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02.01.2009

14:18 Uhr

Berkshire Hathaway

Warren Buffett im Sog der Finanzkrise

VonNils Rüdel

Seine Anlagestrategie machte ihn zum zeitweise reichsten Mann der Welt. Doch die Finanzkrise verschont auch eine Investment-Legende nicht: Der Wert von Warren Buffetts Firma Berkshire Hathaway ist im vergangenen Jahr um 32 Prozent eingebrochen. Schuld sind fallende Kurse im Portfolio und riskante Wetten.

Investor Warren Buffett. Foto: dpa Quelle: dpa

Investor Warren Buffett. Foto: dpa

DÜSSELDORF. "Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde." Mit Weisheiten wie dieser ist der US-Investor Warren Buffett, 78, mit seiner Firma Berkshire Hathaway zum zeitweise reichsten Mann der Welt geworden.

Nun aber wirkt Buffetts Zitat wie ein unbeabsichtiger Appell an die eigenen Aktionäre: Der Wert der ruhmreichen Investmentgesellschaft ist im vergangenen Jahr um 32 Prozent eingebrochen - der tiefste Fall seit drei Jahrzehnten. Kostete eine Berkshire-Aktie Ende 2007 noch stolze 141 600 Dollar, bekam man sie am 31. Dezember 2008 für nur noch 96 600 Dollar. 2007 war der Wert noch um 29 Prozent gestiegen.

Kleiner Trost für Buffett: Der Vergleichsindex Standard and Poor's (S&P) 500 ist im selben Zeitraum um 38 Prozent und damit noch stärker eingestürzt, der Dow Jones um 34 Prozent. Und so kann Berkshire immerhin melden, den S&P zum 14. Mal in 20 Jahren übertroffen zu haben. Die Finanzkrise schmälert neben Aktienkursen eben auch die Ansprüche - selbst die von Investment-Legenden.

Den Großteil der Verluste hat Buffett laut der Nachrichtenagentur Bloomberg im vergangenen Quartal eingefahren, als die Rezession viel von dem Wert der Berkshire-Investments auffraß, die sich zum 30. September noch auf 76 Mrd. Dollar beliefen. Zwar sollen die offiziellen Bilanzzahlen erst in ein paar Wochen veröffentlicht werden. Doch angesichts der Tatsache, dass die meisten der Top-Beteiligungen Buffetts in den vergangenen drei Monaten zweistellig verloren haben, dürften die Berkshire-Aktionäre nicht erfreut sein: Die Top-Anlage Coca-Cola fiel um 14 Prozent, die Nummer zwei Wells Fargo um 21. ConocoPhilips brach gar um 29 Prozent ein.

Neben den bröckelnden Unternehmenswerten im Berkshire-Portfolio dürften auch Buffetts milliardenschwere, langfristige Wetten auf Aktienindizes auf den Kurs gedrückt haben. Der Investor hat weltweit Wetten auf vier Indizes laufen, etwa auf den Standard & Poor's. Investoren gaben Buffett demnach 4,85 Mrd. Dollar dafür, dass er sie absichert, sollten die Indexstände dramatisch fallen. In diesem Fall müsste er den Geldgebern ab 2019 bis zu 36 Mrd. Dollar zurückzahlen. Sollten die Märkte aber steigen, hat Buffett ein gutes Geschäft gemacht.

Solcherlei Wetten machen die Berkshire-Anleger zunehmend nervös, da in der Finanzkrise auch Unmögliches möglich werden kann. Als warnendes Beispiel gilt der japanische Nikkei-Index, der 1989 noch 39 000 Punkte erreichte. Heute liegt er unter 9000 Punkten. Während Buffett im November besorgten Investoren versprach, noch transparenter bei seinen Geschäften zu sein, verdreifachte sich im vergangenen Quartal der Preis für Absicherungen von Berkshire-Geschäften. Solche Credit Default Swaps spiegeln das Vertrauen der Anleger wider - je höher der Preis, desto niedriger die Zuversicht.

Anleger rechnen nun offenbar mit einem weiter sinkenden Berkshire-Kurs. Die Zahl der Leerverkäufe jener Titeln war laut Daten von Bloomberg zuletzt so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr. Bei Leerverkäufen wetten Anleger auf fallende Kurse.

Optimistisch wie immer gibt sich freilich Buffett selbst. Die allgemeinen Kurseinbrüche, sagte er im November bei "Fox Business Network", machten "keinen Unterschied". So etwas sei ihm bereits drei Mal zuvor passiert. "Ich hoffe, dass ich noch lange genug lebe, damit es mir noch ein paar Mal mehr passiert", sagte er. Schließlich ist der Berkshire-Kurs trotz der Rückschläge seit 1965 jedes Jahr durchschnlittlich um 20 Prozent gestiegen. Eine Anlage von 1000 Dollar zur damaligen Zeit wäre heute gut sieben Mio. Dollar wert.

Mögliche Zweifel an seinem Geschäftssinn zertreute der Investor mit seinem jüngsten Coup: Mit einer Wette auf die diesjährige Hurrikan-Saison in Florida verdiente er 224 Mio. Dollar. Buffett hatte dem Bundesstaat zugesichert, bei größeren Sturmschäden mit Anleihen auszuhelfen. Glück für den Geschäftsmann: Die Stürme blieben aus. Die an den Finanzmärkten allerdings wehen noch.

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