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02.01.2011

14:54 Uhr

Bankenjahr 2011

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Banken

Im neuen Jahr peilen die großen Banken in Deutschland und Amerika wieder Milliardengewinne an. Doch ob Bankenabgabe, Basel III oder Bondprobleme - die Liste der Herausforderungen für die Geldinstitute ist lang, und viele Risiken bleiben. Ein Ausblick auf das Bankenjahr 2011.

Frankfurter Bankenviertel: "Wir segeln mit Rückenwind". dpa

Frankfurter Bankenviertel: "Wir segeln mit Rückenwind".

HB FRANKFURT. Bankenabgabe, Basel III, Bondprobleme - die Liste der Herausforderungen für die Geldinstitute ist lang. Die Manager vieler Häuser gehen gleichwohl optimistisch ins Jahr 2011.

Die Deutsche Bank strebt einen Milliardengewinn an und auch die vom Staat gestützte Commerzbank sieht wieder bessere Zeiten. Die Schere zwischen starken und schwachen Banken könnte sich aber auch in Deutschland weiter öffnen - ähnlich wie in den USA.

"Die Rahmenbedingungen sind im kommenden Jahr grundsätzlich so, dass Banken gute Gewinne machen können", sagt Bankenprofessor Hans- Peter Burghof. Der Wirtschaftsaufschwung hält an - wenngleich nicht mehr in so rasantem Tempo wie zuletzt. Banken profitieren zudem davon, dass Notenbanken weiter billiges Geld zur Verfügung stellen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte beim Leitzins im Euro-Raum frühestens Ende 2011 das Rekordtief von 1,0 Prozent verlassen. Selbstbewusst plant die Deutsche Bank einen Vorsteuergewinn von 10 Milliarden Euro. Damit würde operativ der Rekord des Jahres 2007 (8,7 Mrd Euro) eingestellt, obwohl der Branchenprimus noch die Postbank - Eingliederung stemmen muss.

Konzernchef Josef Ackermann stimmte die Branche im Handelsblatt zwar wegen des neuen rechtlichen Korsetts auf vorübergehend niedrigere Renditen ein. Mittelfristig hält er aber an dem umstrittenen Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern fest: "Nach dieser Übergangsphase, die ich auf etwa drei Jahre schätze, können wir wieder gewohnte Renditen erreichen."

Optimismus auch bei der Commerzbank: "Wir segeln mit Rückenwind ins nächste Jahr und gehen davon aus, dass das operative Ergebnis 2011 über dem Vorjahresergebnis liegen wird", sagte Finanzvorstand Eric Strutz. Spätestens ab 2012 will Deutschlands zweitgrößte Bank die staatlichen Rettungsmilliarden zurückzahlen.

Doch Risiken bleiben. Einzelne Banken hätten "noch Blindgänger im Keller" und könnten "wieder in eine Krise geraten", meint Experte Burghof. Allein im hoch verschuldeten Irland haben deutsche Institute laut Bundesbank etwa 25 Milliarden Euro im Feuer. Hartnäckig hält sich die Sorge, dass auch andere Euro-Länder wie Portugal zur Last werden könnten - und damit deren Staatsanleihen (Bonds) zum Risiko.

Kommentare (3)

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GEKO

02.01.2011, 18:32 Uhr

bei solchen berichten vermisse ich die beschreibung der Situation der für Privatpersonen und mittelständische Unternehmen zumindest gleich wichtigen Sektoren der öffentlich rechtlichen sowie der genossenschaftlichen Kreditinstitute. Fehlt die entsprechende Fachkenntnis über den Gesamtmarkt?

Stefan L. Eichner

02.01.2011, 20:21 Uhr

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft existiert nicht nur im Kreditgewerbe, sondern genau so in der Wirtschaft. Das ist die gewollte Konsequenz einer Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik in allen industriestaaten, die sich seit den späten 60er Jahren primär die Verbesserung der Rahmenbedingungen und die Förderung von Großunternehmen fokussiert. Das ist seither der Kern des Wachstumsmodells der industriestaaten und zeigt sich u. a. darin, dass überall das bestreben besteht, "National Champions" zu schaffen, die als Garanten für Wachstum und beschäftigung angesehen werden. Und die benötigen eben auch große banken, die sie auf den globalen Märkten adäquat begleiten können (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/05/meganotfusionen-tragen-nicht-zur.html).

