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07.01.2010

06:59 Uhr

Beihilfeverfahren

Investoren haften für Landesbanken

VonFrank Matthias Drost

ExklusivDie Investoren angeschlagener Landesbanken müssen mit weiteren Einbußen rechnen. Die EU-Kommission besteht in den laufenden Beihilfeverfahren darauf, dass auch hybrides Kapital wie Genussscheine und stille Einlagen an den absehbar milliardenschweren Verlusten für 2009 beteiligt werden muss.

Die EU-Kommission ist dabei, an der LBBW ein Exempel zu statuieren. dpa

Die EU-Kommission ist dabei, an der LBBW ein Exempel zu statuieren.

DÜSSELDORF. Wie das Handelsblatt aus EU-Kreisen erfuhr, statuiert die Kommission bereits bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in dieser Frage ein Exempel. Doch auch weitere Landesbanken wie die HSH Nordbank, die BayernLB und die WestLB stellen sich auf ähnliche Auflagen ein. Das sogenannte hybride Kapital, das für einen Verlustausgleich herangezogen werden kann, summiert sich bei diesen vier Instituten nach Handelsblatt-Berechnungen auf rund 18,5 Mrd. Euro. Um einen Teil dieses Geldes müssen die Eigner und Träger, also Länder, Sparkassen und institutionelle Investoren, jetzt bangen. Die konkrete Höhe der Verlustbeteiligung wird mit der Feststellung des Jahresabschlusses 2009 in den nächsten Wochen bestimmt.

Die vier Landesbanken konnten nur dank massiver Hilfen ihrer Eigner die Finanzmarktkrise überstehen. Brüssel genehmigt diese Hilfen nur unter einschneidenden Auflagen, beispielsweise muss das Bilanzvolumen in der Regel halbiert werden.

Bank-Professor Dirk Schiereck begrüßt die harte Haltung Brüssels. „Die Kommission hat hier ein klares Zeichen gesetzt. Eigenkapital ist nur Eigenkapital, wenn es an Verlusten teilnimmt.“ Das Risiko, dass das Kapital nicht bedient wird, sei in den Konditionen für hybrides Kapital nicht angemessen eingepreist. Mit dieser Maßnahme beseitige Brüssel jetzt auch eine Wettbewerbsverzerrung im Bankenbereich, so Schiereck.

Noch im Oktober 2009 ging die LBBW davon aus, dass das hybride Kapital voraussichtlich nur nicht mehr bedient werden könne. Doch im Dezember ging die EU-Kommission noch einen Schritt weiter und fordert nun eine Verlustbeteiligung ein. Betroffen davon ist ein Hybridkapital von mehr als sieben Mrd. Euro, das sich aus stillen Einlagen in Höhe von 4,65 Mrd. Euro und 2,46 Mrd. Euro Genussrechtskapital zusammensetzt.

Die HSH Nordbank stimmt ihre Hybridkapitalgeber ebenfalls auf Verzicht ein. Bei der Bank ist hybrides Kapital in Höhe von 3,4 Mrd. Euro betroffen. Dabei entfallen auf stille Einlagen, die teilweise von den Anteilseignern Hamburg und Schleswig-Holstein gehalten werden, rund 2,9 Mrd. Euro, gut 500 Mio. Euro entfällt auf breit gestreutes Genussrechtskapital.

Auch die BayernLB, deren hybrides Kapital sich auf 6,1 Mrd. Euro beläuft, hat die Investoren auf substanzielle Veränderungen hingewiesen. Von den stillen Einlagen in Höhe von 4,9 Mrd. Euro hält der Freistaat drei Mrd. Euro, gut eine Mrd. Euro entfällt auf die Sparkassen. Das Genussrechtskapital summiert sich auf 1,2 Mrd. Euro. Bei der WestLB ist ein Hybridkapital in Höhe von 1,9 Mrd. Euro betroffen.

Die Landesbanken versuchen bereits, ihre Investoren versöhnlich zu stimmen. Alle betroffenen Institute haben angeboten, die Laufzeiten für Genussscheine und stille Einlagen zu verlängern – mit der Option, ausgefallene Zinszahlungen später nachzuholen und Herabsetzungen des Kapitals wieder rückgängig zu machen.

Kommentare (2)

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3 weiße Tauben **** aufs Dach

07.01.2010, 13:09 Uhr

Es ist ein Wunder der asozialen bankwirtschaft in diesem Laden, dass solch maroden und korrupten Kirmeszelte wie die LbbW nach einer Marktbereinigung wie in 2008/2009 überhaupt noch existieren.

Da diese bank sich auf den "Mittelstand" in den USA in Form von absoluten Schrottanleihen (sogenannte Sub-Prime-Papiere) spezialisiert hat, sollte die Zukunft dieser kriminellen Vereinigung entsprechend aussehen: bank auflösen und die Verantwortlichen
für die Milliardenverluste aufkommen lassen - am besten nach us-amerikanischen Recht und zwar dem in Texas!

k.-h.

07.01.2010, 19:11 Uhr

Traurig, daß die Selbstverständlichkeit der unbedingten Haftung von auch Hybridkapital überhaupt Anlaß zu Streitigkeiten geben kann. Es ist ein weiterer Ausdruck davon, daß entweder niemand dort etwas versteht von Ökonomie und Haftungstatbeständen oder schon wieder einmal man sich drücken möchte zum Nachteil der Allgemeinheit/Steuerzahlen. beides scheint einer vorwiegenden Haltung bei Verantwortlichen aus Politik und Verbänden und leider auch der Wirtschaft zu entsprechen. Daß ausgerechnet brüssel ein Machtwort sprechen muß, ist in der Tat äußerst traurig.

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