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07.07.2016

16:55 Uhr

Axel-Springer-Vorstand

Matthias Döpfner wird Chef-Lobbyist für Zeitungsverleger

Die Personalie ist nicht unumstritten: Springer-Chef Matthias Döpfner wird neuer Präsident des Bundesverbands deutscher Zeitungsverleger. Dabei verkaufte er zwei Traditionsblätter seines Hauses.

Als Springer-Chef wacht Döpfner beispielsweise über die „Bild“ und die „Welt“. AP

Matthias Döpfner

Als Springer-Chef wacht Döpfner beispielsweise über die „Bild“ und die „Welt“.

BerlinMathias Döpfner, einer der wichtigsten Medienmanager in Deutschland und energischer Verfechter des digitalen Medienwandels, wird Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses Axel Springer SE tritt die Nachfolge von Helmut Heinen (60) an. Der Herausgeber der „Kölnischen Rundschau“ hatte nach 16 Jahren an der Verbandsspitze nicht mehr kandidiert. Döpfner (53) wurde von den Delegierten einstimmig für vier Jahre am Donnerstag in Berlin gewählt.

Als Döpfners Stellvertreter wählte der Verband Matthias Ditzen-Blanke („Nordsee-Zeitung“), Thomas Düffert (Mediengruppe Madsack), Richard Rebmann (Südwestdeutsche Medienholding) und Valdo Lehari jun. („Reutlinger Generalanzeiger“).

Mit Döpfners Wahl bekommen die Verleger eine schon jetzt prominente neue Stimme. Der Zwei-Meter-Mann hat die Axel Springer SE („Bild“, „Die Welt“) zu einem der führenden digitalen Medienhäuser Europas ausgebaut. Die Chancen der Digitalisierung überträfen die Risiken bei weitem, sagt der studierte Musikwissenschaftler immer wieder. Die Zeitung müsse in die digitale Welt überführt werden.

Heinen nannte die Wahl einen „Glücksfall“ für den BDZV. Döpfner sei „durch und durch Zeitungsjournalist“ sowie „ein erfolgreicher Unternehmer, der immer auch publizistisch denkt und handelt.“ Er werde dem Verband zu neuer Schlagkraft verhelfen.

Döpfner sagte nach der Wahl, die Digitalisierung stelle die Branche vor existenzielle Herausforderungen. „Ein starker und moderner Verlegerverband, der das Printgeschäft mit Leidenschaft pflegt und gleichzeitig das digitale Zukunftsgeschäft innovationsfreudig gestaltet, ist dabei wichtiger denn je.“

Wie wohl kein anderes Medienhaus in Europa setzen Döpfner und die Axel Springer SE konsequent auf die Digitalisierung der Medienangebote. Nur so könne der Qualitätsjournalismus in Zukunft gesichert werden. Allerdings hat sich Springer von seinen Regionalzeitungen getrennt – eine Entscheidung, die in der mittelständisch geprägten Zeitungslandschaft in Deutschland nicht überall mit Verständnis aufgenommen wurde.

Doch mit Döpfner bekommt der Verlegerverband wohl ein stärkeres Gewicht in medienpolitischen Fragen. Ob die aus Berlin und Brüssel immer wieder drohenden Werbeeinschränkungen, der Streit mit ARD und ZDF über die mit Gebühren finanzierten journalistischen Angebote im Internet oder ein neues Urheberrecht - Döpfner hat dazu immer wieder Position bezogen. In der Auseinandersetzung mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan um das „Schmähgedicht“ des TV-Satirikers Jan Böhmermann machte sich Döpfner für die Pressefreiheit stark, ein wichtiges Anliegen des BDZV.

Eine Niederlage vor Gericht mussten die Verlage jüngst im Streit mit Google um die Vergütung für sogenannte Snippets bei der Nachrichtensuche einstecken. Google sei nicht verpflichtet, für die Nutzung dieser kurzen Textauszüge zu zahlen. Döpfner hatte an vorderster Linie dafür gekämpft.

Und Döpfner wird sich auch um tarifpolitische Fragen kümmern müssen. Einige Titel haben sich aus der Tarifgemeinschaft verabschiedet. Begleitet von Streiks in den Redaktionen kam zuletzt mit sehr viel Mühe ein Tarifvertrag zustande.

„Die Außendarstellung der Zeitungsverleger wird von Döpfners Prominenz zweifelsohne profitieren“ erklärte Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). Doch es sei ihm zu wünschen, dass er auch in den eigenen Reihen den Rückhalt finde, um den Verlegerverband wieder zu einem verlässlichen Verhandlungspartner zu machen, sagte der DJV-Chef.

Dem BDZV gehören 279 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 13,9 Millionen verkauften Exemplaren an. Dazu kommen 13 Wochenzeitungen mit knapp einer Million verkaufter Auflage. Insgesamt haben die Blätter mehr als 50 Millionen Leser.

Von

rtr

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