Die Sache hat zwei Haken:

Erstens hat diese Politik die Abhängigkeit ganzer Volkswirtschaften von einigen sehr großen Konzernen und banken enorm zugenommen und - im Krisenfall - die "Too big To Fail"-Problematik massiv verschärft. Gleichzeitig wurde das Segment der mittelständischen Unternehmen und banken über die Jahre sukzessive benachteiligt und geschwächt, so dass es seine stabilisierende Funktion im Krisenfall nicht mehr uneingeschränkt erfüllen kann. (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/11/irland-krise-regierungen-bleiben-eine.html)

Zweitens ist nicht erwiesen, dass die dieser Politik zugrunde liegende These überhaupt stimmt und es insofern unter den Aspekten Wachstum, beschäftigung und Stabilität von Volkswirtschaften nicht sogar falsch war, eine von Großunternehmen dominierte Wirtschaftsstruktur zu schaffen (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/09/kapitalismus-in-der-krise-abschied-von.html).

Möglicherweise ist genau das unser Kernproblem - für die USA noch mehr als für Europa - und Ursache für die hohe Krisenanfälligkeit .

Robert Knitt

03.01.2011, 14:58 Uhr

Die Überschriften mit dem Wort "Zweiklassengesellschaft" scheinen sehr beliebt zu sein, sonst würden Sie nicht so oft verwendet werden. Polarisieren, provozieren, beides regt zum Nachdenken an. Ja, behauptungen wie auch infragestellen gehört einfach zum Journalismus.

Doch meist gibt es nicht nur zwei Klassen, sondern das Thema ist differenzierter. bereits dadurch, dass das amerikanische bankensystem anderes aufgebaut ist, als das deutsche, sind Vergleiche nicht ganz so einfach möglich - von unterschiedlichen bilanzierungsmethoden und bewertungswahlrechten ganz zu schweigen.

Dann gibt es in Deutschland die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen, auf die im bericht gar nicht eingegangen wurde. bereits diese beiden Regionalbankmodelle unterscheiden sich voneinander – nicht nur beim Haftungskapital. Ganz anders ausgerichtet, wie diese Regionalbanken, sind die großen Aktiengesellschaften. Sie unterscheiden sich ganz wesentlich auch im Geschäftsmodell von Sparkassen, Genossenschaftsbanken sowie von kleineren Privatbanken.

Was es immer geben wird, sind unterdurchschnittlich erfolgreiche banken, durchschnittlich erfolgreiche banken und überdurchschnittlich erfolgreiche banken. Und auch nachhaltig erfolgreiche banken und die, mit den Achterbahnentwicklungen wird es voraussichtlich weiterhin geben.

Vielleicht wäre es angebracht einmal zwischen den lernfähigen und den nicht so lernfähigen banken zu unterscheiden. „Der Lerneffekt ist um so höher, je höher das damit verbundene emotionale Erlebnis ist“, sagte einmal ein Lernwissenschaftler. Nachdem die angeschlagenen banken in der Regel kaum Konsequenzen zu tragen hatten, war das emotionale Ergebnis nicht besonders ausgeprägt. Hoffen wir, dass es trotzdem einen Lerneffekt bei den banken gibt - und bald auch wieder ein stabiles und vertrauenswürdiges bankensystem.

Egal was uns das Jahr 2011 bringen wird, ich wünsche ihnen von Herzen Übersicht und Klarheit verbunden mit Gelassenheit, bewusste gute Entscheidungen, privates Glück, die Entdeckung einer literarischen Kostbarkeit, das familiär Erhebende, erreichbare Ziele, berührung durch Musik, Schöpfertum im beruf, beruflichen Erfolg, kulinarische Genüsse, den besonderen Film, das rechte Augenmaß und die stärkende Portion Kinderei an jedem Tag. – ihr Robert Knitt von der iM bE MA - Consult GmbH

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