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06.01.2010

18:37 Uhr

Anhebung der Vorstandsbezüge

Commerzbank verteidigt Gehaltspläne

VonSven Afhüppe, Hans G. Nagl

Auch wenn die Vorstandgehälter der Commerzbank letztlich gedeckelt bleiben, allein die Absicht, die Begrenzung von einer halben Millionen Euro aufzuheben, ist auf deutlichen Widerstand gestoßen. Zu Unrecht, wie Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef des teilverstaatlichten Instituts, findet. Es gehe gar nicht darum, die Bezüge insgesamt zu erhöhen.

Klaus-Peter Müller erklärt, dass eine Anhebung der Fixgehälter Sinn gemacht hätte. dpa

Klaus-Peter Müller erklärt, dass eine Anhebung der Fixgehälter Sinn gemacht hätte.

BERLIN/FRANKFURT. Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller hat die am Widerstand der Politik gescheiterten Pläne für eine Anhebung der Vorständsfixgehälter bei der teilverstaatlichten Bank auf 750 000 Euro verteidigt. "Ich verstehe, dass das für manche auf den ersten Blick widersprüchlich wirken mag", schrieb Müller in einem Schreiben an die Bankmitarbeiter, das dem Handelsblatt vorliegt. "Aber es ist nicht das Ziel des neuen Vergütungssystems, die Gesamtbezüge zu erhöhen." Vielmehr gelte es, kurzfristige und variable Vergütungsbestandteile zu reduzieren. Genau dies werde in der öffentlichen Debatte stets gefordert. Insofern passten die Pläne gut in die Zeit. Auf Wunsch des staatlichen Rettungsfonds Soffin habe der Aufsichtsrat aber zugestimmt, für 2010 die Deckelung auf 500 000 Euro beizubehalten.

Der Staat war vor einem Jahr mit 25 Prozent plus einer Aktie bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus eingestiegen und hatte es so vor dem Kollaps bewahrt. Insgesamt flossen der Commerzbank, die sich mit der Übernahme der Dresdner Bank inmitten der Krise überhoben hatte, so gut 18 Mrd. Euro zu. Im Gegenzug waren die Gehälter der Vorstände für das Geschäftsjahr 2008 und 2009 auf 500 000 Euro begrenzt worden. Ursprünglich sollte diese Deckelung danach wegfallen - zumal die Commerzbank auf Wunsch des Soffin bis zum Jahreswechsel ohnehin ein grundsätzlich neues Gehaltsmodell ausarbeiten musste.

Die darin vorgesehene Erhöhung der Vorstandsfixgehälter wurde aber vom Bund abgeblockt. Solange die Bank ihre stille Einlage über 16,4 Mrd. Euro wegen tief roter Geschäftszahlen nicht bedienen könne, gebe es keinen Anlass für Gehaltserhöhungen, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person dem Handelsblatt. "Für diese Regelung hat der Bund bewusst keine zeitliche Grenze festgelegt."

Müller stellte hingegen in dem internen Schreiben klar, dass die Erhöhung zu einem späteren Zeitpunkt kommen werde. Zugleich ließ er durchblicken, dass bei dauerhaft niedrigen Gehältern auch eine Abwanderung von Vorständen droht: "Man muss kein intimer Kenner der Materie sein, um zu wissen, dass Bankvorstände im Allgemeinen mehr verdienen als unsere derzeit." Im Umfeld der Bank heißt es, mehrere der Manager hätten bereits Angebote erhalten.

Hinsichtlich der geplanten Erhöhung war Aufsichtsratskreisen zufolge auch das Kontrollgremium gespalten. Der Dissens habe sich quer durch die Reihen von Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern gezogen, sagte ein Insider. Einige hätten es angesichts der öffentlichen Debatte um Boni und Banker-Gehälter als unangemessen empfunden, das Fixgehalt aufzustocken. "Man muss aber klar sehen, dass 750 000 Euro für den Vorstand keine riesige Vergütung sind", sagte ein Vertreter der Belegschaft. "Und die Commerzbank-Vorstände haben derzeit einen Knochenjob."

Laut dem Beratungsunternehmen Towers Watson erhielten die Vorstände der 30 größten börsennotierten Aktiengesellschaften 2008 im Schnitt ein Grundgehalt von 582 000 Euro. Allerdings liegen gerade im Finanzsektor insbesondere bei ausländischen Banken die fixen Vergütungen mitunter bedeutend höher. Bei der Deutschen Bank etwa waren es 2008 mit Ausnahme von Bankchef Josef Ackermann 800 000 Euro. Hinzu kamen millionenschwere Boni. Bei der ebenfalls staatlich gestützten HSH Nordbank sind die Grundgehälter ebenfalls gedeckelt. Anders als bei der Commerzbank können die Vorstände dort aber 2010 bereits für künftige Boni Punkte sammeln.

Kommentare (4)

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WS

06.01.2010, 21:37 Uhr

was erzählt der Müller für einen Scheiss ??? Dann sollen eben alle unterbezahlten Vorstände von deutschen banken zu ausländischen banken gehen. Dort werden bestimmt alle mit offenen Armen empfangen ... HAHA ...

watchdog

07.01.2010, 04:31 Uhr

Der Deckel muss bleiben und der boni-Supermarkt sollte geschlossen bleiben.

Sollte einer dieser Herrschaften, die den Karren in den Sand gefahren haben gehen wollen...bitte-schoen....doch bitte ohne Millionen....dann sollte es auch heissen"wenn es ihnen nicht mehr gefaellt, dann koennen Sie ja gehen".
Es gibt genuegend Talente mit Erfahrung die diesen Job besser machen koennen und nur darauf warten. Es wird langsam Zeit den verwoehnten Koepfen in der Frankfurter Skyline die rote Karte zu zeigen...Schaden wuerde dies nicht anrichten.

tobias

07.01.2010, 13:45 Uhr

Können die Milliarden denn nur auf der Vorstandsebene allein eingespart werden? Wie sieht denn das Gesamtmodell aus? Hier fehlt ein bisschen Futter um das bild zu schärfen und kommentieren zu können.
ist Herr Müller, der hier die Erneuerung vorantreiben soll, nicht auch der Konzernlenker durch die Zeit der "blasenbildung" gewesen? Auf island hätte man vor seinem büro auf Kochtöpfe geschlagen.
Alles Gute für 2010 und frische ideen für alle beteiligten.

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