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07.01.2009

13:30 Uhr

Bankenübernahme

Banken stehen vor Quartal der Tränen

VonNicole Bastian und Yasmin Osman

Steigende Risikoprämien und Abschreibungsverluste sorgen in der Bankenbrache derzeit für historisch schlechte Quartalsabschlüsse. Unter diesen erschwerten Marktbedingungen ringt die Commerzbank weiterhin um die Übernahme der Dresdner Bank. Ein Scheitern darf es nicht geben.

Die Banken dürften schlechte Zahlen für das vierte Quartal vorlegen. Foto: ap ap

Die Banken dürften schlechte Zahlen für das vierte Quartal vorlegen. Foto: ap

FRANKFURT. Trotz der Diskussion über neue Staatshilfen für die Dresdner Bank steht die Übernahme durch die Commerzbank. Die Commerzbank betonte gestern, der Kauf werde Ende Januar abgeschlossen. Auch in Regierungskreisen wurde versichert, es werde alles getan, damit der Deal über die Bühne gehe.

Die Börse sorgt sich über ein Scheitern. „Auf die Durchführung der Übernahme hat das meiner Ansicht nach keinen Einfluss, aber eine Kapitalzufuhr für die Dresdner Bank dürfte den Commerzbank-Aktionär belasten“, sagt Bankenanalyst Joachim Müller von Chevreux. Der Kurs der Commerzbank gab gestern um mehr als zwei Prozent nach.

Müller hält einen weiteren Kapitalbedarf von zwei bis drei Mrd. Euro für vorstellbar. Denkbar sei ein Mix aus Risikoabschirmung kritischer Aktiva und Kapitalzufuhr durch die Soffin. Eine direkte Kapitalerhöhung im Markt sei hingegen „bei den derzeitigen Preisen im Markt kaum vorstellbar“. Nach Informationen des Handelsblatts soll bis kommende Woche eine Lösung gefunden werden.

Commerzbank und Dresdner Bank haben wie andere Banken auch ein schwieriges viertes Quartal hinter sich. Nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Axel Weber stehen die Banken vor historisch schlechten Quartalsabschlüssen. Auf der jüngsten Sitzung des Leitungs- und Lenkungsausschusses des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) sagte Weber nach Angaben von Teilnehmern, dass die Abschreibungsverluste der Banken im vierten Quartal 2008 alle bisherigen Quartalsergebnisse deutlich übertreffen werden. Bundesbank-Präsident Weber und Regierungsvertreter erwarten deshalb, dass etliche Banken ihre Anträge auf Rettungshilfen beim Soffin in nächster Zeit aufstocken werden.

Auch Analysten erwarten massive Abschreibungen. „Angesichts der extremen Ausweitung der Risikoaufschläge dürften die Abschreibungen im vierten Quartal wesentlich höher sein als im dritten Quartal“, sagt Bankenexperte Stefan Best von der Ratingagentur Standard & Poor’s. „Allerdings ist noch unklar, in welchem Maße die Ergebnisse von einer Änderungen in der Rechnungslegung profitieren werden.“ Auch sein Kollege Müller rechnet mit hohen Wertberichtigungen. Dadurch entsteht bei vielen Instituten zusätzlicher Kapitalbedarf.

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