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19.09.2013

18:15 Uhr

Autozulieferer vor Chefwechsel?

Knorr-Vorstand offenbar Wunschkandidat bei Schaeffler

Die Ablösung von Jürgen Geißinger als Chef beim Automobilzulieferer Schaeffler scheint beschlossene Sache zu sein. Die Schaefflers haben offenbar einen Manager der Konkurrenz an der Angel.

Maria-Elisabeth Schaeffler und Georg F. W. Schaeffler: Die Alteigentümer treiben offenbar einen Chefwechsel voran. dpa

Maria-Elisabeth Schaeffler und Georg F. W. Schaeffler: Die Alteigentümer treiben offenbar einen Chefwechsel voran.

HerzogenaurachBeim Automobilzulieferer Schaeffler wird ein Führungswechsel immer wahrscheinlicher. Der Wechsel an der Spitze der Herzogenauracher sei so gut wie perfekt, berichtet das „Manager Magazin“. Die beiden Gesellschafter Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler hätten sich darauf verständigt, dass Klaus Deller den aktuellen Vorstandschef Jürgen Geißinger ablösen solle, schreibt das Magazin in seiner aktuellen Ausgabe.

Deller verantwortet bisher im Vorstand des Münchener Schaeffler-Konkurrenten Knorr-Bremse das Geschäft mit Nutzfahrzeugsystemen. Der Vertrag mit Deller sei zwar noch nicht unterschrieben, heißt es laut dem Magazin in Konzernkreisen. Es fehle noch die Zustimmung des Aufsichtsrats, doch seien sich die Alleineigentümer Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler bereits mit Deller einig.

In einem Brief an die Mitarbeiter, der Reuters vorlag, schrieben die Schaefflers, diese Spekulationen seien schädlich. „Wir werden uns daran nicht beteiligen.“ Gerüchte über eine mögliche Übernahme durch die eigene Tochter Conti wiesen sie indes als Hirngespinst zurück. Gespräche über derartige Themen seien „aus gutem Grund streng vertraulich“ und erforderten Sorgfalt und Ehrlichkeit. „Das Interesse unseres Unternehmens und seiner Mitarbeiter steht dabei über den Interessen einzelner.“

Geißingers Vertrag läuft Ende 2014 aus. Der Schaeffler-Chef steht seit 15 Jahren an der Unternehmensspitze. Die Gesellschafter hätten jedoch entschieden, Geißingers Vertrag nicht mehr zu verlängern, so das „Manager Magazin“.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Der Vorstandsvorsitzende gelte seit der für Schaeffler nahezu tödlichen Übernahmeattacke auf den größeren Hannoveraner Konkurrenten Continental als angezählt, schreibt das „Manager Magazin“. Den Ausschlag habe jetzt gegeben, dass Geißinger insbesondere für Maria-Elisabeth Schaeffler „kein Mann der Zukunft“ sei, hieße es in Herzogenaurach.

Als Alternativoption für den Fall, dass sich dessen Wechsel doch noch zerschlage, gelte in Herzogenaurach Siegfried Wolf. Der ehemalige Co-Chef des austrokanadischen Automobilzulieferers Magna sitzt für Schaeffler bereits im Continental-Aufsichtsrat.

Geißinger steht seit 1998 an der Unternehmensspitze. Unter seiner Führung hatte der Wälzlagerhersteller 2009 versucht, sich den sehr viel größeren Zulieferer Continental einzuverleiben, hatte sich an den dafür aufgenommenen Schulden aber fast verhoben.

Seither versucht Schaeffler, den enormen Schuldenberg zu reduzieren und kommt nur langsam voran. Erst vor wenigen Tagen hatte das Familienunternehmen den Kursanstieg der Conti-Aktie genutzt und sich von weiteren knapp vier Prozent der Anteile an dem Dax-Konzern getrennt. Nun lasten noch neun Milliarden Euro Schulden auf der Firma, die ihren verbleibenden Conti-Anteil von 46 Prozent nach eigener Aussage langfristig halten will.

Analysten vermuten jedoch, dass Schaeffler weitere Aktien verkaufen wird und am Ende einen Anteil von etwas mehr als einem Drittel anpeilen wird. Diese Größenordnung dürfte ausreichen, um die Geschicke des Reifen- und Elektronikspezialisten aus Hannover auf Hauptversammlungen weiter zu bestimmen.

Spekulationen über einen sogenannten reverse takeover, also eine Übernahme von Schaeffler durch Conti, wiesen die Familiengesellschafter in ihrem Brief zurück. „Dieses Gerücht ist schlicht falsch und ohne jede sachliche Grundlage.“

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

19.09.2013, 11:48 Uhr

Mit Hr. Deller hat man einen exzellenten Manager gefunden, der in einem inhabergeführten Unternehmen (Thiele) wirklich Grosses geleistet hat. Nachhaltig.

Nur: Hat das Hr. Geißinger bisher nicht auch?

Man sucht nachträglich einen Sündenbock für die erlittene Pelzmantel-Schande 2009. Gefühl und Geschäft haben aber nichts miteinander zu tun.

Rotkaeppchen

19.09.2013, 15:00 Uhr

Trotzdem möchte ich DER Frau abends nicht alleine im Park begegnen.

Pirat

19.09.2013, 16:01 Uhr

Die Familie Schaeffler hat sehr lange benötigt um zu erkennen, dass Geißinger kein Mann der Zukunft ist, er ist auch "kein Mann der Gegenwart"!
Auf jeden Fall sollte der zukünftige CEO nicht nur das Automobilgeschäft,sondern auch den Rest des Unternehmens führen können, was Geißinger nicht kann oder nicht daran interessiert ist.
Die Volatilität des Unternehmens auf Wirtschaftszyklen muss verringert werden, sonst wird das nichts in der Zukunft!
Gruß
Pirat

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