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03.09.2012

09:53 Uhr

Außergewöhnliche Manager

Was Manager von Steve Jobs lernen können

VonThorsten Giersch, Oliver Stock

Amazon, Apple, Microsoft: Mitarbeiter bei Internetkonzernen haben es schwer. Chefs wie Steve Jobs und Jeff Bezos gelten als Menschenschinder – und dennoch werden sie von vielen Angestellten geliebt. Wie machen sie das?

Der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs: Genie und Tyrann vereint? dapd

Der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs: Genie und Tyrann vereint?

DüsseldorfDie Szene spielt im sonnigen Palm Springs. Walter Isaacson, der detailversessene Biograph von Steve Jobs hat sie in seinem Buch minutiös festgehalten. Im Januar 2010 ist das iPad fertig und James Vincent, der völlig überarbeitete Werbechef von Apple will mit seiner Familie ein Wochenende ausspannen.

Kurz nach seiner Ankunft in Palm Spring erhält er einen Anruf von Jobs. „Deine Werbespots sind mies“, brüllt ihn der Apple-Chef durchs Handy an. „Das iPad revolutioniert die Welt. Was Du mir geliefert hast, ist Kinderkram.“ „Was willst Du?“, erwiderte Vincent. „Du warst nicht in der Lage zu sagen, was Du willst.“ Jobs darauf noch lauter: „Du musst mir einfach irgendetwas zeigen und ich werde es wissen, wenn ich es sehe!“

Jobs der Despot? Jeder der Steve Jobs gekannt hat, berichtet davon, dass sich in der Person des Apple-Gründers Genie und Tyrann vereinigt hatten – ja fast einander bedingten: Nur das tyrannische Einfordern von Höchstleistungen machte den Erfolg von Apple möglich.

Auf der anderen Seite ist Apple als das Unternehmen bekannt, das so ziemlich alles feiert. Auch diese Seite trug Jobs in sich. Er schuf kleine, produktfixierte Teams, in denen sich die Mitarbeiter gegenseitig nicht im Stich lassen wollten und angesichts des immensen Drucks umso stärker zusammenhielten.

Und für die gesamte Apple-Truppe kultivierte er den Zusammenhalt mit scheinbar kindischen Aktionen wie der Piraten-Idee: Auf einem Betriebsausflug bekamen die Mitarbeiter T-Shirts mit dem Aufdruck: „Why join the navy if you can be a pirate?“ Also bitte nicht wie alle anderen arbeiten und denken, sondern wie ein „Pirat“.

Steve Jobs - Stationen seines Lebens

Der Visionär

56 Jahre alt ist Steve Jobs geworden, dann starb der Apple-Gründer im Kreise seiner Familie. Ein Überblick über wichtige Stationen im Leben und in der beruflichen Laufbahn des Computer-Visionärs.

Kindheit und Jugend

Stephen Paul Jobs kommt am 24. Februar 1955 zur Welt. Seine leiblichen Eltern geben ihn zur Adoption frei, Paul und Clara Jobs nehmen ihn auf - er ist Automechaniker, sie ist Büroangestellte. 1972 schreibt sich Steve im Reed College in Portland im US-Staat Oregon ein, er bricht das Studium aber nach einem Semester ab. Er experimentiert mit Drogen und beschäftigt sich mit dem Hinduismus. 1974 nimmt er einen Job beim Videospiele-Hersteller Atari an und besucht zusammen mit seinem einige Jahre älteren Schulfreund Steve Wozniak Treffen des Homebrew Computer Clubs.

1974: Der erste Job

Jobs arbeitet für den Videospiele-Hersteller Atari und besucht zusammen mit seinem wenige Jahre älteren Schulfreund Steve Wozniak Treffen des Homebrew Computer Clubs.

Von der Garage an die Börse

Kein Scherz: Jobs und sein Kumpel Steve Wozniak gründeten die Firma Apple Computer am 1. April 1976. Der dritte, heute fast vergessene Gründer war Ron Wayne. In einer Garage im Silicon Valley bauten die beiden den Prototypen des Apple I, der im Sommer für einen Preis von 666,66 Dollar auf den Markt kommt. 1977 stellt das Unternehmen den Apple II vor, den ersten Heimcomputer, der Farbgrafiken generieren kann. Er bringt den Durchbruch und einen Jahresumsatz von einer Million Dollar. 1980 geht Apple an die Börse, Jobs wird zum Multimillionär. Zwei Jahre später steigt der Jahresumsatz auf eine Milliarde Dollar. Jobs' Freundin Chrisann Brennan bringt 1978 die gemeinsame Tochter Lisa zur Welt.

1977: Apple wird AG

Apple wird als Aktiengesellschaft eingetragen und stellt den Apple II vor, den ersten Heimcomputer, der Farbgrafiken generieren kann. Er bringt dem jungen Unternehmenden Durchbruch und einen Jahresumsatz von einer Million Dollar.

