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09.01.2008

18:35 Uhr

Automobilbranche

Verkaufsprofi wechselt in die Werkstatt

VonMark C. Schneider

Der neue Mann an der Spitze der Werkstattkette ATU Auto Teile Unger ist Michael Kern - zuvor bei VW -Vorstand für Vertrieb, Marketing und den Bereich After Sales. Kern verlässt VW, nachdem er den Posten des Konzern-Vertriebschefs an Detlef Wittig verloren hatte.

Michael Kern wird neuer Chef der Werkstattkette ATU. Foto: dpa dpa

Michael Kern wird neuer Chef der Werkstattkette ATU. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Michael Kern gewinnt eine neue Perspektive als Unternehmenslenker, der ATU-Eigentümer Kohlberg, Kravis & Roberts (KKR) kann einen ausgewiesenen Fachmann im Auto- und Service-Sektor verpflichten. Der 52-jährige Vertriebsvorstand der Marke VW fühlt sich seit Monaten von seinem Arbeitgeber hingehalten. Dabei hatte ihm Firmenpatriarch Ferdinand Piëch persönlich verschiedene Angebote gemacht. Sogar das Steuer des geplanten Nutzfahrzeugriesen aus MAN, Scania und Volkswagens brasilianischem LKW-Geschäft stand zur Debatte - unglücklich nur, dass derzeit niemand weiß, wann eine mögliche Fusion Wirklichkeit wird.

Kern wäre gern Vertriebschef des Konzerns geworden, aber den Spitzenjob übernimmt bis auf weiteres Ex-Skoda -Chef Detlef Wittig. Aus VW -Kreisen ist zu hören, Kerns Profil habe nicht gepasst. VW -Chef Martin Winterkorn sucht für den Job einen peniblen Controller, der den Vertrieb der Massenmarken VW, Skoda und Seat endlich sauber differenziert. Ausgerechnet in der Seat-Heimat Spanien etwa gibt es mehr Taxis der tschechischen Schwestermarke Skoda als von Seat.

Kern ist kein Buchhalter, sondern ein vollmundiger Verkäufertyp, der sich gern über Konventionen hinwegsetzt. Im kleinen Kreis kokettiert der Manager offen mit seiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Geldverdienen.

Der damalige Volkswagen -Personalvorstand Peter Hartz machte den promovierten Wirtschaftswissenschaftler nach der Übernahme von Europcar im Jahr 2000 zum Chef des Autovermieters. Den führte Kern zwei Jahre, bevor er den Vorstandsvorsitz des Backfilialisten Kamps übernahm.

Hartz gelang es 2004, seinen Duzfreund Kern mit viel Geld als Vertriebsvorstand der Nutzfahrzeugsparte ins Wolfsburger Autoreich zurückzuholen. In den vergangenen zwei Jahren war der Verkaufsprofi schließlich Vertriebsvorstand der Kernmarke VW. Mit viel Kreativität drückte er die Fahrzeuge auch in schwierige Märkte. Dazu gehört insbesondere Deutschland, wo immer weniger Privatkunden Autos kaufen.

Der Finanzinvestor KKR suchte seit November einen neuen Chef für seine Mehrheitsbeteiligung ATU. Der Filialist für KFZ-Service und -Ersatzteile verfügt über 620 Standorte in Europa, 600 davon in Deutschland und Österreich. Dort fallen 95 Prozent der Erträge an. Im Jahr 2006 machte ATU einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro.

Der Chefposten wurde frei, als Karsten Engel im November nach zwei Jahren seinen Rückzug ankündigte. Der ehemalige Leiter der BMW -Niederlassung kehrt zum Münchener Autobauer zurück. Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, am Ende habe PR-Profi Engel, der etwa Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher als Werbepartner verpflichtete, die Geschäftsführung nicht mehr hinter sich gehabt.

Trotz eines rapiden Expansionskurses kämpft ATU mit Schwierigkeiten. Im Jahr 2007 brach das Hauptgeschäft mit Winterreifen ein. Kerns Aufgabe wird es sein, die Abhängigkeit des Unternehmens von Reifen zu mindern und die Geschäftsfelder neu auszurichten. Er kündigte bereits an, er wolle "das Kerngeschäft im Bereich KFZ-Service und -Ersatzteile weiterentwickeln und dort die alten Stärken von ATU hervorheben".

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