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26.01.2009

11:03 Uhr

Bankenkrise

Barclays hält das Lichtlein der Hoffnung hoch

Aus den Niederlanden und aus Frankreich stammen die jüngsten schlechten Nachrichten aus der Finanzbranche. Nachdem der Finanzkonzern ING einen Milliardenverlust eingefahren hat, muss der Vorstandschef gehen, 7000 Jobs werden gestrichen. Auch die französischen BNP Paribas steht tiefrot da. Wenigstens die britische Großbank Barclays hält noch ein Lichtlein der Hoffnung hoch.

Das Logo von Barclays an einer Filiale in London. Foto: dpa Quelle: dpa

Das Logo von Barclays an einer Filiale in London. Foto: dpa

HB Amsterdam/Paris/London. Michel Tilmant zieht die Konsequenzen, die Konsequenzen aus einem finanziellen Desaster, das sein Haus erlitten hat – und rund 7000 Arbeitsplätze kosten dürfte. Die Bankenkrise hat die ING böse erwischt. Allein im vierten Quartal erwartet der Konzern Verluste von 3,3 Mrd. Euro. Folge: Tilmant, der Mann unter dessen Ägide die ING Schlagseite erlitt, muss gehen. Und: Die Kosten sollen um eine Milliarde reduziert. Was das heißt, werden die betroffenen Banker bereits ahnen.

Wobei die ING Diba, die deutsche Tochter der ING Group, nach Angaben eines Sprechers von dem geplanten Stellenabbau aber nicht betroffen sein soll. Insgesamt beschäftigt der Konzern 130 000 Mitarbeiter.

Wichtigste Nachricht allerdings für das Bestehen des Gesamtkonzerns – und für die Börse: Die ING nimmt erneut Hilfen des Staats in Anspruch. Die Bank einigte sich mit der niederländischen Regierung auf eine Art Bürgschaft für einen Großteil riskanter Papiere, die ein Volumen von insgesamt 27,7 Milliarden Dollar haben.

So begann heute Morgen ein weiterer Tag der Finanzkrise, die unverdrossen wütet. Nicht nur in den Niederlanden. Auch in Frankreich steht eine Großbank tiefrot da. Die BNP Paribas rechnet im vierten Quartal mit einem Milliardenverlust. Schuld: hohe Abschreibungen und ein Anstieg der Risikovorsorge. Das vierte Quartal sei von außergewöhnlich heftigen Bewegungen an den Kapitalmärkten gekennzeichnet gewesen, hieß es in einer veröffentlichten Mitteilung.

So ähnlich liest sich das auch bei der ING. Wen wundert´s. Bei den Niederländern steht der Nachfolger von Michel Tilmant bereits fest. Der derzeitige Vorsitzende des Aufsichtsrates der ING-Gruppe, Jan Hommen, soll das Ruder des leckenden Schiffes übernehmen. Kommissarisch wird Vorstandsmitglied Eric Boyer die Aufgaben des Konzernchefs wahrnehmen.

Über die Ernennung Hommens zum neuen ING- Spitzenmann sollen die Aktionäre am 27. April abstimmen. Der ING- Konzern hatte im vergangenen Oktober nach erheblichen Verlusten im dritten Quartal eine Kapitalspritze des Staates von zehn Mrd. Euro erhalten.

Bis auf den Rücktritt des Konzernchefs sieht es bei der BNP ganz ähnlich aus. Auch die Franzosen planen, Staatshilfe in Anspruch zu nehmen. Konkret geht es um das zweite Bankenhilfspaket der französischen Regierung. Im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung sollen die Aktionäre über den Vorschlag abstimmen, dem Staat Vorzugsaktien im Wert von 5,1 Mrd. Euro anzudienen. Diese würden allerdings keine Stimmrechte beinhalten. Mit Hilfe dieser Maßnahmen soll die Kernkapitalquote auf etwa acht Prozent verbessert werden.

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