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12.01.2010

16:05 Uhr

BayernLB

Protokoll des Scheiterns

VonOliver Stock, Axel Höpner, Stefan Menzel

Ende Januar 2007. Im Hinterzimmer eines Wiener Flughafens bereiten zwei Männer einen Deal vor: den Einstieg der BayernLB bei der Kärntner Bank Hypo Alpe Adria . Nun, zwei Jahre später, ermitteln die Staatsanwälte. Für heute haben sie einen der beiden Männer von damals als Zeugen geladen.

Die Hypo Group alpe Adria hat die BayernLB ins Verderben gestürzt. Quelle: dpa

Die Hypo Group alpe Adria hat die BayernLB ins Verderben gestürzt.

FRANKFURT/MÜNCHEN/WIEN. Als das Luftschloss in sich zusammengefallen ist, eine tote Vision vom Big Business, da ist es schlagartig vorbei mit der Diskretion. Jene, die dabei waren, und solche, die Folgen fürchten müssen, spielen öffentlich Schwarzer Peter. Banker, ehemalige Banker, Politiker in München und in Österreich. Mit jedem Tag, so scheint es, werden es mehr Mitspieler.

Am Anfang stand das Investment der BayernLB, der zweitgrößten deutschen Landesbank, bei einer Kärntner Landesbank, deren Name bis vor ein paar Monaten nur Kennern etwas sagte: Hypo Group Alpe Adria, kurz HGAA. Es ist eine Affäre daraus geworden, die nun auf ihre Zuspitzung hintreibt. Der vor zwei Jahren gefeierte Deal wird den deutschen Steuerzahler am Ende mindestens 3,7 Milliarden Euro kosten. Die Staatsanwaltschaft kümmert sich um die Angelegenheit, die eine Regierungspartei bis zur Handlungsunfähigkeit beschäftigt. Ein Untersuchungsausschuss soll demnächst die wichtigste Frage klären: Wer trägt die Schuld?

Die Frage soll schon heute in München gestellt werden, wo ein Mann namens Tilo Berlin als Zeuge von der Staatsanwaltschaft eingeladen ist. Ob er kommt, ist unsicher. Und gestellt wird sie auch in Wildbad Kreuth, wo die CSU tagt. Denn nicht nur Banker haben versagt, auch damalige oder heutige Politiker, die diese Banker hätten beaufsichtigen sollen: Männer mit dem Parteibuch der CSU. Es ist eine verworrene Geschichte. Sie beginnt im Januar 2007.

29. Januar 2007

Ein grauer, verregneter Tag in Wien. Der Ort ist wie gemacht für ein Hinterzimmer-Gespräch. Gegenüber vom Eingangsgebäude des Flughafens Wien-Schwechat führt ein langer Gang vorüber an Konferenzsälen, die die Namen der Hauptstädte dieser Welt tragen. Im letzten Raum hinten rechts treffen sich zwei Männer. Den einen kennt die Finanzszene als durchtriebenen Chef der Kärntner Bank Hypo Alpe-Adria, kurz HGAA: Wolfgang Kulterer. Der andere heißt Tilo Berlin.

Berlin ist damals noch ein Unbekannter. Er hat unter Alfred Herrhausen, dem legendären Chef bei der Deutschen Bank, sein Bankiershandwerk gelernt. Dann Landesbank in Stuttgart. Seit vier Jahren betreibt er eine Vermögensverwaltung mit Sitz in Frankfurt am Main und einer Tochterfirma nahe dem Wörthersee, wo Familien wie die Flicks seine Dienste brauchen.

Kulterer und seine Bank brauchen Geld. Er hat zwar die HGAA zur größten Bank in Kärnten geformt, zur Nummer fünf in Österreich – und zu einer Größe auf dem Balkan.

Dann aber gab es diese Affäre, von der Kulterer sagt, auch wegen ihr sei seine Ehe zerbrochen. Die Bank ist gewachsen, aber Kulterer hat das Risikomanagement nicht im Griff gehabt. Die Hypo Alpe hat bei Swap-Geschäften 328 Millionen Euro verloren und das nur scheibchenweise verbucht. Wirtschaftsprüfer, die das bemerkten, haben ihr Testat zurückgezogen. So ist Kulterers Traum geplatzt, die HGAA an die Börse zu bringen. Er musste als Vorsitzender abtreten, um – eine sehr österreichische Lösung – an die Spitze des Aufsichtsrats zu wechseln.

Kommentare (4)

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Claudia Kleiser

12.01.2010, 18:08 Uhr

Es wird Zeit, daß alle Aktionen rund um diese Transfers restlos aufgeklärt werden, damit nicht Leute Flecken auf die weiße Weste bekommen, die keine verdient haben und damit nicht Leute mit weißer Weste durch die Gegend laufen, obwohl diese eigentlich schwarz sein müsste. Das Vertrauen der Steuerzahler ist zumindestens schwer angeknackst.

Veits M.

12.01.2010, 18:31 Uhr

Heute will Frontal 21 etwas Licht in die "schwarzen Löcher" werfen.

Aus Wilhelm Schlötterers buch "Macht und Missbrauch" sind die bayerischen Strukturen wohl bekannt.

Was die Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft angeht, darf man überspitzt fragen: Soll da nicht die "CSU gegen die CSU" ermitteln? bei der von der Neuen Richtervereinigung seit vielen Jahren gerügten WEiSUNGSGEbUNDENHEiT, die die Sachbearbeiter von ihrem Leitenden Oberstaatsanwalt, Generalstaatsanwalt und Justizminister abhängig macht?

Über diesen Milliarden-Deal hinaus böte dieser Skandal um die bayernLb Anlass genug, sich darüber Gedanken zu machen, ob wir weiter zusehen wollen, wie das Land in postdemokratischen Verhältnissen seine (Götter)Dämmerung erlebt?

Alexis Johann

13.01.2010, 09:55 Uhr

Der ehemalige Langzeit-Chef der Kärntner Landesbank, Wolfgang Kulterer, der das institut mittels rasanter Expansion nach Südosteuropa groß gemacht hat, gibt gegenüber dem Wirtschaftsblatt erstmals eine Stellungnahme zur Hypo Alpe Adria ab: Gerüchte, wonach er für Tilo berlin die geheimnisumwitterten investoren gekeilt habe, weist er zurück: "Es ist unrichtig, dass ich für Herrn berlin die investoren gesammelt habe. Richtig ist aber, dass ich einzelne Personen auf diese investmentmöglichkeit aufmerksam gemacht habe."
Meinungsäußerungen zu Vermutungen, dass es unlautere Absprachen zwischen berlin und Ex-bayern Lb-Chef Werner Schmidt gegeben haben könnte, könne und wolle er nicht abgeben, sagt Kulterer, legt aber Wert auf Offenheit in eigener Sache: "ich habe bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt deponiert, dass ich jederzeit für eine Aussage zur Verfügung stehe und über meinen Anwalt kurzfristig kontaktiert werden kann".

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