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06.01.2010

10:43 Uhr

BNP Paribas

Die Jagd auf Schnäppchen zahlt sich aus

VonHolger Alich

In Frankreich geht die BNP Paribas als Sieger aus der Krise hervor. Die Bank konnte die belgische Finanzgruppe Fortis günstig übernehmen. Die Analysten sind von dem Deal begeistert - und die Bank spielt seitdem in einer eigenen Liga.

BNP Paribas-Vorstandschef Bauouin Prot: Er macht bei der Integration seiner Zukäufe Tempo. Quelle: Reuters

BNP Paribas-Vorstandschef Bauouin Prot: Er macht bei der Integration seiner Zukäufe Tempo.

PARIS. Jede Krise bietet auch Chancen. Und kaum eine Bank in Europa hat diese positive Seite der Finanzkrise so geschickt genutzt wie Frankreichs Großbank BNP Paribas. Dank des Erdbebens an den Finanzmärkten konnten die Franzosen für nur 6,2 Mrd. Euro die stolze belgische Finanzgruppe Fortis einkaufen. Und nun ist BNP Paribas den Konkurrenten enteilt. "Fortis ist eine großartige Akquisition", jubeln zum Beispiel die Analysten von JP Morgan.

2012 soll die belgische Bank den Planungen nach der neuen französischen Mutter 1,3 Mrd. Euro in die Kassen spülen. Damit hat BNP Paribas nicht einmal das Fünffache des erwarteten Gewinns für Fortis bezahlt - und die meisten Analysten halten BNP Paribas Gewinnerwartung wie üblich für zu konservativ.

Der Börsenwert ist doppelt so hoch wie bei der Deutschen Bank

Nun spielt die Bank, die Baudouin Prot leitet, in einer anderen Liga: BNP Paribas ist mit einem Börsenwert von 65 Mrd. Euro mehr als doppelt so viel wert wie die Deutsche Bank. Und wiegt an der Börse so schwer wie die Lokalrivalen Crédit Agricole und Société Générale zusammen.

Nur ein Haus, das seine eigene Bilanz in Ordnung hat, kann es sich in Krisenzeiten leisten, zuzukaufen. Während der Krise ist BNP Paribas nur ein einziges Mal, und zwar im vierten Quartal 2008, in die roten Zahlen abgetaucht. Dabei zählt die Großbank im volatilen InvestmentBanking durchaus zu einer der führenden Adressen in Europa.

Doch anders als etwa die Deutsche Bank betreibt BNP Paribas so gut wie keinen Eigenhandel. Das Investment-Banking betreibt Deals mit und für Kunden, etwa in der Parade-Disziplin der Franzosen, den Derivaten. Verkauft BNP Paribas einen Put (Rückprämie bei Termingeschäften) auf eine Aktie, steht die Bank als Gegenpartei zwar dafür ein; doch die Franzosen sichern diese Positionen so weit wie möglich wieder ab.

Lediglich Ende 2008, als die Verwerfungen an den Märkten ungeahnte Ausmaße annahmen, riss die Investment-Banking-Sparte mit einem Verlust von zwei Mrd. Euro die Bank in die roten Zahlen. Doch dieser Ausrutscher ist vergessen. Auch die Größe der Bilanz der BNP Paribas schreckt Analysten nicht: Sie schwoll nach der Fortis-Übernahme auf knapp 2,3 Billionen Euro an. "Das Anwachsen der Bilanz ist auf Zukäufe in verschiedenen Regionen wie Italien und jetzt Belgien zurück zu führen", argumentiert Pierre Flabbée, Bank-Experte des Brokers Kepler. Sprich, die Risiken seien auf verschiedene Märkte verteilt. Und trotz des Wachstums habe sich der Business-Mix nicht verändert; zwei Drittel der Einnahmen stammten aus dem risikoarmen Retail-Banking und der Vermögensverwaltung. Nur ein Drittel steuere die Investmentbank ein.

Flabbée räumt aber ein, dass bei einer solch riesigen Bankengruppe wie BNP Paribas nicht nur das Top-Management, sondern auch die lokalen Führungskräfte top sein müssen. Für das Gesamtjahr 2009 rechnet er mit einem Nettogewinn von 5,7 Mrd. Euro, nach rund drei Milliarden Euro im Horrorjahr 2008.

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