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04.02.2016

17:21 Uhr

Ballsaison in Wien

Geldmaschine im Walzertakt

VonHans-Peter Siebenhaar

Die mittlerweile 450 Bälle, die in Wien stattfinden, verhelfen dem Tourismus in Österreich zu neuen Rekordzahlen. Die Walzer-Geldmaschine läuft wie geschmiert – und die Zahl der Tanzfeste nimmt weiter zu.

Das Walzerfest ist längst wichtiger Standortfaktor für die österreichische Hauptstadt geworden. dpa

Wiener Opernball

Das Walzerfest ist längst wichtiger Standortfaktor für die österreichische Hauptstadt geworden.

WienSelbst politische Kämpfe werden in Wien auf dem Tanzparkett ausgetragen. Jahr für Jahr treibt der Akademikerball der rechtspopulistischen FPÖ in der Hofburg Tausende von Demonstranten auf die Straßen Wiens. Nun wurde sozusagen eine Gegenveranstaltung in Smoking, Frack und Abendkleider gegründet. Der Wissenschaftsball, für den die rot-grüne Regierung das labyrinthartige Wiener Rathaus bereitstellt, richtet sich mit seinem Motto „Spaß mit Anstand – Tanz mit Haltung“ gegen Rechtsradikale. Ehrengast in diesem Jahr war der von den Nazis vertriebene, in Wien geborene Medizin-Nobelpreisträger Eric Kandel.

Vor allem ist der neu gegründete Wissenschaftsball auch ein wirtschaftlicher Erfolg. Denn er schreibt schwarze Zahlen. Beim zweiten Wissenschaftsball waren die 2800 Karten restlos ausverkauft. „Wir haben beim ersten Mal ausgeglichen bilanziert, und gehen davon aus, dass wir auch beim zweiten Ball ausgeglichen bilanzieren werden, inklusive Spende für die Flüchtlingsinitiative der österreichischen Universitätenkonferenz“, sagt Wissenschaftsball-Organisator Oliver Lehmann.

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Die Wiener Bälle sind nicht nur immaterielles Weltkulturerbe, sondern auch eine wichtige Geldmaschine für das Tourismusland Österreich. Die Walzer-Geldmaschine läuft in dieser Saison wie geschmiert. Immer mehr Bälle entstehen – vom Wissenschaftsball bis zum neuen Hip-Hop-Ball. Mittlerweile kommt das vergnügungssüchtige Wien auf rund 450 Bälle – Tendenz steigend.

Für die heimische Wirtschaft ist die ausufernde Ballsaison ein Geldsegen. Nach einer Marktstudie der Wirtschaftskammer Österreich bescheren die rund 500.000 Ballbesucher in der diesjährigen Saison der Hauptstadt Einnahmen von 128 Millionen Euro. Das Geld der Gäste wird breit gestreut – von Taxis über Hotels, Restaurants, Bekleidungsläden bis hin zu Friseuren und Floristen. Allein in Wien gibt es mehr als zwei Dutzend Tanzschulen, die ihren Schülern den Wiener Walzer nach ein paar Stunden in Blut und Adern übergehen lassen.

Für jede Zielgruppe gibt es einen Ball. So findet beispielsweise parallel zum Opernball der schwule Rosenball – eine Art Persiflage auf die prominente Konkurrenz- statt. Vor allem internationale Gäste locken die Tanzereignisse in prächtigem Rahmen in die Donau-Metropole. Neben den Amerikanern, Russen und anderen Osteuropäern zieht es vor allem die Deutschen nach Wien. „Für uns bemerkenswert ist das große Interesse aus dem Ausland. Auch wenn wir in Wien manchmal über den Ball als solchen lächeln, im Ausland haben Wiener Bälle eine ungebrochene Stahlkraft“, berichtet Ball-Organisatorin Oliver Lehmann.

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