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29.01.2007

12:45 Uhr

Aufsichtsratsvorsitz Wolfgang Porsche

Piëchs Kontrolleur

VonMartin-W. Buchenau

Durch die Beteiligung an Volkswagen hat Autohersteller Porsche die eigenen Möglichkeiten um ein Vielfaches potenziert, sogar eine Übernahme ist denkbar. Bei den Stuttgartern hat erstmals seit längerer Zeit wieder ein Familienmitglied den Aufsichtsratsvorsitz übernommen.

STUTTGART. Die Porsche-Villa in Stuttgart-Feuerbach, in deren Garagen Ferdinand Porsche 1935 für Hitler die ersten Prototypen des Volkswagens montierte, wirkt in diesen winterlichen Tagen friedlich. Das mag an der dichten Schneedecke liegen, die alles ruhiger und sauberer erscheinen lässt als sonst. Das Haus gehört immer noch der Familie, wird aber selten genutzt. Bei Besuchen in Stuttgart quartieren sich die Mitglieder der Porsche-Familie gerne dort ein – die Piëchs nicht.

Ob Enkel Wolfgang Porsche dort vor der Hauptversammlung genächtigt hat, ist nicht bekannt. Seit über 30 Jahren sitzt der Porsche-Spross im Aufsichtsrat, seit Freitag ist der Mann im dunklen Nadelstreifenanzug Chef des Gremiums. Der 63-Jährige Diplom-Kaufmann nimmt damit als oberster Vertreter seines Familienstammes eine Schlüsselposition ein, die weit über den Sportwagenbauer hinausgeht. Es geht es um Milliarden, im Detail: Mehr als vier Milliarden Euro hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking für die Beteiligung an VW bereits bezahlt. Zudem hat die Hauptversammlung, und das sind die allein stimmberechtigten Familien Porsche und Piëch, sich die Möglichkeit eröffnet, durch Kapitalerhöhung weitere neun Mrd. Euro zu beschaffen. Porsche ist damit stark genug, gegebenenfalls Volkswagen ganz zu übernehmen. „Wir spielen heute mit unserem guten Viertel des VW Konzern in einer völlig anderen Liga. Und in dieser Liga gibt es andere starke Mitspieler“, erklärt Wiedeking den Kleinaktionären. Seit dem vergangenen Jahr geht es bei Porsche-Veranstaltungen denn auch vielmehr um die künftige Strategie bei VW. Dass sich die Porsche-Fahrzeuge im ersten Halbjahr schwächer verkauften, gerät allenfalls zur Randnotiz. Die Verfünffachung des Porsche-Gewinns auf knapp eineinhalb Milliarden Euro im ersten Halbjahr ist da schon interessanter. Dabei stammt wohl die Hälfte des horrenden Gewinns aus dem VW-Engagement durch Neubewertung der Beteiligung und Kurssicherungsgeschäfte. Porsche spielt wirklich in einer neuen Liga.

Und die in der Vergangenheit schwierigen Familien Porsche und Piëch haben ihr empfindliches Kräfteverhältnis neu austariert. Bislang stellte jede Familie zwei Mitglieder. Mit Hans-Peter Porsche rückt ein dritter Vertreter des Porsche-Stammes in den Aufsichtsrat. Die Piëchs haben den Porsches den Vortritt in Zuffenhausen gelassen. Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef bei VW und Aufsichtsrat von Porsche, hätte das wohl kaum ohne Gegengeschäft zugelassen. Er wird die Interessen des Clans in Wolfsburg wahren und dort wohl kaum mehr den Chef-Aufseherposten abgeben. Denn der ehemalige VW-Vorstandschef Piëch gilt als Triebfeder des VW-Engagements. Er übernimmt den heißeren Job, aber Cousin Wolfgang wird ihm als Porsche-Chefaufseher als einziger wirklich auf die Finger schauen können.

Unterdessen muss sich die Stabilität der neue Machtbalance erst noch erweisen. Wiedeking verliert mit Helmut Sihler den wichtigsten Moderator der schwierigen Familienbeziehung. Der 76-Jährige Ex-Henkel-Chef übernahm 1993 als erster familienfremder Manager den Posten, als Porsche kurz vor der Pleite stand. Im Gespann mit Wiedeking gelang eine einzigartige Erfolgsstory. Entsprechend menschelt es bei seinem Abschied am vergangenen Freitag. „Lieber Wendelin, die Zusammenarbeit mit Dir gehört zu einem meiner schönsten beruflichen Erlebnisse“. Wiedeking zuckt zusammen, bedankt sich später mit einer Porsche-Aktie „Ich werde Dir die Unterstützung am Anfang meiner Karriere nie vergessen“. Inzwischen ist Wiedeking unumstritten. Ihm werden gute Kontakte zu beiden Familien nachgesagt – er wird sie brauchen.

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