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20.01.2009

18:58 Uhr

Abschreibungen

DZ legt tiefrote Zahlen vor

VonYasmin Osman, Hans G. Nagl

Enorme Abschreibungen haben der DZ Bank im Krisenjahr 2008 einen Milliardenverlust beschert. Die Pleite von Lehman Brothers, isländischen Banken sowie heftige Kursverluste zahlreicher Wertpapiere haben nach Angaben des genossenschaftlichen Instituts zu einem Jahresnettoverlust beigetragen, der bei "gut einer Milliarde Euro" liegen dürfte.

Milliardenverlust bei der DZ - eine Gefahr für die Fusion mit der WGZ Bank? Foto: dpa Quelle: dpa

Milliardenverlust bei der DZ - eine Gefahr für die Fusion mit der WGZ Bank? Foto: dpa

FRANKURT. Nun wollen die Eigentümer das Eigenkapital der Bank um bis zu einer Mrd. Euro erhöhen. Offenbar ist auch die WGZ Bank als kleinere Zentralbank der Volks- und Raiffeisenbanken von der Finanzkrise betroffen. In Verbundkreisen geht man davon aus, dass die Düsseldorfer zumindest nach den internationalen Rechungslegungsstandards rote Zahlen für 2008 ausweisen werden. Das Minus soll aber auch relativ betrachtet deutlich geringer ausfallen als bei der DZ Bank. Kapitalmaßnahmen seien nicht nötig.

Dagegen schlägt die DZ Bank dem Aufsichtsrat am 18. Februar eine Kapitalerhöhung um bis zu einer Mrd. Euro vor. Dies geschehe "in der Erwartung, dass sich das Marktumfeld stabilisieren wird", teilte die DZ Bank mit. "Andere flankierende Alternativen werden ebenfalls geprüft", hieß es weiter.

Genaueres wollte das Institut nicht sagen. Damit dürfte aber gemeint sein, dass ein Gang zum Finanzmarktstabilisierungsfonds (Soffin) oder die Auslagerung problematischer Engagements an die genossenschaftliche "Bad Bank" BAG Hamm im Fall einer Verschärfung der Krise möglich sind.

Trotz der Hiobsbotschaften sieht die DZ Bank den geplanten Zusammenschluss mit der WGZ nicht in Gefahr. "Die Fusion mit der WGZ Bank soll planmäßig umgesetzt werden", teilte die DZ Bank mit. Das sieht nicht jeder im Verbund so, denn die WGZ-Eigentümer treibt ohnehin die Sorge um, bei einem Zusammenschluss an Bedeutung zu verlieren. Der Verlust könnte dies noch verstärken. "Manch einer hat die Sorge, dass die WGZ für die Risiken der DZ gerade stehen muss", so ein Genosse.

Die Verluste der DZ Bank fielen vor allem im vierten Quartal an. Denn nach zehn Monaten hatte das Minus der Bank erst bei rund 260 Mio. Euro gelegen. Seither war die Bank vor allem zu weiteren Wertberichtigungen auf ihre Bestände an Bankanleihen, forderungsbesicherten Anleihen sowie Staatsanleihen gezwungen. Nach den internationalen Bilanzstandards müssen solche Papiere zum Marktwert gebucht werden, vor allem im vierten Quartal waren die Kurse aber dramatisch gesunken.

Für das Gesamtjahr meldet das Spitzeninstitut nun Verluste aus Lehman-Engagements in Höhe von 360 Mio. Euro, isländische Banken kosten die Bank 449 Mio. Euro, die Beteiligung an der französischen Investmentbank Natixis kostet 269 Mio. Euro. Hinzu kommen Bewertungsabschläge auf Wertpapiere in Höhe von 1,5 Mrd. Euro.

In diesem Ergebnis blieben einige Wertkorrekturen auf Wertpapiere sogar noch unberücksichtigt. Wertberichtigungen in Höhe von 1,2 Mrd. Euro, die bei der DZ Bank und ihrer Versicherungstochter R+V Versicherungen anfielen, wurden in die so genannte Neubewertungsrücklage gestellt. Das bedeutet, dass sie nicht das Ergebnis belasteten, wohl aber das Eigenkapital der Bank schmelzen lassen.

Trotz der Verluste sollen die Besitzer nachrangiger DZ-Anleihen (Tier-1) auch für 2008 Zinsen erhalten. Die Bank begründete das damit, dass der Jahresabschluss, der nach den Regeln des Handelsgesetzbuchs erstellt wurde "auf vorläufiger Basis" positiv sei. Das dürfte auch daran liegen, dass nach dem HGB-Standard vorübergehende Wertverluste von Wertpapieren nicht bilanziert werden müssen. Die Ratingagentur Moody's senkte die Noten einiger Tier-1-Anleihen um vier Stufen auf "Baa 3". Moody's argumentiert, dass bei hohen Verlusten einer Bank die Finanzaufsicht BaFin über Zinszahlungen mitentscheiden darf.

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