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15.01.2007

10:55 Uhr

Balda-Chef Joachim Gut

Stets wachsam sein

VonSönke Iwersen

Zwei Gewinnwarnungen, die Pleite eines Großkunden und dann noch ein Großaktionär, der eine feindliche Übernahme ankündigt – das vergangene Jahr war turbulent, äußerst turbulent für Joachim Gut. Doch das ist vermutlich nichts im Vergleich zu dem, was dem Chef des Handy-Zulieferers Balda nun bevorsteht.

DÜSSELDORF. Guy Wyser-Pratte mischt bei Balda mit. Der amerikanische Großinvestor, der missliebigen Vorständen schon mal mit Napalmangriffen droht und ankündigt, er werde sie aus dem Fenster schmeißen, hat sich 2,6 Millionen Aktien des ostwestfälischen Unternehmens gekauft.

Was er damit will, ist unklar. Balda sei ein Unternehmen mit sehr viel Potenzial, das aber ein bisschen umgesteuert werden müsse, sagt Wyser-Pratte. Außerdem sei die Aktionärsstruktur sehr interessant. Aus dem Umfeld des Amerikaners ist zu hören, diesmal könnte es selbst für die Verhältnisse von Wyser-Pratte hart zugehen. Ein Eingeweihter: „Es könnte aggressiv werden. Sehr aggressiv.“

Joachim Gut schaut sich den aufbrausenden Sturm gelassen an. Er habe keinerlei Kontakt zu Wyser-Pratte und von dessen Einstieg bei Balda erst am Donnerstagabend aus Handelsblatt-Online erfahren, sagt der 44-Jährige. Die Vorgehensweise des Investors sei gewöhnungsbedürftig, aber damit müsse man wohl leben. Gut: „Ich werde auf Wyser-Pratte zugehen, um seine strategischen Ziele zu verstehen.“

Das Problem: Zur Strategie des Amerikaners gehört gerade das Verwirren und Einschüchtern. Wyser-Pratte orientiert sich nach eigenem Bekunden an der Gefechtstaktik der US-Marines. Den Gegner aus verschiedenen Richtungen mit verschiedenen Waffen angreifen, Schwächen ausnutzen und wechselnde Koalitionen eingehen – was Wyser-Pratte im Tarnanzug in Vietnam lernte, setzt er heute in Schlips und Kragen um – nun auch in Ostwestfalen.

Wechselnde Koalitionen sind für Gut ein wichtiges Stichwort. Der Vorstandschef hat nicht nur einen aggressiven Aktionär im Unternehmen, sondern gleich vier. Einer von ihnen ist Florian Homm, der 4,5 Prozent der Anteile hält. Der Hedge-Fonds-Manager hat sich durch sein Vorgehen bei dem Finanzdienstleister MLP und der Immobiliengesellschaft WCM den Ruf als „Kurskiller“ und „Plattmacher“ erworben. Seine Aktivitäten bei Sixt brachten ihm 2004 eine Geldbuße wegen Kursmanipulation ein.

Um Homm ist es derzeit aber still bei Balda. Im Vordergrund agieren stattdessen die Investmentgesellschaft Cycladic Capital, die 8,5 Prozent hält, und der Hedge-Fonds Audley Capital (4,3 Prozent). Beide fordern Einsicht in die Bücher. Audley will gar das ganze Unternehmen von der Börse nehmen.

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