1978: Das erste Kind

Jobs' Freundin Chrisann Brennan bringt die gemeinsame Tochter Lisa zur Welt.

1980: Der IPO

Apple geht an die Börse. Zwei Jahre später steigt der Jahresumsatz auf eine Milliarde Dollar.

Jobs gibt die Kontrolle ab

Mit dem Börsengang geben die Gründer die Mehrheit ab. Ein erfahrener Manager soll an die Unternehmensspitze - Jobs wirbt 1983 für den Posten des Apple-CEO John Sculley von Pepsico ab. Apple entwickelt den Computer Lisa, der aber zum Misserfolg wird und nach zwei Jahren wieder vom Markt verschwindet. Anfang 1984 kommt der erste Mac auf den Markt, den ein Team um Steve Jobs entwickelt hat. Vermarktet wird der Rechner mit einem mittlerweile berühmten Werbespot von Regisseur Ridley Scott. Ein Jahr später kommt es zum Zerwürfnis zwischen Jobs und Sculley, das zu Jobs' Rücktritt führt. Auch Wozniak verlässt das Unternehmen.

1984: Der Mac

Der Macintosh Computer kommt auf den Markt. Ein Jahr später kommt es zum Zerwürfnis zwischen Jobs und Sculley, das zu Jobs' Rücktritt führt. Auch Wozniak verlässt das Unternehmen.

Jobs ohne Apple: Next und Pixar

Im Herbst 1985 verlässt Jobs mit einigen Vertrauten Apple und gründet Next. Das Unternehmen entwickelt hochwertige, teure Computer, die sich schlecht verkauften. 1993 stellt Next die Hardware-Produktion ein und konzentriert sich auf Software. Mehr Erfolg hat Jobs mit dem Trickfilmstudio Pixar, das er für zehn Millionen Dollar kauft. Die Firma bringt 1995 „Toy Story“ in die Kinos, den erste vollständig computeranimierten Film. Bald danach geht die Firma an die Börse. 2006 verkauft wird Pixar für 7,4 Milliarden Dollar an Disney verkauft. Jobs wird größter Einzelaktionär des Unterhaltungsriesen. 1991 heiratet er Laurene Powell, mit der er drei Kinder bekommt.

Apple ohne Jobs: Krisenzeiten

Apple und IBM gehen 1991 eine Kooperation zur Entwicklung neuer Microprozessoren und Software ein. Apple stellt das PowerBook vor, das einigen Erfolg hat. 1993 stellt das Unternehmen den Newton vor, einen tragbaren Computer. 1995 kommen die ersten Mac-Klone anderer Anbieter heraus. Unter dem Druck der Windows-Konkurrenz rutscht Apple in die roten Zahlen, schließlich wird CEO Sculley im Februar 1996 vom bisherigen Apple-Präsidenten Michael Spindler abgelöst.

1993: Apple in Not

Apple stellt den Newton vor, einen tragbaren Computer. Das Unternehmen rutscht in die roten Zahlen, und CEO Sculley wird vom bisherigen Apple-Präsidenten Michael Spindler abgelöst.

1995: Erfolge mit Pixar

Die ersten Mac-Klone gehen in den Handel. Microsoft gibt Windows 95 heraus. Apple steht unter starkem Druck der Konkurrenz. Pixar bringt „Toy Story“ in die Kinos, den erste vollständig computeranimierten Film. Pixar geht an die Börse.

Die Rettung von Apple

Apple braucht 1996 dringend ein neues Betriebssystem und kauft Jobs' Unternehmen Next für 430 Millionen Dollar. Ein Jahr später kehrt Steve Jobs zu Apple als Berater und bald als De-Facto-Chef zurück - er nennt sich iCEO: Interimschef. Jobs krempelt das Management des fast insolventen Unternehmens um und räumt die Produktpalette auf, die Mac-Klone werden eingestellt. 1998 kehrt Apple in die Gewinnzone zurück und stellt den iMac vor. Im Jahr 2000 wird Jobs wieder CEO.

1998: Wieder Gewinn

Apple kehrt in die Gewinnzone zurück und stellt den iMac vor. Im Jahr 2000 wird Jobs wieder CEO von Apple.

iPod, iPhone, iPad

In wenigen Jahren krempelt Apple mehrere Branchen um. 2001 kommt der iPod heraus, zwei Jahre später geht die Musik-Plattform iTunes wird mit 200.000 Songs für jeweils 99 Cent online. In der ersten Woche werden eine Million Songs verkauft. 2007 folgt das iPhone, das den Handymarkt revolutioniert. Menschenmassen warten in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften, um eines der ersten Telefone zu erwerben. 2010 kommt das iPad heraus - es wird zu einem Renner: 15 Millionen Exemplare gehen in nur neun Monaten über den Ladentisch. Mit dem iPad wird die neue Kategorie der Tablet-Computer begründet.

