Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2009

16:43 Uhr

Bank Of America

Ken Lewis: Wie ein Toaster- Verkäufer

VonE. Robinson

Die Bank Of America hat sich mit Merrill Lynch verhoben. Vorstandschef Ken Lewis, der lange Zeit als gewiefter Dealmaker galt, könnte seine abschätzige Einstellung zum Investment-Banking zum Verhängnis werden. Nun wird der Ruf nach seinem Rücktritt lauter.

Mit der Übernahme von Merrill Lynch hat sich Bank Of America-Vorstandschef Ken Lewis (rechts) finanziell verspekuliert. Foto: ap ap

Mit der Übernahme von Merrill Lynch hat sich Bank Of America-Vorstandschef Ken Lewis (rechts) finanziell verspekuliert. Foto: ap

SAN FRANCISCO. Eigentlich ist Kenneth Lewis genau der Typ, dem die Amerikaner gern ihr Geld anvertrauen. Der 61-jährige Chef der nach Bilanzsumme größten US-Bank, Bank of America, strahlt Bodenständigkeit aus, spricht überlegt, trägt dezente Anzüge. Nur wenn es um Investmentbanker geht, wird sein kantiges Gesicht noch etwas kantiger. Distanziert wäre noch eine moderate Umschreibung für seine Haltung zu der Branche. In einem Interview des US-Fernsehmagazins "60 Minutes" nannte der Chef der Bank of America die Zunft der Broker und Investmentbanker "in unerhörter Weise überbezahlt". Mit elitärem Gehabe und Risikofreude könne er nichts anfangen, hat er immer wieder durchblicken lassen. Das Studium hat er sich als Buchhalter verdient, die gesamte Karriere absolvierte er in einer einzigen Bank. Inzwischen ist dort jeder zweite US-Haushalt Kunde.

Doch seine abschätzige Einstellung zum Investment-Banking könnte dem Südstaatler jetzt zum Verhängnis werden. Mit der Übernahme des US-Brokerhauses Merrill Lynch hat er sich nicht nur finanziell verhoben. Er hat die Aufgabe, die Firmenkultur eines großen Brokerhauses in eine eher biedere Geschäftsbank zu integrieren, offenbar gehörig unterschätzt. Ausgerechnet dieser Kenneth Lewis hat sich mit der Not-Übernahme von Merrill Lynch, die "donnernde Herde" eingehandelt, eine an der Wall Street zutiefst respektierte Meute von 16 000 Brokern. "Mit seinem gespaltenen Verhältnis zur Wall Street wird er es schwer haben", kommentierte Samuel Hayes, Spezialist für Investment-Banking bei der Harvard Business School.

Prompt hat sich Lewis gleich zu Anfang in die Nesseln gesetzt. Der erste Schock kam mit dem im Oktober vorgelegten Arbeitsvertrag, den die Merill-Lynch-Leute bei Bank of America unterzeichnen sollten. Die Investmentbank gehörte bisher einem Verbund von Brokern an, die bei einem Arbeitgeber-Wechsel ihre Kunden mitnehmen dürfen. Die Bank of America wollte das nicht akzeptieren.

"Toaster-Verkäufer" nannte die Herde verächtlich ihre neuen Herren, die offensichtlich keine Ahnung von der Bedeutung der delikaten Beziehung zwischen Broker und Kunden hatte. Viele Merrill-Broker drohten mitsamt ihren Klienten zu gehen. Die Bank of America musste einlenken und trat dem Verbund bei. Doch offenbar schwelte der Unmut weiter. Zwei wichtige Merrill-Manager kündigten erst vor wenigen Tagen. Robert McCann sprang ab, der Chef der Brokersparte, der seit 26 Jahren für das Unternehmen gearbeitet hatte. Drei Tage später ging auch Merrill-Präsident Gregory Fleming. Der 45-Jährige war als Chef des Firmenkundengeschäfts und Investment-Bankings vorgesehen.

"Ken Lewis ist ein guter Banker für das Einzelkunden-Geschäft, aber die Wall Street mochte er nie", sagt Paul Miller, Banken-Analyst bei Friedman, Billings, Ramsey, "diese Leute merken, dass die Kultur von Merrill unter der Bank of America nie überleben kann."

Dabei strebte Lewis seit seinem Amtsantritt 2001 eine eigene Investment-Banking-Sparte an. Der Preis für die Übernahme eines etablierten Akteurs erschien ihm jedoch zu hoch: "Ich werde nie überzeugt sein, dass eine Investmentbank tatsächlich so viel wert ist, wie sie selbst glaubt", sagte er vor einigen Jahren. Also begann er, eine eigene Investment-Banking-Sparte aufzubauen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×