Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.12.2015

21:18 Uhr

Bahn, Post, Lufthansa

Was folgt auf das Jahr der Mega-Streiks?

Ob bei der Bahn, der Post, in Kitas, bei Amazon oder der Lufthansa: 2015 gab es in Deutschland so viele Streiks wie schon lange nicht mehr. Und für das neue Jahr drohen bereits die nächsten Arbeitskämpfe.

In den letzten Jahrzehnten wurde kaum so häufig gestreikt wie 2015. dpa

Lufthansa-Flugbegleiter im Streik

In den letzten Jahrzehnten wurde kaum so häufig gestreikt wie 2015.

DüsseldorfSo viel gestreikt wie im abgelaufenen Jahr wurde in Deutschland schon lange nicht mehr. Meistens legten kleine Gruppen die Arbeit nieder, was aber wegen ihrer beruflichen Schlüsselstellung dennoch zu großen Auswirkungen führte. Während Lokführer, Paketboten und Erzieher schließlich doch noch zu Kompromissen fanden, zeichnet sich bei der Lufthansa für 2016 nur ganz allmählich Frieden ab.

Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft Köln sind in diesem Jahr in Deutschland an die 960.000 Arbeitstage durch Streiks ausgefallen. Seit der Wiedervereinigung wurde nur 1992 mehr gestreikt, sagt das IW. Heiner Dribbusch vom gewerkschaftsnahen WSI-Tarifarchiv kommt in einer ersten Schätzung sogar auf 1,7 Millionen Streiktage, will aber den Vergleich zur amtlichen Statistik 1992 nicht ziehen, die tendenziell eher zu niedrig liege.

Wie die Bahn Kunden im Fernverkehr gewinnen will

Keine flächendeckende Preiserhöhung

Bereits für das laufende Jahr hat die Deutsche Bahn in der zweiten Klasse nicht an der Preisschraube gedreht. Das ist auch im nächsten Jahr der Fall, dann auch in der ersten Klasse. Einschränkung: Fahrten über die Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig, die zum Fahrplanwechsel in Betrieb genommen wird und Fahrzeiten deutlich verkürzt.

Ansonsten bleibt bei 90 Prozent der Tickets alles beim Alten: Die Normalpreise ändern sich nicht, die Bahn-Card-Preise bleiben stabil wie auch die Preise für Streckenzeitkarten. Sparpreise gibt es weiter ab 19 und 29 Euro.

Höhere Preise auf neuer Strecke

Kunden, die Verbindungen über die Neubaustrecke Erfurt - Halle/Leipzig nutzen, müssen tiefer in die Tasche greifen; sie kommen aber auch schneller an ihr Ziel. Der Fahrpreis erhöht sich um ein bis sieben Euro. Normalpreise und Streckenzeitkarten werden ebenfalls angepasst.

Die Fahrzeit von Frankfurt am Main nach Leipzig verkürzt sich beispielsweise um 23 Minuten auf rund drei Stunden. Dafür werden mit 85 Euro künftig fünf Euro mehr fällig als bisher. Wer von Berlin nach Erfurt unterwegs ist, zahlt ab dem Fahrplanwechsel 71 statt 64 Euro. Hier gelangt der Bahnreisende dann unter zwei Stunden an sein Ziel; 44 Minuten schneller als bisher.

Sparpreise ohne Vorkaufsfrist

Für den Sparpreis ab 29 Euro auf längeren Strecken entfällt künftig die Vorverkaufsfrist. Je nach Verfügbarkeit kann solch ein Angebot dann noch bis kurz vor Abfahrt gebucht werden. Damit sollen vor allem Kunden angelockt werden, die bisher nicht oder selten Bahn fahren. Sparpreise werden auf Strecken zur Verfügung gestellt, die nicht ausgelastet sind - und zu Zeiten, in denen die Züge nicht voll sind.

Fahrten mit ICE-Sprinter werden günstiger

In etwa dreieinhalb Stunden von Frankfurt am Main nach Berlin oder von Köln nach Hamburg - das ist mit dem ICE-Sprinter möglich. Die Sprinter-Fahrten werden mit dem Fahrplanwechsel günstiger, weil die Reservierungspflicht und der Sprinter-Aufpreis von 11,50 Euro entfallen. Wer auf eigenen Wunsch einen Sitzplatz reservieren will, zahlt in der zweiten Klasse die üblichen 4,50 Euro. In der ersten Klasse ist die Reservierung im Fahrpreis enthalten.

Normalpreis wird zum Flexpreis

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Kein Termin für Gratis-Internet in zweiter Klasse

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Rund 1,5 Millionen Streiktage seien 2015 allein auf Streiks im Organisationsbereich von Verdi entfallen, darunter die langen Konflikte bei der Post und im Sozial- und Erziehungsdienst. Viele der kleineren Streiks trafen empfindliche Stellen der Infrastruktur wie das Bahnnetz oder die Flugverbindungen, so dass sehr viele Menschen betroffen waren und die Medien entsprechend breit berichteten. Wegen des jüngsten Flugbegleiterstreiks bei der Lufthansa mussten mehr als eine halbe Million Passagiere umbuchen.

Zumindest an der Tariffront herrscht bei Lufthansa zwischen Jahren Ruhe. Kurz vor Weihnachten hatten es die Gewerkschaften und das Management geschafft, immerhin die Basis für eine Einigung in dem seit zwei Jahre währenden Tarifkonflikt über die Altersversorgung zu legen. Auf einem Jobgipfel Anfang Dezember vereinbarten die Lufthansa-Spitze sowie die Gewerkschaften Verdi (Bodenpersonal), Vereinigung Cockpit (Piloten) und UFO (Kabinenpersonal) eine bessere Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen.

Aus den Zeiten des Quasi-Monopols genießen die Beschäftigten der ehemaligen Staats-Airline noch zahlreiche Privilegien, die die Stückkosten in die Höhe treiben. Die Konkurrenz aus Billigfliegern und staatlich gestützten Golf-Airlines nutzt ihre Vorteile für deutlich niedrigere Ticketpreise. Vor allem im Asienverkehr haben Lufthansa und die anderen traditionellen Netz-Carrier bereits einen großen Teil des Geschäfts verloren.

Damit dies nach Nordamerika und innerhalb Europas nicht noch weiter fortschreitet, muss Lufthansa die Kosten senken. Mit der teils in Österreich angesiedelten Tochter Eurowings begeht der Konzern auch Tarifflucht aus Deutschland, die von den Gewerkschaften heftig bekämpft wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×