2006: Verkauf von Pixar

Verkauf von Pixar an Disney für 7,4 Milliarden Dollar. Jobs wird Disneys größter Einzelaktionär.

2007: Das iPhone

Das iPhone kommt auf den Markt. Menschenmassen warten in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften, um eines der ersten Telefone zu erwerben.

Zweifel an Jobs' Gesundheit

Im Herbst 2003 erfährt Jobs, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Mehrere Monate versucht er, die Erkrankung ohne die Methoden der Schulmedizin zu bekämpfen. Erst 2004 unterzieht er sich einer Operation. Die Sorge um Jobs' Gesundheit bleibt und bewegt sogar den Aktienkurs von Apple. 2009 erklärt der CEO seinen deutlich sichtbaren Gewichtsverlust mit einem behandelbaren hormonellen Ungleichgewicht und bekräftigt, Apple weiterhin zu führen. Im selben Jahr unterzieht er sich einer Lebertransplantation.

2009: Lebertransplantation

Jobs erklärt seinen deutlich sichtbaren Gewichtsverlust mit einem behandelbaren hormonellen Ungleichgewicht und bekräftigt, Apple weiterhin zu führen. Im selben Jahr unterzieht er sich einer Lebertransplantation.

2010: Das iPad

Das iPad wird zu einem Renner: 15 Millionen Exemplare gehen in nur neun Monaten über den Ladentisch. Mit dem iPad wird die neue Kategorie der Tablet-Computer begründet.

Abschied in Raten

Im Januar 2011 kündigt Jobs einen befristeten Ausstieg aus dem Tagesgeschäft aus gesundheitlichen Gründen an, hält aber an seinem Amt als CEO fest und stellt fest, dass er an strategischen Entscheidungen weiterhin beteiligt ist. Im August veröffentlicht Apple eine Erklärung, nach der Jobs als CEO zurücktritt und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselt. Am 5. Oktober 2011 stirbt der Apple-Gründer.

24. August 2011: Rücktritt als CEO

Apple veröffentlicht eine Erklärung, nach der Jobs als CEO zurücktritt und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselt.

6. Oktober 2011:

Apple verkündet den Tod von Steve Jobs.

So wollte Jobs eine Verbindung zwischen seinen Leuten schaffen. Und eine Marke kreieren, die den Aufstand zum System machte. Allerdings den inszenierten Aufstand nach außen, keinesfalls die Revolution nach innen – was auch funktioniert: Immerhin hatte Apple über Jahre hinweg trotz der Marotten von Steve Jobs eine extrem kleine Abwanderungsrate.

Dabei sind Probleme mit dem Chef Kündigungsgrund Nummer eins. Top-Berater wie Martin Wehrle schreiben Sätze wie: „Viele Chefs führen ihr Auto besser als ihre Mitarbeiter. Kein Wunder, das eine haben sie gelernt, das andere nicht.“ (Die Geheimnisse der Chefs, Orell Füssli Verlag, 2012).

Jobs hatte auch nicht das Führen gelernt, aber er hatte einen Blick für Talente. Biograph Isaacson beschreibt die Szene, als Jobs Entwickler für eine neue graphische Benutzeroberfläche suchte. Das Bewerbungsgespräch mit einem nervösen jungen Mann verläuft schlecht. Später am Tag trifft Jobs den durchgefallenen Kandidaten in der Kantine.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

03.09.2012, 07:41 Uhr

Dummes Zeugs: Die "geschundenen" Mitarbeiter lieben nicht den Schinder, sondern den Geld, das der Erfolg einbringt.

senfra

03.09.2012, 07:49 Uhr

Diese Chef`s haben eine sonderbare Einstellung-zu mindest aus der Sicht manch für manch Angestellten.

Sie fordern Leistung für ihr Geld.

Und bezahlen dann gut.

Stellt euch mal vor unsere Politiker würden nach Leistung bezahlt UND müssten für Schäden haften (!) das würde Geld einsparen.


Beispielhaft.

ssdf

03.09.2012, 08:27 Uhr

@senfra
Also ein Arbeiter in China der seine 80h die oche abreißt bekommt dann mehr Geld. Wo leben Sie eigentlich?
Genauso die Programmierer. Wissen Sie eigentlich was ein hacker (kommt von Hacken) verdient? Ein Analyst und Designer der die Softwareentwickelt verdient Kohle aber ein gewöhnlicher Hacker??? Also einer der die Sachen nur eintippt die andere entwichelt haben? Der verdient doch nix. Sie haben ein recht eingeschränktes Blickfeld in diesem Fall. Die machen das wegen der reputation und sonst wegen nix

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