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11.01.2009

09:00 Uhr

2009 wird ungemütlich

Frankreichs Banken vor ungemütlichem Jahr

VonHolger Alich

Frankreichs große Bankengruppen werden 2009 ihr Geschäftsmodell anpassen – umfassende Korrekturen wie in den USA halten Experten dagegen nicht für nötig. Der Grund: Die Bankkonzerne wie BNP Paribas oder Crédit Agricole agieren bereits als breit aufgestellte Universalbanken, bei denen der Großteil der Profite aus dem vergleichsweise stabilen Massengeschäft (Retail-Banking) stammt.

Hauptsitz der französischen BNP Paribas: In Sachen Eigenkapital ist die Bank Ende 2008 stark unter Druck geraten. Foto: ap Quelle: ap

Hauptsitz der französischen BNP Paribas: In Sachen Eigenkapital ist die Bank Ende 2008 stark unter Druck geraten. Foto: ap

PARIS. Dieses Modell hat Frankreichs Banken vor Zusammenbrüchen – wie in den USA im Fall Lehman Brothers – bewahrt, meint zum Beispiel Elisabeth Grandin, Bankanalystin bei Standard & Poor’s in Paris. Dem belgisch-französischen Kommunalfinanzierer Dexia wurde sein Engagement im US-Bond-Versicherungsmarkt allerdings fast zum Verhängnis.

„2009 werden die Großbanken vor allem ihr Investment-Banking anpassen“, meint Eric Hazart, Bankanalyst des Brokers Exane-BNP-Paribas. Häuser wie Société Générale haben bereits angekündigt, den Eigenhandel zurückzufahren, Crédit Agricole will sich nach hohen Verlusten aus dem Geschäft mit exotischen Derivaten komplett verabschieden.

Mit Blick auf die kommenden Quartale sind sich Analysten sicher: 2009 wird ungemütlich. Sie erwarten weitere Abschreibungen auf Wertpapierbestände mit US-Immobilienbezug sowie Verluste aus Kreditausfällen im Heimatmarkt Frankreich. „Ein guter Vorlauf-Indikator ist die Kreditvorsorge im Konsumentenkreditgeschäft“, erklärt Experte Hazart. Bei BNP Paribas hat sich diese im dritten Quartal fast verdreifacht. Im Zuge der Wirtschaftskrise sind also Ausfälle auf breiter Front zu erwarten, die die Gewinne belasten. Vor allem Kredite an Mittelständler dürften im Zuge der Krise platzen – und diese sind vor allem Kunden bei den genossenschaftlichen Adressen.

Eine explodierende Risikovorsorge, weitere Abschreibungen – das zehrt an der Kapitaldecke. Daher hat Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy schon einmal vorsorglich angekündigt, Frankreichs Bankengruppen eine weitere Eigenkapitalspritze zukommen zu lassen. Seine Überlegung: „Je mehr Eigenkapital die Banken haben, desto mehr Kredite können sie vergeben.“ Im Oktober haben sich bereits alle Großbanken gleichzeitig bereiterklärt, vom Staat insgesamt 10,5 Mrd. Euro Hybrid-Kapital zu umgerechnet acht Prozent Zinsen aufzunehmen. Auf Dividendenzahlungen müssen die Banken dennoch nicht verzichten. Sie haben stattdessen versprochen, ihr Kreditbuch um drei bis vier Prozent auszubauen.

Während sich deutsche Bankmanager zum Teil zieren, die Staatshilfen anzunehmen, haben Frankreichs Bankchefs weniger Hemmungen: „Die Staatshilfen geben uns die nötige Sicherheit, unsere Kreditvergabe fortsetzen zu können, ohne fürchten zu müssen, dass wir Refinanzierungsprobleme bekommen“, hatte Frédéric Oudéa, Chef der Société Générale, erklärt.

In Sachen Eigenkapital ist BNP Paribas Ende des Jahres stark unter Druck geraten: Die Bank gab eine Gewinnwarnung für das Investment-Banking heraus; gleichzeitig wackelt die geplante Übernahme von Fortis Belgien, die sich positiv auf die Eigenkapitalausstattung auswirken würde. Bankchef Baudouin Prot beruhigte bereits per Interview, dass ein Platzen des Deals keine nachhaltigen Auswirkungen auf die Bank haben würde. Gelingt die Übernahme 2009, kann sich BNP Paribas wohl doch noch als Krisengewinner fühlen.

Vier Fragen an: Elisabeth Grandin

„Die Banken haben sich gut geschlagen“

Handelsblatt: Wie haben sich Frankreichs Banken im Krisenjahr 2008 geschlagen?

Grandin: Auch Frankreichs Banken haben unter der Krise gelitten. Das Durchschnittsrating der großen Player in Frankreich ist von „AA minus“ auf „A plus“ gesunken und damit etwas stärker als im europäischen Schnitt. Allerdings ist dieser Vergleich verzerrt, denn in den Ratings einiger der Top 50 Banken Europas sind Staatshilfen berücksichtigt. So gesehen haben sich Frankreichs Banken gut geschlagen, denn es gab hier keine Beinahe-Pleite wie bei Hypo Real Estate oder Northern Rock. Eine Erklärung dafür ist die bereits hohe Konzentration in Frankreich: sechs große diversifizierte Gruppen dominieren den Markt.

Drohen den Banken neue Probleme – etwa im Retailgeschäft?

Die Gewinne im Retailgeschäft kommen ohne Zweifel unter Druck. Daher haben wie die Sparkassen und die Banque Populaire bereits abgestuft. Aber eine Katastrophe erwarten wir hier nicht. Die Rentabilität auf das eingesetzte Kapital könnte von bisher 15 Prozent auf zwölf oder zehn Prozent sinken, doch das Geschäft bleibt profitabel.

Die Krise scheint am stärksten die genossenschaftlichen Gruppen zu treffen. Wie kommt das?

Die Sparkassen, Banque Populaire, aber auch Crédit Agricole zahlen einen hohen Preis für ihre Aufholjagd im Investment-Banking. Bei Natixis hatten wir nicht solche Verluste erwartet. Nun stecken die genossenschaftlichen Gruppen in einer Restrukturierungsphase, wie die geplante Fusion des Spitzeninstituts der Sparkassen mit jenem der Banque Populaire zeigt.

Wird eine Folge der Krise eine neue Fusionswelle sein?

Da bin ich skeptisch. Die Probleme der BNP Paribas bei Fortis zeigen, wie komplex Übernahmen in diesem Umfeld sind. Zudem ist der Markt in Frankreich schon sehr konzentriert: Die sieben größten Banken halten über 95 Prozent des Kreditvolumens. Außer einer Fusion zwischen BNP Paribas und der Société Générale, die derzeit vom Management ausgeschlossen wird, gibt es kaum mehr vorstellbare Kombinationen.

Die Fragen stellte Holger Alich.

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