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12.01.2009

13:08 Uhr

Bankenfusion

„Wir sind Banker zweiter Klasse“

VonChristian Kemper

Der massive Staatseinstieg lässt die Commerzbanker weitgehend kalt. Die Dresdner-Kollegen zeigen sich dagegen einerseits unbeeindruckt von der Rettungsaktion der Bundesregierung, andererseits sind sie umso besorgter um ihre Jobs. Besonders zu schaffen macht ihnen die Aussicht auf schlechtere materielle Arbeitsbedingungen.

Die Banker der Dresdner Bank bangen um ihre Jobs. Foto: ap ap

Die Banker der Dresdner Bank bangen um ihre Jobs. Foto: ap

FRANKFURT. Die Sonne strahlt in der Frankfurter Kaiserstraße, wenige Tage nach dem Einstieg des Staates beim zweitgrößten deutschen Finanzinstitut. Und die Commerz-Banker lassen sich nichts anmerken: „Für mich ist heute ein Tag wie jeder andere“, sagt ein Mitarbeiter auf die Frage, wie er sich nun fühlt als ein Viertel Beamter. „Vielleicht können wir sogar einen Wettbewerbsvorteil aus der Rettungsaktion ziehen – immerhin ist jetzt die Bonität der Commerzbank sicher.“

Ebenso unbeeindruckt von der Rettungsaktion der Bundesregierung, aber umso besorgter um ihre Jobs, sehen die Dresdner-Bank-Mitarbeiter in die Zukunft. Die Kollegen der Investmentsparte Dresdner Kleinwort in London zum Beispiel bereiten sich schon auf die erste Entlassungswelle nach der Fusion vor. Besonders Aktienhändler und Derivatespezialisten fürchten um ihre Jobs. „Überraschend kommt das für keinen“, sagt ein Händler. „So ist das eben, wenn man übernommen wird.“ Sobald im Februar die Boni für 2008 ausbezahlt werden, fürchten viele eine Kündigungswelle unter den Leistungsträgern. „Wer gut genug ist, in der Krise anderswo einen soliden Job zu finden, der wird sein Glück versuchen“, glaubt der Londoner Banker. „Wer will schon wirklich für eine deutsche Staatsbank arbeiten.“

Insgesamt 9 000 Stellen sollen der Bankenfusion zum Opfer fallen, 2 500 davon im Ausland. Der Betriebsrat der Dresdner Bank und die Gewerkschaft Verdi fordern allerdings einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen über 2011 hinaus. Für die Londoner Investmentbanker kommt jedoch wahrscheinlich jede Hilfe zu spät. Denn ihr neuer Chef, Commerzbank-Primus Martin Blessing, will besonders bei den Händlern in London Stellen streichen.

Aber auch bei den Dresdner-Kollegen, die sich berechtigte Hoffnungen machen, die erste Sparrunde zu überstehen, herrscht keine Euphorie. „Wir wollen jetzt erstmal unsere neuen Arbeitsverträge sehen“, sagt eine Mitarbeiterin in Düsseldorf. Denn alle Dresdner-Banker werden mit Vollzug der Fusion wie völlig neue Mitarbeiter der Commerzbank behandelt. Fast alle materiellen Arbeitsbedingungen sollen sich dann ändern. Ihre Ansprüche auf die betriebliche Altersvorsorge, Pensions- und auch die Bonuszahlungen erlöschen und fortan sollen für sie die zumeist schlechteren Konditionen der Commerzbank gelten.

Ein Beispiel: Die Rentenzahlungen der Dresdner-Banker sollen um mehrere hundert Euro monatlich sinken. Und die Ansprüche schrumpfen weiter, je weniger Jahre die Mitarbeiter in der Vergangenheit bei der Dresdner und je mehr sie in Zukunft bei der Commerzbank leisten.

Dagegen wehrt sich der Gesamtbetriebsrat der Dresdner Bank natürlich vehement. „Das bietet Sprengstoff auf Ewigkeit“, bestätigt er die Sorgen der Kollegen. „Unsere Mitarbeiter werden, wo es geht, schlechter gestellt als die der Commerzbank.“ Für die kommenden acht Tage lud er gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi jetzt die Mitarbeiter aller Geschäftsstellen in Deutschland zu außerordentlichen Versammlungen ein. Und die Treffen haben nur ein Ziel: Die Dresdner-Mitarbeiter sollen ihren künftigen Kollegen gegenüber zumindest nicht schlechter gestellt werden. „Bis jetzt fühlen wir uns wie Banker zweiter Klasse“, sagt die Mitarbeiterin aus Düsseldorf. Den Commerzbanker in Frankfurt kümmert das scheinbar wenig. Er blinzelt in den stahlblauen Himmel und wünscht noch „einen schönen Tag.“

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