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21.01.2010

14:38 Uhr

Auslagerung

Dax-Konzerne spekulieren mit Pensionen

VonMarkus Hennes

ExklusivUm ihren Ruf bei den Ratingagenturen zu verbessern, haben etliche Dax-Konzerne ihre Pensionsvermögen ausgelagert - und damit im vergangenen Jahr ordentliche Renditen erwirtschaftet. Weil die Pensionsverpflichtungen stark gestiegen sind, müssen die Konzerne oft auch riskantere Investments eingehen.

Überbordende Pensionsverpflichtungen belasten die Dax-Konzerne. ap

Überbordende Pensionsverpflichtungen belasten die Dax-Konzerne.

DÜSSELDORF. Kräftige Kursgewinne mit Aktien und Anleihen haben den 30 Dax-Konzernen im vergangenen Jahr eine stattliche Rendite auf ihre ausgelagerten Pensionsvermögen beschert. Nach Schätzung des Beratungsunternehmens Mercer erwirtschafteten die Vermögensverwalter so einen Ertrag von zehn bis zwölf Prozent.

Trotz der kräftigen Wertsteigerung haben die Pensionsvermögen der Dax-Konzerne mit jetzt 138 Mrd. Euro aber noch nicht wieder den Stand von 2007 erreicht, wie eine vorläufige Bestandsaufnahme ergibt. Das endgültige Ergebnis steht erst Ende März fest, wenn alle Dax-Abschlüsse für 2009 vorliegen.

Die deutschen Vorzeigeunternehmen von Adidas bis Volkswagen haben in den vergangenen Jahren in großem Umfang Pensionsverpflichtungen - also Schulden bei ihren Mitarbeitern - aus ihren Bilanzen ausgelagert. Zugleich übertrugen sie Liquidität zur Vorfinanzierung der Pensionsverpflichtungen in Pensionsfonds oder an Treuhandgesellschaften. Die externen Vermögensverwalter legen diese Gelder in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und Immobilien an.

Von der damit verbundenen Bilanzverkürzung bei gleichzeitig steigender Eigenkapitalquote versprachen sich die Finanzchefs der Dax-Konzerne eine bessere Benotung durch die internationalen Ratingagenturen. Allerdings birgt die Anlage auf den schwankenden Kapitalmärkten erhebliche Risiken.

So schafften es im Jahr 2008 nur die Telekom und die Deutsche Bank, das für die Altersruhegeldansprüche gebildete Vermögen zu mehren. Alle übrigen Dax-Konzerne fuhren bisweilen herbe Verluste ein, weil die Aktienkurse weltweit 40 Prozent einbrachen und Unternehmensanleihen aus dem Euro-Raum vier Prozent ins Minus rutschten.

Mercer-Experte Herwig Kinzler führt das gute Abschneiden im vergangenen Jahr auch auf aktives Management der Wertpapierdepots zurück: "Hätten die Dax-Konzerne die Pensionsgelder allein in Staatsanleihen aus dem Euro-Raum investiert, wäre 2009 nur eine Rendite von knapp zwei Prozent herausgesprungen."

Allerdings hat sich 2009 auch der Wert der Pensionsverpflichtungen der Dax-Konzerne erhöht. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahr 15 Prozent - und damit stärker als das Pensionsvermögen - auf 220 Mrd. Euro. Der Anstieg von 30 Mrd. Euro resultiert zu zwei Dritteln aus einem niedrigeren Abzinsungsfaktor. Der Rest dürfte auf das Konto höherer Zusagen für die Altersversorgung gehen, schätzt Mercer.

Kommentare (1)

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Jonas

21.01.2010, 16:47 Uhr

So ein Schwachsinn.

bloss weil der Kurs einer Aktie steigt, ist das Pensionsvermögen noch lange nicht gewachsen.
Wer nach der Krise immer noch nicht weiß, daß überdurchschnittlich erscheindende Renditen auch mit überdurchschnittlichem Risiko erkauft werden, der ist blind, taub und merkbefreit.

Die Kurse kommen schon wieder runter, bevor sich die Fonds von ihren Papieren trennen, wartet's ab.
Aber jammert dann nicht, wenn der Fonds die Pension verspielt hat, sondern steht dazu. Ach, ich vergass, das ist für tumbe deutsche Manager ja ein No-No, die seilen sich lieber mit bonis ab.

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