014, 12:27 Uhr

Zu 100% genau der gleichen Meinung!

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