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09.01.2009

19:24 Uhr

Banken-Experte Christoph Schalast

„Staat kann an Commerzbank gut verdienen“

VonNils Rüdel

Der Banken-Experte Christoph Schalast glaubt, dass der Staat von dem Einstieg bei der Commerzbank profitieren kann. Im Interview mit Handelsblatt.com spricht der Professor für Rechtswissenschaften und Akademische Direktor des Studienganges "Master of Mergers & Acquisitions" an der Frankfurt School of Finance & Management zudem über die Nachteile, die sich aus dem Schritt für das Institut ergeben, alternative Stützungsmöglichkeiten und die Frage, ob der Einstieg des Staates auch ein Modell für andere Banken sein kann.

Christoph Schallast: Der Banken-Experte glaubt, dass der Commerzbank-Einstieg ein gutes Geschäft für den Staat werden könnte. Foto: PR Pressebild

Christoph Schallast: Der Banken-Experte glaubt, dass der Commerzbank-Einstieg ein gutes Geschäft für den Staat werden könnte. Foto: PR

Herr Schalast, handelt es sich beim Einstieg des Bundes bei der Commerzbank nun um eine Teilverstaatlichung oder nicht?
Ich finde die Bezeichnung „Verstaatlichung“ falsch. Es handelt sich nicht um eine vollständige Übernahme, sondern der Staat beteiligt sich für eine gewisse Zeit. Auch wenn er zwei Staatssekretäre in den Aufsichtsrat entsendet, gehe ich davon aus, dass der Staat Wort hält und sich aus den operativen Entscheidungen heraushalten wird.

Muss der Staat die Übernahme der Dresdner Bank retten?
Eine solche Maßnahme kann durchaus Sinn ergeben. Kritiker meinen ja, man hätte die Übernahme absagen und die Dresdner notfalls an eine ausländische Bank verkaufen müssen. Doch man muss bedenken, dass sich ausländische Institute gerne auch mal zurückziehen, wenn schlechte Zeiten kommen. Und dann hätte der deutsche Mittelstand ein großes Problem mit der Kreditversorgung. Deshalb halte ich den Schritt der Bundesregierung für eine legitime wirtschaftspolitische Maßnahme.

Handelt es sich nicht um Wettbewerbsverzerrung?
Nein. Schauen Sie, wer hat gestern – soweit für mich ersichtlich – darüber am meisten geklagt? Das waren Landesbanken, dabei werden sie doch mit am stärkten unterstützt. Ich kann solche Vorwürfe nicht nachvollziehen. Jede Bank trifft rational für sich die Entscheidung, ob sie unter den Rettungsschirm schlüpfen will oder nicht.

Gab es Alternativen zu dem Schritt?
Natürlich kann sich die Commerzbank auch auf anderem Wege Geld besorgen - etwa durch Anleihen wie die soeben ausgegebene im Volumen von fünf Mrd. Euro, die durch den Staat abgesichert ist. Es gibt auch noch eine Reihe weiterer Refinanzierungsmöglichkeiten. Doch die Commerzbank hat sich für den staatlichen Rettungsfonds entschieden. Jede Bank muss in einer solchen Situation Risiken abwägen und sehen, welcher Weg der geeignetste und für sie wirtschaftlich sinnvollste ist.

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