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09.01.2009

19:54 Uhr

Banken in der Krise

Neue Lasten, alte Sorgen: Das Horror-Quartal

VonNicole Bastian

Häme und Spott über die Commerzbank war nach der immensen Rettungsaktion für die Commerzbank bei den Konkurrenten nicht zu hören. Denn sie alle wissen, dass viele der Probleme von Dresdner und Commerzbank auch sie treffen können. Für alle Banken, die stark vom Kapitalmarkt abhängig sind, erwarten Analysten ein tiefrotes viertes Quartal.

FRANKFURT. Die Schweizer Credit Suisse hatte Anfang Dezember breits überraschend einen Milliardenverlust ausgewiesen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs verlor im bei ihr Ende November abgelaufenen operativ 2,2 Mrd. US-Dollar wegen hoher Abschreibungen und sinkender Einnahmen im Handels- und Fusionsberatungsgeschäft. Und die Banken sind sicher, dass dies bei weitem keine Einzelfälle sein werden.

Die Postbank stimmte die Anleger am Freitag schon einmal ein, auf das was da kommen wird: ein tiefrotes Ergebnis. Von einem "stark negativen Kapitalmerktumfeld" und "signifikanten Ergebnisbelastungen" im vierten Quartal sprach die Bonner Privatkundenbank, ohne Zahlen zu nennen. Fest steht, dass sich der Verlust von 114 Mill. Euro in den ersten neun Monaten deutlich ausweiten dürfte.

Um sich von den Verwerfungen am Kapitalmarkt etwas zu schützen, hat die Postbank im vierten Quartal ihre als Finanzanlage gehaltenen Aktien komplett verkauft - und die damit verbundenen Verluste in Kauf genommen. Befürchtungen am Markt, dass eine neue Kapitalerhöhung nötig werde, dementierte ein Postbanksprecher. Die Bank liegt mit ihrer Eigenkapital-Ausstattung weiter im Rahmen ihrer Ziele. Die Aktie fiel dennoch um mehr als sechs Prozent auf 13,45 Euro.

Ein Teil des Problems für die Branche ist eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung: Nach den Bilanzierungsregeln nach Basel 2 errechnen die Banken ihre risikogewichteten Aktiva. Je höher diese sind, desto niedriger ist bei gleichem Eigenkapital die Eigenkapitalquote (Tier 1). Das heißt: Verschlechtert sich das wirtschaftliche und Finanzumfeld, erhöht sich das Volumen der risikogewichteten Aktiva, so dass bei konstantem Eigenkapital die Kapitalquote der Banken automatisch sinkt. Hier wirkt Basel 2 prozyklisch.

Unter anderem hat die umfassende Herabstufung von strukturierten Wertpapieren, insbesondere CDOs, durch die Ratingagenturen diesen Effekt im vierten Quartal forciert. Der Anstieg der risikogewichteten Aktiva sei "ein Riesenthema" bei den Banken, sagt Analyst Joachim Müller von Cheuvreux.

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